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Aktienrente: 3 Gründe, warum die Idee schlechter ist, als viele denken

Rente nachdenklicher Mann prüft Unterlage
Foto: Getty Images

Die Börse ist eine einzigartige Maschine zur Vermögensgenerierung. Das haben die vergangenen Jahrzehnte trotz gelegentlicher Crashs immer wieder bewiesen. Da Wohlhabende viel mehr davon Gebrauch machen als Geringverdiener, droht die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander zu gehen. Von daher spricht einiges dafür, breite Bevölkerungsschichten zwangszubeglücken.

Die Ampel-Koalition bringt dafür die Aktienrente ins Spiel und ich habe große Sympathien dafür. Aber drei Argumente sprechen eher dagegen.

Die Aktienrente sorgt für zusätzliche Interessenkonflikte

Aufsichtsbehörden sind Teil der Regierung. Z. B. untersteht die Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dem Finanzministerium. Gleichzeitig verwaltet der Finanzminister — bisher Olaf Scholz, künftig Christian Lindner — im Zusammenspiel mit anderen Ministerien das Bundesvermögen. Zum Portfolio des Bundes gehören zahlreiche Unternehmen aus Branchen wie Bau, Telekom, Logistik, Finanz und Energie.

Daraus fließen dem Fiskus in vielen Fällen stattliche Dividendenausschüttungen zu — zusätzlich zu den Steuern auf den Gewinn. Zudem hofft der Bund zum Teil, eines Tages mit schönen Kursgewinnen den Absprung zu schaffen.

Passiert jedoch etwas wie der Dieselskandal von Volkswagen, dann brechen Steuereinnahmen weg, Dividenden bleiben aus und der Kurs bricht ein — ein dreifacher Schlag, der vielleicht hilft, das recht milde staatliche Vorgehen gegen den Konzern zu erklären.

Die Commerzbank wiederum wurde im Zuge der Coronakrise von einer verheerenden Pleitewelle bedroht, welche aus der sowieso bisher unglücklich verlaufenden Beteiligung endgültig ein Desaster gemacht hätte. Durch nie zuvor gesehene staatliche Stützungsprogramme für Betriebe jeder Größe gelang es, dieses Szenario zu unterbinden.

Und wenn jetzt Teile der neuen Regierung auf Maßnahmen drängen, um das Volumen des Flugverkehrs in Deutschland, Europa und der Welt zurückzufahren, dann werden die Beteiligungen an Airbus, Lufthansa und diversen Flughafengesellschaften sicherlich eine Rolle spielen in der Diskussion.

Es gibt also bereits jetzt viele Interessenkonflikte. Sobald erst einmal ein paar Hundert Milliarden Euro in staatlich organisierten Aktienfonds stecken, werden diese noch erheblich verstärkt. Wenn wir dann fast alle an Unternehmen wie Facebook oder Microsoft beteiligt sind, dürften Politiker vorsichtiger agieren, wenn es um die Verfolgung von Marktmachtmissbrauch oder Ähnlichem geht.


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Zwang zur Aktienrente führt zu Problemen

Die umlagebasierte Rente ist bereits jetzt strapaziert. Immer weniger Junge müssen für immer mehr Alte aufkommen. Die Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung können nur deshalb stabil gehalten werden, weil die Bundeszuschüsse stark ansteigen.

Wenn jetzt ein Teil der Vorsorgebeiträge statt in die Umlage in eine kapitalgedeckte Aktienrente fließt, dann bleibt für die Umlage weniger übrig und die jährlichen Zuschüsse werden noch schneller in Richtung 100 Mrd. Euro wachsen.

Alternativ müsste der Vorsorgebetrag prozentual angehoben werden, sodass netto erst einmal weniger vom Gehalt ausbezahlt wird. Dann sind zum Beispiel Leute, die hochverzinsliche Schulden abtragen müssen, schlechter gestellt. Die Zwangsbeglückung mit Aktienfonds nimmt gerade jungen Menschen ein Stück Freiheit in ihrer Lebensgestaltung.

Jeder sollte ein Stückweit für sich entscheiden können, ob er beispielsweise ein ganzes Arbeitsleben hinweg kontinuierlich eher geringe Beträge sparen möchte, oder sich erst später um seine Vorsorge kümmert, aber dann mit hoher Sparrate.

Freiwilligkeit bringt keine Vorteile

Falls die Ausgestaltung der Aktienrente hingegen keinen Zwang enthält, dann ist sie eigentlich überflüssig. Denn freiwillig kann ich auch ohne staatliche Unterstützung in Aktien investieren, die mir im Alter als Zusatzrente dienen. Dafür muss ich nur ein Depot bei einem Broker oder einer Bank eröffnen und damit beginnen, Anteile von guten Unternehmen zu kaufen.

Auf diesem Weg spare ich mir den ganzen Behördenüberbau, kann exakt diejenigen Wertpapiere auswählen, die ich in meinem Depot haben möchte und bleibe jederzeit flexibel.

Von daher denke ich, dass die Aktienrente nicht das richtige Mittel ist, um breiteren Bevölkerungsschichten das Investieren an der Börse schmackhaft zu machen. Zielgerichtete Maßnahmen zur Überwindung von Berührungsängsten und zur Stärkung der Investorenmentalität wären möglicherweise sinnvoller.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Randi Zuckerberg, eine frühere Leiterin der Marktentwicklung und Sprecherin von Meta Platforms [Facebook] sowie Schwester von CEO Mark Zuckerberg, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. Teresa Kersten arbeitet für LinkedIn und sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. LinkedIn gehört zu Microsoft. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Meta Platforms, Microsoft und Volkswagen.



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