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FTSE 100-Aktien nach zwei Dekaden seitwärts: Jetzt pfundig zuschlagen?

Großbritannien UK
Foto: Getty Images

Ein Turnaround nach dem BREXIT-Chaos scheint möglich. Von daher könnte es jetzt besonders attraktiv sein, in FTSE 100-Aktien zu investieren.

Ein Schweizer, der Mitte 2000 in den britischen Leitindex FTSE 100 investiert hat, erlebte in der Folge stolze 22 Jahre Seitwärtsgang. Er hat also heute immer noch gleich viel Britische Pfund, wie er damals einsetzte.

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Zwar gab es zwischenzeitlich noch Dividendenausschüttungen im Bereich von 3 %. Aber das Problem ist folgendes: am 30. Juni 2000 war das Britische Pfund noch 2,47 Schweizerfranken wert. Heute ist die Parität in Sichtweite. So macht langfristiges Investieren keinen Spaß.

Aber halt, es gibt hier noch einen Trick: Wir haben für den Startzeitpunkt das Ende des phänomenalen Börsen-Booms der späten 90er-Jahre gewählt. Und heute glauben viele Marktbeobachter, dass wir uns nahe am Tiefpunkt eines Börsenabschwungs befinden.

Sollte der FTSE 100 nach oben drehen und gleichzeitig das Pfund wieder an Wert aufholen, dann könnte eine Investition jetzt geniale Renditen bringen. Und das nicht mit irgendwelchen windigen Newcomern, sondern vor allem mit alteingesessenen und bewährten Schwergewichten wie Shell (WKN: A0D94M), AstraZeneca (WKN: 886455), Unilever (WKN: A0JNE2) und HSBC (WKN: 923893).

Aber vor einer Kaufentscheidung sollten wir uns versichern, dass die chaotische britische Politik das wankende Schiff nicht zum Kentern bringt. Was also ist los auf der Insel?

Das Vereinigte Königreich nach dem Brexit

Man könnte fast ein bisschen schadenfreudig sein angesichts der Turbulenzen, die Großbritannien nach dem Brexit erlebt. Sie wollten sich von den Fesseln Festlandeuropas lösen, um ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, und als Global Britain zum internationalen Leuchtturm aufzusteigen.

Pandemie und Rezession bremsen die Ambitionen erst einmal drastisch aus. Dabei war es fast absehbar, dass es zunächst zu großen Reibungsverlusten kommen würde. Von daher wäre es zu früh, schon jetzt ein Urteil darüber zu fällen.

Gut möglich, dass sich die Elemente nach all dem Chaos neu und besser anordnen. Dafür müssen allerdings der neue König und seine neue Premierministerin gute Arbeit leisten. Der britische Analyst Owain Bennallack hat kürzlich die Lage trefflich beschrieben. Liz Truss ist mit einer langen To-Do-Liste an dringenden und komplexen Herausforderungen konfrontiert:

  1. Der russische Krieg in der Ukraine
  2. Die ungelöste Nordirland-Frage und die Unabhängigkeitsbestrebungen Schottlands
  3. Die Versorgungskrise und explodierende Lebenshaltungskosten
  4. Das taumelnde Gesundheitssystem
  5. Der Kampf gegen steigende Meeresspiegel und die sich häufenden Naturkatastrophen

Hinzu kommen das Aufarbeiten der Skandale der britischen Politik und die Verbesserung der ramponierten Beziehungen zu seinen Nachbarländern.

Das ist eigentlich mehr, als eine Person leisten kann. Neben der russischen Aggression hat sie sich zunächst vor allem auf das Eindämmen der Energiekrise für Bürger und Unternehmen konzentriert, um eine Pleitewelle abzuwenden. Nachdem die Pandemie bereits die Aufnahme von vielen Milliarden an neuen Schulden erforderlich machte, kommt damit erneut ein riesiger Betrag hinzu.

Beim Außenhandelsdefizit steht Großbritannien nun bei fast minus 8 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Schuldenstand wurde zuletzt mit 96 % des BIP gemessen, dürfte jedoch in diesen Monaten die 100-%-Marke überschreiten. Das ist das höchste Niveau seit den 1960er-Jahren und erfordert ein baldiges Gegensteuern etwa durch höhere Steuern oder Ausgabeneinschnitte.

Der dritte – und gefährlichste – Hebel besteht in der Geldentwertung. Großbritannien hat unter den großen Industriestaaten die höchste Inflation, kommt jedoch angesichts der volatilen Marktbedingungen bei der Produktivität nicht vom Fleck.

Die Zentralbank steuert mit steigenden Zinsen gegen, erwartet aber gleichzeitig eine Rezession. Steigende Zinsen und ein sinkendes BIP erschweren den Schuldendienst doppelt.

Stehen Großbritannien und der FTSE 100 am Abgrund?

Die Lage wirkt möglicherweise dramatischer, als sie tatsächlich ist. So wirken sich steigende Zinsen zum Beispiel erst nach mehreren Jahren signifikant auf den Schuldendienst aus, da das Fälligkeitsprofil der ausstehenden Staatsanleihen sich auf Jahrzehnte verteilt.

Dennoch sollte die Regierung nicht mit dem Feuer spielen und das Vertrauen in die britische Wirtschaft und das britische Pfund wieder stärken. Die einst so reisefreudigen Engländer können sich sonst bald kaum noch etwas kaufen im Ausland.

Und ein Investment in FTSE 100-Aktien lohnt sich wohl nur, wenn sich die Währung stabilisiert. Obwohl man einschränkend sagen muss, dass viele der Index-Schwergewichte so international aufgestellt sind, dass sie spezifische britische Probleme abschütteln können. Gegebenenfalls profitieren sie sogar etwas von den reduzierten Personalkosten am Hauptsitz.

Dass Liz Truss nun erst einmal die Unternehmenssteuern senken will, sollte jedenfalls das Nettoergebnis der Konzerne stützen. Wenn es ihr aber nicht gleichzeitig gelingt, das BIP-Wachstum wieder in Gang zu bringen, dann steigt der Druck auf das Pfund weiter.

Zunächst spricht jedoch vieles dafür, dass ein Investment in Großbritannien jetzt interessanter wird. Die Briten haben über die vergangenen Jahrzehnte immer wieder bewiesen, dass sie aus schwierigen Zeiten gestärkt herauskommen können. Darauf mit FTSE 100-Aktien zu setzen erscheint zunehmend attraktiv, egal ob mit Euro oder Schweizerfranken.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. HSBC ist ein Werbepartner von The Ascent, einem Unternehmen von Motley Fool. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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