Sartorius: Mit Ansage gegen die Wand?

Ein älterer Mann ärgert sich vor einem tiefroten Aktien-Chart über einen Verlust
Foto: Tumisu via Pixabay

Wenn man die Finanzmärkte über mehrere Jahre verfolgt, bekommt man das Gefühl, schon alles gesehen zu haben. Doch was das Management des Labormittelausrüsters Sartorius (716563) in den letzten Wochen und Monaten macht, habe ich noch nie gesehen.

Denn basierend auf den letzten wesentlichen Nachrichten scheint es, als würde man das Unternehmen per Ansage gegen die Wand fahren wollen.

Überteuerte Übernahme

Die Misere begann aus meiner Sicht mit der Mitteilung einer völlig überteuerten Übernahme des französischen Konzerns Polyplus für einen Kaufpreis von 2,4 Mrd. Euro. Völlig überteuert? Ja, denn das Unternehmen erzielt offensichtlich Umsatzerlöse im hohen zweistelligen Millionenbereich. Selbst wenn man von Umsatzerlösen in Höhe von 90 Mio. Euro ausgeht, beläuft sich das KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) auf 26,6. In Zeiten hoher Kreditzinsen ein absolutes No-Go. Hier wurde bereits viel Vertrauen der Investoren verspielt.

Millionenschwere Investitionen in Korea

Knapp drei Wochen später kommt die nächste Nachricht zum aggressiven Expansionskurs von Sartorius. Denn der Konzern plant offensichtlich eine Investition von über 600 Mio. Euro in einen neuen Produktionsstandort in Südkorea. Grundsätzlich keine schlechte Nachricht. Jedoch kommt die Meldung zur Unzeit.


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Denn die Finanzmärkte wissen, wie Sartorius das Kapital für diese Investition besorgen möchte. Entweder über eine Kapitalerhöhung oder mit der Aufnahme von teurem Fremdkapital. Beide Szenarien sind für Investoren uninteressant. Vor allem, weil Sartorius auch mit sinkenden Auftragseingängen zu kämpfen hat.

Sinkende Auftragseingänge

Denn basierend auf den Zahlen zum ersten Quartal 2023 fiel der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahresquartal von 1,12 Mrd. Euro um 31,2 % auf nun 764,8 Mio. Euro ab. Sollte daher die Schaffung neuer Produktionskapazitäten die höchste Priorität des Managements sein? Ich denke nicht!

Langjähriger CFO verlässt Sartorius

Als wäre die Nachrichtenlage nicht schon deprimierend genug, musste der Labormittelausrüster auch den Verlust des langjährigen CFOs Rainer Lehmann vermelden. Dieser wird zwar bis Oktober 2023 im Unternehmen verbleiben, bis ein neuer Finanzvorstand eingearbeitet ist. Jedoch lässt sich durch den Jobwechsel erahnen, dass es Unstimmigkeiten im Managementteam von Sartorius gibt.

Für den Finanzmarkt stellt ein Wechsel des Finanzvorstands in Kombination mit den obigen Herausforderungen jedenfalls eine Red Flag dar und sorgt für weitere Unsicherheit unter den Aktionären.

Fazit

Wie man anhand der obigen Nachrichten unschwer erkennt, muss das Management von Sartorius aktuell gegen viele Probleme arbeiten. Die meisten Probleme sind jedoch hausgemacht und könnten vermutlich gelöst werden. Dazu ist es jedoch notwendig, sich auf ein organisches Unternehmenswachstum zu besinnen und auf die Kostenbremse zu treten.

Denn in Zeiten hoher Kreditzinsen sind wagemutige Expansionspläne mit einem unklaren Ausgang nicht gern gesehen. Somit sollte es nicht verwundern, wenn der Aktienkurs weiter vor sich hin dümpelt.

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Michael besitzt Aktien von Sartorius. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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