Es ist wieder da: Das „Dieses Mal ist alles anderes“

Es gibt fünf Worte, die für uns als Anleger ein großes Risiko bedeuten: Dieses Mal ist alles anders. Gemeint ist, dass es in einer Marktphase hoher Bewertungen Analysten gibt, die sie rechtfertigen. Ohne die Hintergrunde des Marktes zu würdigen und wonach wir als Investoren eigentlich immer suchen.
Aber auch in der Korrektur oder einem Crash gibt es Analysten, die den Teufel an die Wand malen und sagen: Dieses Mal ist alles anders. Jede Phase folgt natürlich ihrem eigenen Skript. Es mag kleinere Abweichungen geben. Aber eines kann ich dir ziemlich sicher sagen: Weder hohe Bewertungen sind lange standhaft. Noch hält jede Korrektur ewig. Denn irgendwann kaufen Investoren wieder auf der Suche nach Rendite.
Jetzt geht es jedenfalls wieder los. Denn ein Analyst der Bank of America sagt: Dieses Mal ist alles anders. Es gebe ein New-Normal. Moment mal. Haben wir all das nicht schon mal gehört? Richtig. Reisen wir daher in der Vergangenheit zurück und überlegen uns, was der eigentliche Zweck von Aktien ist.
„Dieses Mal ist alles anders“: Hm, so wie um das Jahr 2000?!
Ein Analyst der Bank of America spricht jetzt jedenfalls davon, dass man sich auf neue Marktverhältnisse einlassen müsse. Es gebe ein großes Wachstum durch die KI-Innovation. Immerhin wird die Argumentation von einem „Vielleicht (perhaps) eingeläutet, was ihr zumindest einen leicht vagen Charakter gibt. Aber der Tenor ist: Durch das fulminante KI-Wachstum müsse der Markt höhere Bewertungen akzeptieren. Von einer neuen Ära ist die Rede, in der höhere Bewertungen durch KI an der Tagesordnung seien. Immerhin: Ein erster Artikel von Yahoo Finance dazu ordnet weiter ein, dass der Markt im langjährigen Durchschnitt 40 % über seinem Wert läge. In den vergangenen fünf Jahren gab es stets eine solche leichte Überbewertung.
Lass uns nun zur Einordnung übergehen. Denn weißt du, woran mich das erinnert? An den neuen Markt. Als das Internet aufkam, sprachen die Analysten ebenfalls davon, dass sich durch das Internet alles verändern werde. Unsere Konsumgewohnheiten. Unsere Art, wie wir Medien konsumieren. Von einer gigantischen Wachstumsphase war die Rede. Um natürlich auch das zu sagen: Klar hat sich durch das Internet alles verändert. Es dauerte aber so ca. anderthalb bis zwei Jahrzehnte. Nicht drei Jahre. Was folgte war daher gleichsam eine Phase der bitteren Realität. Denn als der Internet-Hype etwas abebbte, wenig profitable Unternehmen die Bildfläche verließe und sich die Goldgräber die Finger verbrannten, kam es zum Crash.
Meine Meinung (Meinung, ja. Auch ich kann nicht in die Zukunft blicken), dass wir derzeit einen ähnlichen Markt haben. Wenn die hohen Erwartungen nicht eintreten, kann sich die Überbewertung rächen. Eine Korrektur oder ein Crash wäre dann möglich. Selbst wenn das Innovationspotenzial gleichsam hoch bleibt: Es muss nicht linear weitergehen mit steigenden Kursen.
Bleiben wir etwas theoretischer: Der Zweck des Aktienmarktes
Lassen wir uns zum Abschluss noch einen Moment darüber nachdenken, warum ein „Dieses Mal ist alles anders“ immer so kompliziert ist. Dafür müssen wir uns einem grundlegenden Konzept des Aktienmarktes widmen. Oder, anders gesagt: Dem „warum machen wir das eigentlich?“.
Auch das ist eigentlich sehr einfach. Wir wollen unser Geld anlegen, um damit eine Rendite zu erzielen. Aber zu hohe Risiken meiden. Wenn wir für eine Investition ca. 10 % oder 12 % pro Jahr bekommen, gilt sie als gut. Dabei ist es eigentlich unerheblich, ob wir das bei eher leichtem Wachstum mit einer Gewinnrendite von ca. 8 % bis 10 % pro Jahr mit leichtem Wachstum erzielen. Oder indem ein Unternehmen beispielswese um 30 % pro Jahr beim Umsatz wächst. Problematisch wird es, wenn die erwartete Rendite hingegen auf 4 % bis 6 % pro Jahr unter realistischen Annahmen sinkt. Dafür braucht es häufig überzogene Wachstumserwartungen, um das zu rechtfertigen. Erwartungen wie KI-Revolution oder die Internetanbindung der Welt. Ich denke du siehst, worauf ich hinaus möchte.
Tritt eine solche Überbewertung ein, braucht es lediglich eine kleinere Enttäuschung, ehe der Markt korrigiert. Denn die zuvor euphorischen Investoren neigen dann wiederum dazu, ein höhere Sicherheit zu fordern. Sie möchten realistische 10 % bis 12 % Rendite pro Jahr sehen. Nicht nur ein Luftschloss. Das wiederum ist eigentlich nur das Konzept, von dem Warren Buffett spricht, wenn er den Aktienmarkt mit einer Waage vergleicht. Und ich glaube: Das ist wahr. Aus diesem Grund funktioniert ein „Dieses Mal ist alles anders“ nicht.
Die gute Nachricht ist jedoch: Auch auf der Gegenseite gilt das. Wenn der Aktienmarkt stark fällt und auf erwartete Renditen von 15 % pro Jahr oder mehr kommt, lockt das wieder die Investoren an. Sie kaufen trotz der Skepsis. Wer diesen Mechanismus einmal verstanden hat, der glaubt nicht mehr an ein „Dieses Mal ist alles anders“.
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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.
