Das tückische und unsichtbare Risiko von Stop-Loss-Orders

Ein grüner Aktien-Chart auf einem Tablet nebst Stift und Papier
Foto: Burak The Weekender via Pexels

Wenn du selbst in Aktien investierst, dann bist du beim Handeln vielleicht schon einmal über die Option einer Stop-Loss-Order gestolpert. Vielleicht hast du dich auch bereits darüber informiert, was so eine Order eigentlich ist. Oder hast sie möglicherweise schonmal selbst genutzt.

In aller Kürze: Wenn ich heute BASF-Aktien für 46,50 Euro kaufe und mir sicher sein möchte, keinen zu hohen Verlust zu erzielen, kann ich eine Stop-Loss-Order bei 40 Euro platzieren. Sinkt der BASF-Aktienkurs dann auf 40 Euro, werden meine Aktien automatisch verkauft. Ich habe dann zwar 14 % Verlust gemacht, bewahre mich aber vor Schlimmerem. Oder kurz gesagt: Stop-Loss-Orders sind ein Instrument, um Abwärtsrisiken beim Investieren in Aktien zu begrenzen.

Nochmal spannender sind Trailing-Stop-Loss-Orders, bei denen der Stoppkurs im Fall von Kurssteigerungen automatisch mit nach oben zieht. Viele Investoren nutzen diesen Ordertyp gerne, um gute Gewinne, die sie mit einer Aktie bereits gemacht haben, zu sichern.

Dass die Stop-Loss-Orders so beliebt sind, verwundert nicht – bedienen sie doch das gut erforschte psychologische Phänomen der Verlustaversion. Wir Menschen verlieren ungern das, was wir bereits haben. Ein automatischer Mechanismus, der zu große negative Zahlen im Depot verhindert, kommt da gerade recht.

Aber machen Stop-Loss-Orders auch wirklich Sinn?

Ich selbst habe noch nie eine Stop-Loss-Order oder die Trailing-Variante benutzt und werde das wohl auch nie. Für mich sprechen gute Gründe gegen beide Ideen.

Ich investiere in eine Aktie, wenn ich davon überzeugt bin, dass das zugrundeliegende Unternehmen langfristig mein investiertes Kapital vermehren kann. Wie sich der Aktienkurs von Tag zu Tag bewegt, spielt für mich überhaupt keine Rolle: Warum sollte ich den Preis, zu dem andere Marktteilnehmer meine Aktien derzeit kaufen würden, beachten, wenn ich gar nicht verkaufen will?

Verkaufen möchte ich erst dann, wenn das Unternehmen seine fundamentale positive Perspektive verloren hat oder ich feststelle, dass ich mich in meiner Analyse geirrt habe. Würde ich aufgrund einer Stop-Loss-Order verkaufen, würde ich meine Investments in die Hände des launischen Aktienmarkts legen und meine Einschätzung der langfristigen Unternehmensaussichten hintenanstellen. Dann könnte ich das Investieren auch gleich sein lassen.

Denn genauso, wie mich eine Stop-Loss-Order vor einem größeren Verlust bewahren kann, kann sie mich auch um gigantische Gewinne bringen:

Hätte ich im Sommer 2019 einen engen Trailing-Stop-Loss für meine Nvidia-Aktien gesetzt, dann hätte ich mich Anfang 2020 beim Ausbruch der Pandemie über eine hübsche realisierte Kursverdopplung freuen können. Die darauffolgende Verneunfachung hätte ich verpasst. Dieselbe Geschichte könnte ich so ähnlich für die Tesla-Aktie erzählen.

Die Stop-Loss-Order ist ein tückisches Instrument, da sie sich im Endeffekt gegen den Grundsatz stellt, dass eine Aktie maximal um nur 100 % fallen, aber unendlich weit steigen kann. Warum sollte ich meine Chancen auf eine Kursvervielfachung bei einem Unternehmen, an das ich fundamental glaube, mit einer Stop-Loss-Order aufs Spiel setzen?

Die Krux des Wiedereinstiegs

Nun wirst du vermutlich sagen, dass man ja jederzeit etwas günstiger unter dem Verkaufskurs wieder einsteigen und so ein paar Prozente gewinnen kann. Das klingt nach dem heiligen Gral, aber klappt in der Praxis nicht:

Denn wie entscheidest du dich, wann der optimale Wiedereinstiegszeitpunkt gekommen ist? Zwei Prozent unter deinem Verkaufskurs? Drei Prozent? Was, wenn du vorhattest, fünf Prozent unter dem Verkaufskurs wieder einzusteigen, aber die Aktie schon vorher plötzlich erneut zu klettern beginnt und du über deinem Verkaufskurs wieder kaufen müsstest?

Ich denke, die meisten Investoren sind gut beraten, sich von diesem emotionalen Zirkus fernzuhalten und einfach langfristig in die Unternehmen zu investieren, an die sie glauben. Ganz ohne kurzfristig orientierte Risikominimierung. Und dafür mit der Chance auf wirklich große Gewinne.


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Offenlegung: Christoph besitzt Aktien von Nvidia und Tesla. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Nvidia und Tesla.



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