Die Aktie, die dein Portfolio vor dem Crash schützt

Eine Statur steht auf verschiedenen Geldscheinen und einer Berkshire Hathaway Aktie. Ein Sparkassenbuch steht im Hintergrund.
Foto: Julia Roegner

Die Börsen laufen und laufen. Der S&P 500 beispielsweise steigt seit Monaten fast ohne Unterbrechung. KI-Aktien erreichen absurde Bewertungen und die Euphorie an der Börse ist allgegenwärtig. Genau in solchen Phasen stellt sich für intelligente Anleger eine wichtige Frage: Was passiert, wenn es wieder bergab geht? Gibt es Aktien, die nicht nur mit der allgemeinen Entwicklung mitziehen, sondern auch Schutz bieten, wenn die Stimmung kippt?

Eine Aktie erfüllt diese Anforderungen seit Jahrzehnten, auch wenn die Performance aus dem letzten Jahr auf den ersten Blick nicht besonders beeindruckend aussieht. Während der breite Markt um rund 15 % (Stand: 05.01.2026, maßgeblich für alle Angaben) zulegte, kam diese Position gerade einmal auf ca. 10 %. Manche würden das als Schwäche interpretieren. Andere erkennen darin jedoch defensive Stärke und eine Positionierung für das, was noch kommen könnte.

Die Rede ist von Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2), dem Investmentvehikel von Warren Buffett, das derzeit einen der bedeutendsten Führungswechsel seiner Geschichte durchläuft.

Der Abschied einer Legende und was danach kommt

Am 31. Dezember 2025 war Schluss. Nach 60 Jahren an der Spitze von Berkshire Hathaway trat der 95-jährige Warren Buffett als CEO zurück. Er bleibt allerdings Vorsitzender des Verwaltungsrats und fungiert weiterhin als strategischer Berater. Seine Entscheidung kam während der Jahreshauptversammlung im Mai 2025 überraschend, auch wenn seit Jahren über eine Nachfolgeregelung spekuliert wurde. Am 1. Januar 2026 übernahm der 63-jährige Greg Abel, bisher stellvertretender Vorsitzender für die Nicht-Versicherungsaktivitäten, offiziell die Rolle des Chief Executive Officer.

Die Reaktion der Märkte fiel wie erwartet aus. Seit der Ankündigung im Mai verlor die Aktie zeitweise über 14 % und fiel von ihrem Allzeithoch von rund 540 US-Dollar (B-Aktie) auf ein Tief von ca. 460 US-Dollar im August. Bis zum Jahresende erholte sich der Kurs zwar wieder auf rund 500 US-Dollar, was einem Plus von knapp 11 % entspricht, die Underperformance gegenüber dem S&P 500 ist jedoch deutlich sichtbar. Einige Marktbeobachter sprechen bereits von einem „Succession Discount”, also einem Bewertungsabschlag wegen des Führungswechsels.

Am ersten Handelstag unter Abel rutschte die Aktie um weitere 1,4 % ab, während der breite Markt stieg. Das mag nach Unsicherheit aussehen, aber es ist wichtig zu verstehen, was hier wirklich passiert. Der Markt preist kein schwächeres Geschäftsmodell ein, sondern die Unsicherheit, ob Abel genauso brillant Kapital allokieren kann wie Buffett. Diese Frage ist zwar berechtigt, übersieht aber einen entscheidenden Punkt: Berkshire wurde seit 25 Jahren systematisch auf genau diesen Moment vorbereitet.

Die Festung mit 377 Mrd. US-Dollar

Andere Unternehmen stecken ihre Gewinne in Aktienrückkäufe oder Übernahmen zu hohen Preisen, während Berkshire auf einem in der Unternehmensgeschichte beispiellosen Berg von Liquidität sitzt. Ende des dritten Quartals 2025 beliefen sich die liquiden Mittel auf 377 Mrd. US-Dollar. Das ist ein neuer Rekord und mehr als genug, um fast 480 Unternehmen aus dem S&P 500 vollständig zu erwerben.

Diese Summe kommt nicht von ungefähr. Buffett verkaufte in den letzten drei Jahren konsequent Aktien und verzichtete vollständig auf Aktienrückkäufe, was für Berkshire äußerst ungewöhnlich ist. Im zweiten Quartal 2025 reduzierte er seine Apple-Position massiv und verkaufte 389 Mio. Aktien. Auch die Beteiligung an der Bank of America wurde halbiert. Das Unternehmen war zwölf Quartale in Folge Nettoverkäufer von Aktien und gehört damit zu den weltweit größten Verkäufern überhaupt.

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Warum diese extreme Vorsicht? Buffett selbst deutete an, dass er die Bewertungen am Markt für zu hoch hält und mit höheren Unternehmenssteuern rechnet. Der sogenannte Buffett-Indikator, der das Verhältnis der gesamten Marktkapitalisierung zum Bruttoinlandsprodukt misst, liegt aktuell bei über 217 % und damit höher als während der Dotcom-Blase. Buffett warnte bereits früher, dass Werte über 200 % bedeuten, mit dem Feuer zu spielen.

Die 377 Mrd. US-Dollar sind also keine tote Last, sondern strategische Munition. Berkshire verdient derzeit etwa 3,6 % Zinsen auf kurzlaufende US-Staatsanleihen, was rund 14 Mrd. US-Dollar pro Jahr entspricht. Viel wichtiger ist jedoch: Wenn der nächste Crash kommt – und das wird er irgendwann – dann steht Berkshire bereit, um massiv und zu attraktiven Preisen zuzuschlagen. Genau das macht das Unternehmen zu einem Fels in der Brandung für defensive Portfolios.

Das Geschäftsmodell, das auch ohne Buffett funktioniert

Berkshire ist weit mehr als nur eine Ansammlung von Aktien. Das Unternehmen verfügt über Dutzende Tochtergesellschaften, die eigenständig operieren und kontinuierlich Cashflows generieren. Die BNSF Railway ist die größte Güterbahn Nordamerikas. GEICO zählt zu den führenden Versicherungen. Berkshire Hathaway Energy versorgt Millionen Haushalte mit Strom. Hinzu kommen Marken wie See’s Candies, Dairy Queen, Duracell und Fruit of the Loom.

Im dritten Quartal 2025 stieg der operative Gewinn um beachtliche 34 % auf 13,5 Mrd. US-Dollar. Das Versicherungsgeschäft verzeichnete einen Gewinnsprung von über 200 % auf 2,4 Mrd. US-Dollar, was unter anderem an der vergleichsweise ruhigen Hurrikansaison lag. Die BNSF Railway steigerte ihren Gewinn um 5 %. Selbst ohne spektakuläre Aktienkäufe läuft die Geldmaschine weiter.

Diese operativen Gewinne sind der eigentliche Kern von Berkshires Stärke. Der sogenannte Insurance Float, also die Prämien, die Versicherte zahlen, bevor Schadensfälle eintreten, belief sich zum dritten Quartal 2025 auf 171 Mrd. US-Dollar. Berkshire kann dieses Geld für eigene Investments nutzen, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen. Es handelt sich im Grunde um einen riesigen, zinslosen Kredit, den die Versicherten dem Unternehmen gewähren. Zusammen mit den vier großen Säulen Insurance, BNSF, Berkshire Energy und Apple generiert das Konglomerat Jahr für Jahr massive Cashflows.

Greg Abel erbt also keine schwächelnde Firma, sondern eine perfekt geölte Maschine mit diversifizierten Einnahmequellen. Buffett selbst sagte über seinen Nachfolger: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie viel mehr er in einer Woche erreichen kann als ich in einem Monat. Ich würde mein Geld lieber von Greg verwalten lassen als von irgendeinem der besten Anlageberater oder CEOs in den Vereinigten Staaten.“

Warum Berkshire gerade jetzt interessant wird

Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, wie Abel die 377 Mrd. US-Dollar einsetzen wird. Es gibt mehrere Möglichkeiten: große Übernahmen, selektive Aktienkäufe in Zeiten des Marktabschwungs oder sogar die erste reguläre Dividende in der Geschichte des Unternehmens. Letzteres wäre ein radikaler Bruch mit Buffetts Philosophie. Aber Abel steht unter Druck, das immense Kapital produktiv zu nutzen – besonders, da die Zinsen auf Treasury Bills tendenziell sinken.

Erste Signale gibt es bereits. So kündigte Berkshire vor wenigen Tagen den Kauf der Chemietochter OxyChem von Occidental Petroleum für 9,7 Mrd. US-Dollar an. Dies ist die größte Übernahme seit 2022 und zeigt, dass Abel bereit ist, gezielt zuzuschlagen, wenn sich Gelegenheiten ergeben. Zudem kaufte Berkshire im dritten Quartal 2025 Alphabet-Aktien im Wert von 4,3 Mrd. US-Dollar, was eine selektive Öffnung gegenüber Tech-Werten andeutet – allerdings nur gegenüber Qualitätsunternehmen mit soliden Fundamentaldaten.

Für Anleger, die ihr Portfolio absichern wollen, bietet Berkshire eine einzigartige Kombination: operative Stabilität durch profitable Tochterunternehmen, defensive Cashreserven für den nächsten Abschwung und ein bewährtes Geschäftsmodell, das auch Krisen übersteht. Die Underperformance im Jahr 2025 ist dabei kein Warnsignal, sondern zeigt, dass Berkshire nicht dem Markt hinterherläuft. Wenn die Bewertungen hoch sind, hält sich das Unternehmen zurück. Wenn sich Chancen ergeben, schlägt es zu. Genau diese Disziplin macht den Unterschied zwischen langfristigem Erfolg und kurzfristiger Spekulation aus.

Berkshire Hathaway: Der Fels in der Brandung bleibt stabil

2025 war kein Rekordjahr für Berkshire Hathaway – zumindest nicht, was den Aktienkurs betrifft. Aber genau das ist der Punkt. Defensive Positionen sollen nicht explodieren, wenn alles läuft. Sie sollen schützen, wenn es schwierig wird. Mit 377 Mrd. US-Dollar Cash, einem operativen Gewinn von über 50 Mrd. US-Dollar pro Jahr und einem neuen CEO, der die Investmentphilosophie (höchstwahrscheinlich) weiterführt, steht Berkshire so solide da wie selten zuvor.

Der Führungswechsel von Buffett zu Abel markiert das Ende einer Ära, aber nicht das Ende der Strategie. Berkshire wurde systematisch darauf vorbereitet, auch ohne die Legende zu funktionieren. Die hohen Cashreserven sind der beste Beweis dafür, dass das Management auf schwierigere Zeiten vorbereitet ist und dann zuschlagen will, wenn andere in Panik verkaufen. Für langfristige Anleger, die nach Stabilität und Crash-Schutz suchen, bleibt Berkshire Hathaway auch im Jahr 2026 eine der besten Optionen am Markt.

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Caio Reimertshofer besitzt Aktien von Alphabet (C-Aktien), Apple und Berkshire Hathaway (B-Aktien). Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Alphabet, Apple und Berkshire Hathaway.



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