Der S&P 500 zeigt: Wir erleben keine Rallye, sondern eine Zuspitzung

Der S&P 500 bildet einen großen Teil des Aktienmarktes ab. In ihm sind die 500 größten US-amerikanischen Unternehmen und deren Aktien gebündelt. Seine Performance besitzt Gewicht. Nicht nur für ETF-Investoren, sondern auch für allgemeine Anleger, die ein Gespür für den breiten Markt bekommen wollen.
In den letzten Jahren entwickelte sich der S&P 500 bahnbrechend. In fünf Jahren liegt das Plus bei rund 74 %. Wenn wir vom Tief zum Hoch schauen, kämen wir sogar auf eine Performance von über 100 %. Es ist wirklich bemerkenswert, wie stark doch die letzten Jahre an der Börse waren.
Wobei wir diese generalisierende Aussage heute sehr kritisch hinterfragen. Der S&P 500 mag zwar in Summe zugelegt haben. Viele Aktien hatten hieran aber keinen Anteil. Damit nähern wir uns einer sehr starken Überspitzung, die wir skeptisch betrachten sollten. Sehen wir uns das ein wenig intensiver an.
Der S&P 500: Nur ein ganz, ganz kleiner Teil der Aktien
Wenn dich in den letzten Wochen und Monaten das Gefühl beschlichen hat, dass der S&P 500 eigentlich nur noch aus den heißesten KI-Wetten besteht, so hast du beinahe recht. Der Blick auf die „Leistungsträger“ des Index zeigt nämlich, dass seit geraumer Zeit viele Aktien keinen Anteil am Erfolg haben.
Von den 500 Aktien sind es gerade einmal 23, die die Performance derzeit tragen. Die übrigen 477 Aktien treten bestenfalls auf der Stelle oder liegen gar im Minus. Dadurch sind die Top-10-Aktien mit einem Indexgewicht von inzwischen 40 % so stark vertreten wie noch nie. Allein hier sehen wir die Zuspitzung, dass sich der Index immer stärker konzentriert. Obwohl er eigentlich mit 500 verschiedenen Aktien nominell sehr gut diversifiziert ist.
Zu den Leistungsträgern zählen Aktien wie Nvidia (natürlich!). Aber zuletzt auch Broadcom, AMD, Intel und Marvell. Ein wenig überraschend: Daneben gibt es mit Caterpillar und ExxonMobil sogar Energie- und Rohstoff-Aktien, die positiv zur Rendite beitragen. Viel mehr bleibt aber nicht übrig, wenn wir die Performance in ihre einzelnen Bestandteile aufteilen wollen. Von den fast 9 % Kursplus seit Anfang 2026 profitieren daher nicht gerade viele Aktien. Das ist die erste Erkenntnis, die wir für heute mitnehmen sollten.
Die Großen brechen allmählich ebenfalls weg
Was ich ebenfalls beobachte: Selbst die vermeintlich großen Aktien brechen ebenfalls weg. Noch vor zwei Jahren hieß es: Den Magnificent 7 gehört die Welt. Heute sehen wir, dass sich selbst diese Gruppe in Gewinner und Verlierer aufteilt. Während Nvidia und Alphabet als eher klare KI-Profiteure gehandelt werden, sehen wir woanders Schwächen. Bei Microsoft führte das Narrativ, dass Künstliche Intelligenz Software fresse, zu einer Korrektur. Die Aktie liegt seit Jahresanfang rund 22 % im Minus.
Auch Meta Platforms, das eigentlich im Bereich Künstlicher Intelligenz ein starker Akteur sein will, erreicht nicht seine Höchstform. Die Aktie hat seit den Rekordhochs 29 % an Wert eingebüßt. Was bleibt daher noch über? Das, was sich in Reinkultur auf Künstliche Intelligenz spezialisiert. Der S&P 500 tendiert immer mehr zu einem Halbleiter-Index. Mittlerweile stehen rund 18 % der Indexauswahl für die Halbleiterbranche. Weitere 10 % für andere KI-Hardware. Zum Vergleich: Die Hyperscaler kommen insgesamt auf 17,8 %. Das zeigt, dass der S&P 500 auch hier zu einer Zuspitzung tendiert.
Was folgt hieraus für den S&P 500 und den Aktienmarkt?
Dass der S&P 500 in den letzten Jahren eine solche Transformation hingelegt hat, sehe ich kritisch. Es gab eine deutliche Zuspitzung bei den enthaltenen Vermögenswerten. Der Index wirkt ein wenig so, als gäbe es bloß noch Künstliche Intelligenz im Markt. Dort spielte sich komplett die Musik ab. Durch die höhere Konzentration steigt jetzt das Risiko. Wenn die KI- und Halbleiterbranche Gegenwind erfährt, kann die hohe Gewichtung und die in Teilen vorhandenen sehr hohen Bewertungen eine Kettenreaktion auslösen.
Erschwerend kommt hinzu, dass wir Züge eines Hypes sehen. Ähnliche Muster sahen wir auch während der Dotcom-Blase. Das Ende vom Lied kennen wir: Viele der damaligen Internet-Aktien haben massive Werte vernichtet. Selbst Amazon verlor damals über 90 % seines Wertes, obwohl die Aktie heute deutlich wertvoller ist als in der Spitze der Dotcom-Blase.
Trotzdem heißt all das nicht, dass der nächste Crash im Aktienmarkt oder speziell im S&P 500 unmittelbar bevorsteht. Für mich bedeutet es einfach, dass man als Investor gerade jetzt mit sehr offenen Augen den Markt beobachten sollte. Wir befinden uns meiner Meinung nach in einer extremen Marktlage. Der S&P 500 dient hier als Indikator für eine Zuspitzung, die wir so noch nicht sehr oft gesehen haben.
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Vincent besitzt Aktien von Alphabet, Amazon.com und Meta Platforms. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Alphabet, Amazon.com, Marvell Technology, Meta Platforms und Microsoft.