Der richtige Fokus in der Quartalsberichtssaison

Eine traditionelle Waage mit zwei Schalen
Foto: Sora Shimazaki via Pexels

Die Quartalsberichtssaison ist in vollem Gange. Viele Aktien und Unternehmen haben bereits ihre neuen Zahlen präsentiert. Einige kommen noch. Besonders bemerkenswert ist bei den Q4-Zahlen stets, dass es häufig auch Neuigkeiten zur Dividende oder Aktienrückkäufen gibt. Wobei das eher ein kurzfristig-orientierter Fokus ist.

Bereits das deutet auf unser heutiges Thema hin: Den richtigen Fokus in der Quartalsberichtssaison zu wahren, fällt vielen Investoren schwierig. Vielleicht auch, weil einige Aktien um 5 %, 10 % oder manchmal auch um 20% im Wert schwanken. Die folgenden drei Perspektiven sollen dir helfen, das Wesentliche zu sehen.

Quartalsberichtssaison: Zwischen Prognosen und Ergebnissen

Wer kennt es nicht: Unternehmen X, Y oder Z hat einen Umsatz in Höhe von A und ein Ergebnis je Aktie in Höhe von B erzielt. Die Analysten sind jedoch von Umsatz C und Ergebnis je Aktie D ausgegangen. Stimmen die Verhältnisse zwischen den beiden Werten nicht, korrigiert oder steigt eine Aktie deutlich. Erwartungen in Form von Prognosen und die Realität bestimmen die kurzfristige Volatilität.

Das ist der Fokus, den ich jedenfalls nicht einnehme. Ehrlich gesagt: Es ist mir egal, ob ein Unternehmen die Erwartungen der Analysten erfüllt. In der Regel handelt es sich hierbei sowieso um einen Konsens, bei dem die einzelnen Meinungen deutlich vom Mittelwert abweichen. Aber viel entscheidender ist: Es handelt sich um einen kurzfristigen Einblick, der sogar durch die Rechnungslegung oder Rückstellungen verwässert sein kann.

Viel entscheidender ist für mich in der Quartalsberichtssaison: Ich möchte sehen, dass sich ein Unternehmen nach vorne bewegt. Das heißt: Umsatz und Ergebnis sollten idealerweise wachsen. Auch die Prognosen sollten das wiedergeben und das Management sollte optimistisch sein, über viele Jahre und Jahrzehnte wachsen zu können. Ob ein Ergebnis je Aktie um wenige Cent oder auch Prozent verfehlt wird? Der für mich falsche Fokus.

Nicht nur in US-Dollar denken

Umsatz, Ergebnis und freier Cashflow sind selbstverständlich wichtige Kennzahlen. So wie viele andere fundamentale Kennzahlen auch. Natürlich ist ein Fokus auf die nackten Zahlen und monetären Kennziffern in der Quartalsberichtssaison wichtig. Doch möchte ich dich auch dafür sensibilisieren, dass diese Perspektiven nicht alles sind.

Gerade bei Wachstumsaktien ist mir ein intaktes, wachsendes Ökosystem wichtiger, als Profitabilität. Ein intaktes, internes Umsatzwachstum, das man beispielsweise über die Net Retention Rate messen kann, wichtiger als ein Zeitraum mit Neukundengewinnung (gerade in einem zyklischen Markt!). Solche Perspektiven zeigen: Es gibt für eine langfristig ausgelegte Investitionsthese Wichtigeres, als ein kurzlebiger Umsatzwert.

Anhand der Net Retention Rate erkenne ich zum Beispiel die Bereitschaft von Kunden, konsequent mehr Geld für eine Dienstleistung oder Ware auszugeben. Das Ökosystem ist in vielen Fällen der Erfolg der Zukunft. Schaue daher sehr bewusst auf nicht-finanzielle Kennzahlen in der Quartalsberichtssaison, die als Qualitätsmesser für eine intakte Investitionsthese herhalten können.

Quartalsberichtssaison: Wie kann ich sie zum Vorteil nutzen?

Zu guter Letzt sollte man als Investor in der Quartalsberichtssaison eben nicht nur kurzfristig und mit Blick auf die Aktienkursperformance denken. Die starken Schwankungen können günstige Kaufchancen schaffen. Oder Möglichkeiten, sich von nicht so guten Unternehmen und deren Anteilsscheinen bei einem unerwarteten Erfolg zu trennen.

Insofern solltest du nicht so sehr das Auf und Ab verfolgen, sondern primär deine Möglichkeiten. Nachkaufchancen oder ein Portfolio-Shaping sind möglich. Aber vergiss niemals: Es ist und bleibt lediglich ein Quartal. Überlege dir daher gut, welche Entscheidungen du anhand welcher Indikatoren treffen möchtest.

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