3,4 % Dividende und KGV unter 10: Die Dürr-Aktie in der großen Analyse

Die Dürr AG (WKN: 556520) ist ein Hidden Champion unter den Anlagenbauern und legt besonderen Fokus auf Automatisierung, Digitalisierung und Energieeffizienz. Seine Maschinen ermöglichen hocheffiziente Fertigungsprozesse und sichern somit die Wettbewerbsfähigkeit zahlreicher Unternehmen.
Was sind die News bei der Dürr-Aktie?
Der Dürr-Konzern hat im dritten Quartal 2025 (Q3) sowie in den ersten neun Monaten des Jahres (9M) eine deutliche Verbesserung der operativen Ertragskraft erzielt. Der Auftragseingang war hingegen wie erwartet und wie schon im Vorquartal von makroökonomischer Unsicherheit, insbesondere der Zollpolitik, sowie von einem sehr starken Vorjahr geprägt.
Die positive Entwicklung zeigt sich in der operativen Marge: Das EBIT vor Sondereffekten stieg im dritten Quartal 2025 um 40 % auf 69,0 Mio. Euro, was einer Marge von 6,6 % entspricht. Im Vorjahresquartal waren es noch 4,7 %. Dieser Anstieg zeigt, dass die eingeleiteten Maßnahmen zur Kosteneffizienz und die Fokussierung auf margenstarke Projekte greifen. Kumuliert über die ersten neun Monate stieg das EBIT vor Sondereffekten um 9 % auf 150,1 Mio. Euro, was einer Marge von 4,9 % entspricht. Damit befindet sich Dürr auf Kurs, die für das Gesamtjahr 2025 angestrebte Marge von 4,5 bis 5,5 % zu erreichen.
Auf der Kehrseite musste Dürr bei den Auftragseingängen einen Rückgang hinnehmen. In den ersten neun Monaten fielen sie um 28,5 % auf 2,65 Mrd. Euro. Dies ist einerseits auf das außergewöhnlich starke Vorjahr mit vielen Großaufträgen im Automobilbereich zurückzuführen, andererseits spiegelt es auch die Zurückhaltung der Kunden aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage wider.
Die Entwicklung in den einzelnen Segmenten
Nach dem Verkauf der Umwelttechnik gliedert sich Dürr in die drei Hauptdivisionen Automotive, Industrial Automation und Woodworking (HOMAG). In der Entwicklung zeigen diese Unterschiede auf:
Die Division Automotive, die sich auf Lackiertechnik und Endmontagesysteme konzentriert, ist und bleibt vorerst der margenstärkste Bereich. Die EBIT-Marge vor Sondereffekten lag in den ersten neun Monaten bei starken 7,7 % (9M 2024: 7,4 %). Dies spiegelt den technologischen Vorsprung wider. Aufgrund der Großaufträge im Vorjahr konnte die Nachfrage jedoch nicht wieder das gleiche Niveau erreichen und der Auftragseingang hat sich im dritten Quartal halbiert. Der Umsatz sank um 4,1 % auf 504,9 Mio. Euro.
Besser lief es im Segment Industrial Automation. Dieses Segment (mit Montage- und Prüfsystemen) steigerte seine operative Marge in den ersten neun Monaten deutlich von 3,7 % auf 5,2 %. Im letzten Quartal stieg der Auftragseingang um 7,8 % und der Umsatz um 4,2 % auf 185,3 Mio. Euro. Dies zeigt, dass die eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen und die Ausrichtung auf margenstärkere Aufträge Wirkung zeigen.
Das Sorgenkind war über viele Quartale hinweg das Segment Woodworking (HOMAG). Trotz der anhaltenden Nachfrageschwäche im wichtigen Möbelsektor, die durch die Baukrise bedingt ist, verzeichnete die Holzmaschinensparte in den letzten neun Monaten eine deutliche Steigerung der Marge von 3,3 % auf 5,2 %. Das Unternehmen setzt die Strategie „Value before Volume” erfolgreich um, indem es sich auf margenstarke Projekte, insbesondere Großprojekte, fokussiert. Der Auftragseingang war mit -19,5 % auch im dritten Quartal rückläufig, der Umsatz stabilisierte sich jedoch bei 351,8 Mio. Euro. In den letzten neun Monaten trug das Segment nur zu einem Drittel zum operativen Gewinn vor Sondereffekten bei, während Automotive mit knapp zwei Dritteln den größten Beitrag leistete. Wir sehen aber langfristig das Potenzial, dieses Verhältnis deutlich zu verbessern und eventuell sogar umzukehren. Hierzu ist jedoch eine Belebung der Baukonjunktur erforderlich.
Wie wir die Dürr-Aktie nach den Zahlen sehen
Die Zahlen von Dürr sind nicht leicht zu interpretieren. Dies liegt an der großen Lücke zwischen dem EBIT vor Sondereffekten (adjustierter Gewinn) und dem berichteten EBIT (IFRS-Gewinn). Der adjustierte Gewinn (150,1 Mio. Euro) spiegelt das operative Geschäftsergebnis wider, dient der Unternehmenssteuerung und bildet die Basis für die Jahresprognose. Der berichtete Gewinn (EBIT) enthielt dagegen signifikante Sondereffekte.
Der größte Posten war eine nicht liquiditätswirksame Wertminderung (Goodwill-Impairment) in Höhe von 120,4 Mio. Euro bei der Division Industrial Automation im zweiten Quartal. Aufgrund dieser und weiterer Sonderbelastungen (z. B. für Restrukturierungen) fiel das Ergebnis nach Steuern für die ersten neun Monate auf −67,8 Mio. Euro (9M 2024: 53,5 Mio. Euro). Diese Wertminderungen sind buchhalterische Korrekturen, die das Kerngeschäft nicht direkt beeinflussen, jedoch das gesetzlich bilanzierte Ergebnis massiv belasten.
Für uns Investoren stellen sie einen Anhaltspunkt dar, was wir in diesem Jahr von Dürr erwarten können. Das ist erst einmal nicht viel. Langfristig könnte sich die neue Struktur jedoch auszahlen und für profitables Wachstum sorgen.
Die Zukunft könnte rosiger aussehen
Mit dem Verkauf des Umwelttechnikgeschäfts (Clean Technology Systems) zum 31. Oktober 2025 ist die Fokussierung auf die drei Kernsparten Automotive, Industrial Automation und Woodworking abgeschlossen. Dies bildet die Grundlage für eine Verschlankung der Struktur. Zu diesem Zweck wurde ein Programm zur Optimierung der Verwaltung gestartet, um die Effizienz der neuen, fokussierten Konzernstruktur zu erhöhen. Dieses Programm soll ab dem Jahr 2027 jährliche Einsparungen von rund 50 Mio. Euro – knapp 1,2 % des Umsatzes der letzten zwölf Monate – erbringen und damit die langfristige Profitabilität nachhaltig stärken.
Dürr hat somit die Weichen für eine höhere Marge und Effizienz gestellt. Das Management erwartet jedoch weiterhin eine hohe Unsicherheit im Markt und strebt das untere Ende des Umsatzzielkorridors von 4,2 bis 4,6 Mrd. Euro an. Bei der Profitabilität erwartet man jedoch, den Vorjahreswert von 4,6 % zu übertreffen und einen Wert zwischen 4,6 und 5,5 % zu erreichen.
Die Dürr-Aktie ist mit einem normalisierten KGV von 9,7, einer Dividendenrendite von 3,4 % und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,3 aus unserer Sicht attraktiv bewertet. Der Zehnjahresschnitt lag mit einem KGV von 13,3 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,4 deutlich höher.
Die größte Chance bei der Dürr-Aktie
Dürr ist ein Zykliker mittlerer Qualität und hat vernünftige Maßnahmen eingeleitet, um von einer zurückkehrenden Nachfrage überproportional zu profitieren. Wir werden die Fortschritte intensiv begleiten und gehen davon aus, dass Dürr ebenso profitieren kann, wenn sowohl die Automobil- als auch die Möbelindustrie neue Werke bauen, um die US-Zölle teilweise zu umgehen. Das kann das Geschäft und die Dürr-Aktie langfristig beleben.
Als größte Chance für die Dürr-Aktie sehen wir, dass das Unternehmen stark in der Automobilindustrie vertreten ist. Dort hat man noch viel Spielraum für die Expansion in weitere Bereiche. Ein Beispiel ist die Expansion in die Batterieherstellung. Dürr bietet inzwischen Maschinen für die Beschichtung von Batterieelektroden an. Dadurch eröffnet sich ein neuer und voraussichtlich riesiger Markt. Darüber hinaus bietet auch der Bereich der Fertigungsautomatisierung ein riesiges Wachstumspotenzial.
Auf der Gegenseite ist die Abhängigkeit von der Automobilindustrie und anderen zyklischen Branchen ein potenzielles Risiko. Die Automobilbranche ist extrem wettbewerbsintensiv und darauf angewiesen, die Kosten niedrig zu halten. Sollte die Nachfrage aus der Automobilindustrie nachlassen, könnten die Gewinne bei Dürr stark unter Druck geraten.
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