MarketAxess-Aktie: Umsatz und Gewinn verdoppelt – und trotzdem ein Zehnjahrestief

Das erste Quartal 2026 war von geopolitischen Turbulenzen geprägt, die sich auch auf den Finanzmärkten niederschlugen. Schaukelbörsen und ständig schwankende Preise für Rohstoffe (vor allem Öl) raubten den Anlegern den letzten Nerv, ließen jedoch bei Börsenbetreibern die Sektkorken knallen. So ist es kein Zufall, dass die elektronische Handelsplattform für festverzinsliche Wertpapiere, MarketAxess Holdings (WKN: A0B897), für Januar bis März sowohl bei den Handelsvolumina als auch beim finanziellen Ergebnis eine ganze Reihe Rekorde meldete. Und die MarketAxess-Aktie? Hat gerade ein Zehnjahrestief markiert.
Spurensuche bei der MarketAxess-Aktie
Die Liste der neuen Höchstwerte nimmt in der Pressemitteilung eine halbe Seite ein. Die müssen wir jetzt nicht einzeln durchgehen, aber ein paar Werte sind dann doch interessant. Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen (ADV) von MarketAxess insgesamt stieg im Quartal um 31 % auf 49,8 Mrd. US-Dollar, wobei der März (also der Monat nach dem Beginn des Iran-Krieges) besonders stark war. Den größten prozentualen Zuwachs gab es bei Anleihen von Agencies (etwa Freddie Mac und Fannie Mae) mit plus 142 %. Aber auch US-Staatsanleihen (plus 35 %) und Bonds aus Emerging Markets (plus 28 %) waren stark.
Diese Entwicklungen führten dann auch zu dem höchsten Umsatz, den MarketAxess je in einem Quartal hatte: Die Kommissionen aus dem Kredithandel beliefen sich auf 203,5 Mio. US-Dollar (plus 12 %). Der Serviceumsatz (der Informationen, Nachhandel und Technologie-Service umfasst) legte um 10 % auf 29,9 Mio. US-Dollar zu. Insgesamt steht für MarketAxess damit ein Umsatz von 233,4 Mio. US-Dollar in den Büchern, das sind 12 % mehr als im ersten Quartal 2025. Etwa 3,4 Mio. dieser US-Dollar sind auf Währungseinflüsse zurückzuführen.
Ein Sondereffekt treibt den Gewinn
Die Kosten von MarketAxess stiegen nur um 10 % auf 132,5 Mio. US-Dollar, davon betrafen 3,4 Mio. US-Dollar RFQ-Hub, eine in Europa ansässige elektronische Handelsplattform. Währungseinflüsse machten sich hier mit 2,2 Mio. US-Dollar negativ bemerkbar. Das operative Ergebnis landete damit bei 100,9 Mio. US-Dollar (plus 14 %). Die operative Marge stieg um 80 Basispunkte auf 43,2 Mio. US-Dollar.
Beim Nettoergebnis steht ein mehr als verfünffachter Gewinn von 78,1 Mio. US-Dollar. Durch eine wesentlich geringere Steuerbelastung ist dieser Wert jedoch nicht wirklich mit dem Vorjahr vergleichbar. Der Gewinn je MarketAxess-Aktie betrug 2,20 US-Dollar.
Die Take Rate ist das zentrale Problem der MarketAxess-Aktie
Ein Problem, das MarketAxess schon länger begleitet, ist die „Take Rate“, also die Transaktionsgebühren je gehandelter Million. Im ersten Quartal sank dieser Wert weiter, und zwar auf 132 US-Dollar nach 138 US-Dollar im Vorquartal sowie 139 US-Dollar im Vorjahresquartal. Der Rückgang gegenüber dem Vorquartal ist auf den Produktmix zurückzuführen. So ist – wir haben es oben erwähnt – der Umsatz mit Anleihen aus Schwellenländern kräftig gestiegen; dort ist die Take Rate geringer.
Die Take Rate bleibt also der Schwachpunkt bei MarketAxess. Die Rekorde bei den Handelsvolumina konnten den Rückgang etwas überdecken, aber das wird in schwachen Börsenzeiten in dieser Form nicht funktionieren. Hier muss sich das Unternehmen etwas einfallen lassen.
Neue Partnerschaft mit DirectBooks: Das steckt dahinter
Interessant könnte die im Februar geschlossene Partnerschaft von MarketAxess mit DirectBooks werden, einer „Kapitalmarktplattform, die sich auf die Optimierung der globalen Finanzierungsmärkte konzentriert“, wie es so schön nichtssagend im Marketingsprech heißt. MarketAxess’ CEO Christopher Concannon sagte im Analystencall, dass „uns Kunden seit geraumer Zeit um Unterstützung auf dem Markt für Neuemissionen bitten, insbesondere um die Optimierung einer integrierten Lösung für diesen neuen Markt. Was wir gemeinsam mit DirectBooks wirklich entwickelt haben, ist eine großartige Lösung für Neuemissionen. Es handelt sich um ein brandneues Angebot, das wir Ende Mai erneut in Form eines Pilotprojekts einführen werden. Wir haben die Lösung abgegrenzt. Es handelt sich also um eine von der traditionellen MarketAxess-Plattform getrennte Lösung mit einer völlig neuen Benutzeroberfläche und neuer Technologie.
Um es klar zu sagen: Wir sind nicht Teil des Angebots, sondern bieten unseren Kunden lediglich einen optimierten Zugang zu den DirectBooks-Diensten … Ein erster Teil der Partnerschaft mit DirectBooks dreht sich weitgehend um den Datenaustausch. So können wir unseren Kunden Echtzeit-Zugriff auf den DirectBooks-Kalender für Neuemissionen, Status-Updates zu Preisinformationen rund um diese Neuemissionen und schließlich die endgültigen Preise und Zuteilungen bieten. Was für unsere Kunden besonders spannend ist: Innerhalb ihrer aktuellen Kreditanwendung können MarketAxess-UI-Kunden Interessenbekundungen für jedes von den Konsortialbanken durchgeführte Geschäft einreichen. Diese Interessenbekundungen gehen direkt an DirectBooks und stehen den Konsortialbanken für ihren normalen Geschäftsprozess zur Verfügung.
… Wirklich spannend ist, was später im August und in der zweiten Jahreshälfte 2026 kommt, wenn wir unseren Kunden nach der Emission einer Neuemission eine optimierte, zweiseitige Preisgestaltung und eine Ein-Klick-Handelslösung für den Handel mit Neuemissionen präsentieren werden … Das ermöglicht es uns, direkt bei der Emission über den Zugang von Händlern, Streaming-Preise und eine Click-to-Trade-Lösung zu handeln. Wir konzentrieren uns also ganz besonders auf diesen Handel mit Neuemissionen. Und noch einmal: Die Partnerschaft mit DirectBooks wird zunächst mit einem oder zwei Kunden getestet, und wir werden das Angebot im Mai, Juni und im weiteren Verlauf des Sommers einführen. Die Nachfrage und das Feedback von Kunden, die die Lösung gesehen und die einzelnen Schritte durchgegangen sind, waren überwältigend positiv.“
Hier könnte sich ein neues Wachstumsfeld für MarketAxess auftun. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse in den nächsten Quartalen.
Die Zukunft der MarketAxess-Aktie
Der Aktienkurs ist inzwischen mit rund 145 US-Dollar auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Das ist enttäuschend, spiegelt aber die derzeitigen Probleme des Unternehmens wider. Wobei „Probleme“ relativ ist, wenn wir von einem Quartal der Rekorde sprechen. 2016 erzielte MarketAxess einen Jahresumsatz von 366 Mio. US-Dollar sowie einen Gewinn von 126,2 Mio. US-Dollar. 2026 werden beide Werte voraussichtlich deutlich mehr als doppelt so hoch sein – das zeigt, dass die Bewertung der MarketAxess-Aktie heute so günstig ist wie in den letzten zehn Jahren nicht.
Bevor wir aber deutlich steigende Kurse sehen können, muss wieder etwas Fantasie in die MarketAxess-Aktie kommen.
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Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von MarketAxess Holdings.