Warum ich nicht in die TUI-Aktie investiere

Reisende stehen mit Gepäck am Flughafen und blicken auf die Anzeigetafel
Foto: Connecting Flights Guide via Pexels

TUI (WKN: TUAG50) ist der größte Reiseveranstalter in Europa und vor allem in Deutschland eine Marke mit Tradition, die von vielen Konsumenten geschätzt wird. Man verbindet mit dem Unternehmen viele Leistungen rund um das Reisen, wie beispielsweise die TUIfly, die TUI-Hotels oder die Kreuzfahrtreederei TUI Cruises. Deutsche Anleger, die in die Tourismusbranche investieren möchten, greifen häufig aufgrund des Bekanntheitsgrades zur TUI-Aktie.

Ich persönlich würde das nicht tun. Aus meiner Sicht gibt es eine Vielzahl von Gründen, die gegen eine Investition in die TUI-Aktie sprechen. Allen voran liegt das daran, dass es wesentlich attraktivere Alternativen in der Branche gibt. Warum ich nicht in die TUI-Aktie investieren und welche spannenden Ausweichmöglichkeiten ich meine, erfährst du in dem nachfolgenden Artikel.

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Das Geschäftsmodell

Das Tourismusunternehmen TUI verfolgt das Ziel, ein vertikal integrierter Konzern zu sein. Im Klartext bedeutet das, dass sämtliche Leistungen in der touristischen Lieferkette vom Reisebüro in deiner Stadt bis hin zum Reiseleiter im Zielgebiet aus einem Haus kommen sollen. Die Führungsriege des Unternehmens erhofft sich dadurch Synergieeffekte und möchte so ein stringentes Kundenerlebnis bieten.

Tatsächlich glaube ich auch, dass die gewünschten Effekte durch die vertikale Integration erzielt werden können. Was mich als Investor daran stört, ist der Preis, der dafür bezahlt wird. Wie du dir vorstellen kannst, ist jede Menge Personal nötig, um eine vollständige Lieferkette abzubilden. Vor allem dann, wenn man in der Größenordnung von TUI operiert.

Mit anderen Worten ausgedrückt: Das Geschäftsmodell ist sehr kapitalintensiv. Kapitalintensive Geschäftsmodelle gefallen mir nicht, da sie hohe Schulden erfordern und vergleichsweise geringe Margen versprechen (mehr dazu später). Unternehmen wie Airbnb (WKN: A2QG35) und Booking Holdings (WKN: A2JEXP) sind meine favorisierten Alternativen, die ich in diesem Artikel vorstellen möchte.

KennzahlTUIAirbnbBooking Holdings
Mitarbeiteranzahl65.4136.90723.600
Umsatz je Mitarbeiter320.000 Euro1,44 Mio. US-Dollar910.000 US-Dollar
Umsatz TTM21,22 Mrd. Euro9,92 Mrd. US-Dollar21,37 Mrd. US-Dollar

Wie wir sehen, ist die Mitarbeiterzahl bei TUI wesentlich größer als bei Airbnb und Booking Holdings. Airbnb macht mit einem Bruchteil der Mitarbeiteranzahl 50 % des Umsatzes von TUI und Booking Holdings benötigt nur rund ein Drittel der Mitarbeiter, um dieselbe Größe bei den Einnahmen zu erreichen.

TUI ist hoch verschuldet

Personal ist teuer. Diese Tatsache spiegelt sich deutlich in der Bilanz von TUI wieder, wie die folgende Statistik zeigt.

KennzahlTUIAirbnbBooking Holdings
Cashbestand1,8 Mrd. Euro10,10 Mrd. US-Dollar12,71 Mrd. US-Dollar
kurzfristigen Verbindlichkeiten7,34 Mrd. Euro9,95 Mrd. US-Dollar13,33 Mrd. US-Dollar
langfristige Verbindlichkeiten6,79 Mrd. Euro2,57 Mrd. US-Dollar13,76 Mrd. US-Dollar

Eben war TUI in der Mitarbeiteranzahl führend, beim Cashbestand bildet der Konzern das Schlusslicht. Die 1,8 Mrd. Euro decken die kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht im Ansatz. Airbnb und Booking Holdings schwimmen hingegen im Geld und können ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten wesentlich bequemer refinanzieren. Bei TUI kommt noch hinzu, dass das Unternehmen im Verhältnis zu seinem Cashbestand noch einen Batzen an langfristigen Schulden in der Bilanz hat.

Der Umsatz von TUI ist weniger wert

Wir halten bisher fest: TUI erzielt mit deutlich mehr Mitarbeitern verhältnismäßig weniger Umsatz. Außerdem verfügt das Unternehmen über hohe Schulden und kaum Cash, um diese Verbindlichkeiten zu decken. Kann sich Europas größter Reiseveranstalter zumindest von innen heraus mit dem Ertrag vom eigenen Umsatz ordentlich refinanzieren?

Ein Blick auf die Margen verrät uns, dass auch bei dieser Betrachtung eher Vorsicht geboten ist:

KennzahlTUIAirbnbBooking Holdings
Bruttomarge7,92 %70,87 %96,89 %
Operative Marge3,31 %15,64 %27,33 %
Free Cashflow Marge3,06 %39,17 %32,76 %

Während bei TUI bei jedem Euro Umsatz lediglich etwas mehr als 3 Cent an Cash in die Kasse fließt, behalten sich Airbnb und Booking Holdings jeweils mehr als 30 Cent – bei Airbnb sind es sogar fast 40 Cent.

Der Grund hierfür ist, wie eingangs erwähnt, das Geschäftsmodell. Neben hohen Personalkosten schleppt TUI noch viele andere, kapitalintensive Anschaffungen mit sich herum. Airbnb und Booking Holdings hingegen setzen auf kapitalschwache, schlanke Plattform-Strukturen.

Mein Fazit: Finger weg von der TUI-Aktie

Wer nun sagt, ich würde Äpfel mit Birnen vergleichen, dem sei folgendes mitgegeben: Ja, die Geschäftsmodelle sind verschieden. Dennoch operieren alle drei Unternehmen in derselben Branche und sowohl Airbnb als auch Booking Holdings haben Ambitionen, sich angliedernd an ihr Kerngeschäft auszubreiten. Sie verfügen meiner Meinung nach auch über die besten Voraussetzungen, um dies erfolgreich zu tun.

Und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von vermeintlich spottbilligen 6,5 für die TUI-Aktie ist nur ein schwacher Trost, wenn man damit als Investor langfristig betrachtet kein Geld verdient (oder sogar verliert). Vor allem die Airbnb-Aktie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 21 und einem Verhältnis von circa 23 bei Unternehmenswert zu freiem Cashflow in meinen Augen wesentlich attraktiver bewertet.

Mein Fazit lautet abschließend: Finger weg von der TUI-Aktie. Sie sieht mehr nach einer Value-Trap als nach einem vielversprechenden Investment aus. Mit Airbnb und Booking Holdings gibt es in der Tourismusbranche zwei wesentlich attraktivere Alternativen.

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Caio Reimertshofer besitzt Aktien von Airbnb. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Airbnb.



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