Der Februar des Jahres 1637 ist das Skript für den heutigen Aktienmarkt

Lila und gelbe Tulpen sprießen im April überall
Foto: Jos van Ouwerkerk via Pexels

Lieber Aktiensegler,

der Februar des Jahres 1637 ist selbst für den modernen Aktienmarkt ein besonderer Zeitraum. Damals gab es einen Hype auf Tulpen, Tulpenzwiebeln und alles, was mit den heute eher gewöhnlichen Pflanzen zusammenhing. In der Retrospektive sprechen wir von der ersten Blase, die es jemals gegeben hat.

So komisch es auch klingen mag, aber Tulpen waren im Februar 1637 so viel wert wie ganze Häuser. Nicht nur die damals Reichen spekulierten in der Blase, sondern auch ganz normale Menschen. Natürlich kenne ich dich und deine Finanzen nicht, aber wohl auch wir hätten damals, wenn wir in den Niederlanden gelebt hätten, versucht, mit den Blumen Geld zu verdienen.

Die Tulpenblase des Jahres 1637 prägt bis heute das klassische Schema von Übertreibungen, das sich in etwa so skizzieren lässt:

Story → Liquidität → FOMO → Leverage → Kollaps

Selbst in der Dotcom-Blase war das der Fall. Meine These ist jedoch, dass der Aktienmarkt noch eine andere Parallele besitzt. Eine, die heute vielleicht aktueller sein könnte denn je.

Der Februar 1637: Als die Käufer plötzlich ausblieben

Natürlich war ich im Jahre 1637 nicht vor Ort. Aber wie die historischen Aufzeichnungen zeigen, gab es damals ein Event, das die Blase zum Platzen brachte. In den Niederlanden gab es auf dem Hoch eine Auktion. Das große Problem war: Niemand ging hin. Wohl auch, weil viele sich die Tulpen nicht mehr leisten konnten. Aber auch, weil ein wenig die Ernüchterung eingekehrt war, dass es sich lediglich um Blumen handelte, ohne einen größeren Nutzen, deren Preis in dubiose Höhen getrieben worden ist.


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Wir können das gut und gerne auf die heutige Marktphase übertragen. Denn die grundlegenden Mechanismen bleiben bestehen. Es geht um Angebot und Nachfrage. Um Interesse und Desinteresse. Um Volumen im Markt, um Handel und Liquidität. Bleibt sie aus, passiert in der Regel Folgendes: Die Neuigkeit über das nachlassende Interesse macht die Runde. Investoren oder Spekulanten, die noch investiert sind, verkaufen ihre Bestände. Aus der Angst, etwas zu verpassen, wird die Angst, auf seinen Assets sitzenzubleiben. Dies führt zum Zusammenbruch des Preises und zu einer Neubewertung des Assets.

Im Februar des Jahres 1637 mag es eine reale Auktion gewesen sein. Heute sind es in den meisten Fällen digitale Handelsplätze. Der grundlegende Mechanismus hat sich jedoch nicht verändert. Gier, Angst, Hype, FOMO und ein tiefer Fall zuvor gehypter Assets prägen seitdem die Börsengeschichte. Mal sind es Internetaktien, dann wiederum Digitalisierungsaktien in der Corona-Zeit und jetzt sind es KI-Aktien.

Was uns das über den Aktienmarkt lehrt

Der Blick zurück in das Jahr 1637 und auch in die jüngere Vergangenheit zeigt mir eines sehr deutlich: Der Aktienmarkt verändert sich nicht. Er folgt neuen Trends, keine Frage. Aber jede Übertreibung wird irgendwann ausgeglichen. Jeder Markt findet irgendwann zu seinem Boden und einer fairen Bewertung zurück. Jeder Hype versiegt irgendwann.

Eine andere Frage ist natürlich, wann das Ende des Hypes erreicht worden ist. Die Tulpe des Jahres 1637, die ein Haus wert war, wäre bei einem Gegenwert von einem Fass Bier mit Sicherheit noch eine „gute“ Spekulation gewesen. Selbst wenn sie damals schon massiv „überbewertet“ war. Diejenigen, die den Absprung jedoch verpasst haben, verloren Haus und Hof. Manchmal im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir sollten meiner Meinung nach daher anerkennen, dass es gewisse Muster gibt, Wiederholungen, auch mit anderen Auslösern. Und wir sollten uns niemals der Illusion hingeben, dass es dieses Mal vielleicht doch anders ist. Die Historie zeigt: In der Regel es das nicht.

Auf die Tulpe im Februar des Jahres 1637 und deine Demut vor den Kräften des Aktienmarktes,

Vincent Uhr
Chefredakteur Aktienwelt360

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