Value over Growth: 2 Value-Aktien, die Growth-Aktien in den Schatten stellen könnten!

Über der Zentrale von Fresenius scheint die Sonne. Vielleicht gibt es ein neues Medikament.
Foto: Fresenius SE & Co. KGaA

Value-Aktien vs. Growth-Aktien! Im Universum der Aktienanlagen gibt es zwei grundlegende Anlagestrategien: Value und Growth. Während Investoren mit Growth-Aktien auf zukünftiges Wachstumspotenzial setzen, konzentrieren sich Value-Investoren auf Unternehmen, deren Aktienkurse unterbewertet erscheinen.

In diesem Artikel möchte ich heute einmal einen genaueren Blick auf zwei mögliche deutsche Value-Aktien werfen, die das Potenzial haben, Growth-Aktien mittelfristig in den Schatten zu stellen. Konkret handelt es sich um Fresenius (WKN: 578560) und Lufthansa (WKN: 823212). 

Beide Unternehmen haben in gewisser Weise mit Gegenwind und Problemen zu kämpfen, was ein Grund für die aktuell günstige Bewertung sein könnte. Sollten diese aber gelöst werden, könnte eine Aufholjagd der Bewertung eine Renditechance darstellen. Doch nun zu den Details.

Fresenius: Gesundheit im Fokus

Fresenius ist ein weltweit führender Gesundheitskonzern mit Schwerpunkten in der Dialyse und dem Krankenhausmanagement. Das Unternehmen ist in mehr als 100 Ländern tätig und bietet eine breite Palette von Dienstleistungen und Produkten an. Fresenius betreibt Krankenhäuser und Dialysezentren, vertreibt Arzneimittel und medizintechnische Produkte. Es ist einer der größten Gesundheitskonzerne der Welt.

Die Corona-Pandemie machte dem Unternehmen zu schaffen, obwohl es eigentlich davon profitieren sollte. Ein Problem war, dass die Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care (WKN: 578580) von einer Übersterblichkeit der Patienten betroffen war. Zudem gab es im Bereich der Dialyse im wichtigen US-Markt einigen Gegenwind. Hinzu kommt, dass grundsätzlich eine hohe Fixkostenbasis belastet, was sich insbesondere in Zeiten hoher Inflation negativ auswirkt.

Dennoch gibt es auch Chancen. So steigt der währungsbereinigte Umsatz weiter: Im ersten Halbjahr betrug das Wachstum beispielsweise 6 %. Das EBIT ging hingegen um 7 % zurück.

Langfristig könnten sich aber auch die Erträge wieder erholen. Das Geschäftsmodell von Fresenius ist tendenziell auf langfristige Stabilität ausgerichtet, da die Nachfrage im Gesundheitssektor aufgrund der alternden Bevölkerung und des steigenden Bedarfs an Gesundheitsdienstleistungen stetig wächst.

Zudem befindet sich das Unternehmen in einem aktiven Restrukturierungsprozess, bei dem die wachstumsstarke Konzerntochter Kabi stärker in den Fokus rückt. Die problembehaftete Tochter Fresenius Medical Care hingegen wird mit dem Ziel der Dekonsolidierung in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Gelingt der Turnaround, könnte sich das Unternehmen von seiner günstigen Bewertung auf ein historisch normales Niveau erholen. Das erwartete KGV liegt nur bei 9,1. Dabei hat sich die Aktie bereits deutlich von den Tiefstständen Ende letzten Jahres erholt.

Lufthansa: Luftfahrt mit Potenzial

Die zweite Aktie mit Aufholpotenzial ist die Lufthansa (WKN: 823212). Sie ist hinter dem Billigflieger Ryanair (WKN: A1401Z) die zweitgrößte Fluggesellschaft Europas. Dies gilt allerdings nur für einige operative Kennzahlen wie das Passagieraufkommen. 

Auch wenn Ryanair die besseren Wachstumschancen besitzen mag, ist Lufthansa eine ebenso attraktive Aktie mit Substanz. Das haben auch Großinvestoren wie der verstorbene Heinz-Hermann Thiele oder Mehrheitseigentümer von Kühne + Nagel, Klaus-Michael Kühne, erkannt. Zudem überzeugt die günstige Bewertung der Lufthansa: Das erwartete KGV liegt bei 8,3 (Stand: 18.9.23, Morningstar).

Langfristig dürfte sich der Aufwärtstrend fortsetzen, da die Nachfrage nach Flugreisen ungebrochen ist. Der durch die Corona-Pandemie ausgelöste Nachfrageschock scheint inzwischen überwunden zu sein. Mit einer weiteren Konsolidierung der Branche ist aber zu rechnen. Die Übernahme von Alitalia dürfte ein weiterer Schritt für die Lufthansa sein, um hier zu den Gewinnern zu gehören.

Zudem wurden in den letzten Jahren Restrukturierungsmaßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung durchgeführt. Mit einer weiteren Erholung des Luftverkehrs und steigenden Passagierzahlen könnte die Lufthansa wieder auf Kurs kommen, wenngleich die alten Höchststände aufgrund der starken Verwässerung der Aktienanzahl nicht so schnell erreichbar sein dürften.

Fazit

Value-Aktien wie Fresenius und Lufthansa könnten sich als attraktive Anlagemöglichkeiten erweisen, da sie solide Geschäftsmodelle und langfristige Wachstumschancen bieten. Während Growth-Aktien häufig im Rampenlicht stehen, sollten Value-Aktien aber nicht gänzlich vernachlässigt werden. 

Das könnten Aktien wie Fresenius oder Lufthansa mittelfristig unter Beweis stellen. Hier könnte das größte Potenzial in der günstigen Bewertung liegen. Diese preist gewisse Risiken bereits ein. Ob und wann sich diese auflösen, bleibt abzuwarten.

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Frank Seehawer besitzt Aktien von Fresenius und Ryanair. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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