Quo vadis, Hypoport-Aktie? Der Markt tut sich bei der richtigen Bewertung schwer

Büro mit vielen Fenstern und Glasfassade von Hypoport in Berlin.
Foto: Hypoport SE

Hypoport (WKN: 549336) ist der große Digitalisierer der deutschen Immobilienwirtschaft, mit zahlreichen, ineinandergreifenden Plattformen, die meisterhaft orchestriert werden. Seit Jahren gewinnt das Unternehmen kontinuierlich Marktanteile und erschließt sich gleichzeitig neue Potenziale. Weniger kontinuierlich entwickelt sich hingegen der Aktienkurs. Von 2021 bis September 2022 verlor er mehr als 80 %, vervierfachte sich im Anschluss und gab wieder zwei Drittel ab. Dort stehen wir nun. Was ist denn so Schlimmes passiert bei der Hypoport-Aktie?

Wie läuft es denn nun bei Hypoport?

CEO Ronald Slabke lässt sich gewohnt positiv zitieren: „Die Erholung unseres wichtigsten Marktes der privaten Immobilienfinanzierung hält in 2025 an, was uns in Bezug auf Umsatz und Rohertrag bereits auf Rekordniveau bringt, auch wenn 2021 dieser Markt noch 20 % größer war. Durch den systematischen Ausbau unserer Plattformen in allen drei Industrien schaffen wir so die Basis, um nächstes Jahr auf Rekordjagd auch im Ertrag zu gehen.“

Das scheint nicht so richtig zusammenzupassen.

Allerdings: Während es, wie von Slabke erwähnt, im wichtigen Hypotheken-Geschäft richtig gut läuft, leidet das Financing-Segment noch immer unter der schwachen Nachfrage, was Ratenkredite, Wohnungswirtschaft und Mittelstand angeht. Auch der neuen Regierung sei es nicht gelungen, wirksam gegen die Rezession im Mittelstand vorzugehen. Auf geringem Niveau sehen wir dort dennoch immerhin ein Wachstum von 9 %.

Hypoport-Aktie: Hier ist noch Geduld gefragt

Beim kleinen Versicherungssegment ist weiterhin Geduld gefragt. Der Umsatz ging dort um 6 % zurück und das Segmentergebnis rutschte sogar leicht ins Minus. Es mangelt noch an der Monetarisierung, so Slabke. Die Branche sei stabil, aber eben auch träge. Hypoport braucht einen sehr langen Atem, um bei der Digitalisierung voranzukommen, aber die Fortschritte sollen sich künftig etwas beschleunigen. Mittel- bis langfristig werden sich die Investitionen lohnen.

Einige weiteren Faktoren halten Hypoport noch etwas auf. So darbt das Volumen der Finanzierungen für Modernisierungen weiterhin auf tiefem Niveau, obwohl eine Steigerung politisch gewollt ist. Hier erhofft sich das Management noch Korrekturen im komplexen Regulierungsrahmen, um die Attraktivität zu steigern. Daneben ist das Volumen der Refinanzierungen deutlich geringer als man früher für heute erwartet hätte. Slabke vermutet, dass Verbraucher verstärkt mit Eigenkapital arbeiten, um die Transaktion hinauszuzögern und später von erwarteten Zinssenkungen profitieren zu können. Da könnte sich noch ein aufgestautes Potenzial aufbauen, das sich entlädt, sobald sich die Ansicht durchsetzt, dass die Zinsen am Boden angekommen sind.

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Benchmark

+74,65%

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Bereits im Oktober berichtete Hypoport davon, dass es beim Joint Venture mit der Deutschen Bank namens Starpool schlecht läuft in diesem Jahr. Das hatte beim Umsatz eine relativ heftige Auswirkung auf die Jahresprognose von 40 Mio. Euro. Beim Rohertrag geht es nur um 10 Mio. Euro und beim EBIT wurde die Spanne von 30 bis 36 Mio. Euro beibehalten.

Welche Bewertung verdient die Hypoport-Aktie?

Nächstes Jahr sollen es dann mehr als 48 Mio. Euro werden und danach will man wie gehabt mit zweistelligen Raten zulegen. Slabke hat im Analysten-Call betont, dass die verschiedenen unterliegenden Trends Hypoport weiterhin in die Hände spielen. Auch KI sieht er klar als Chance, die Marktposition zu zementieren. Hypoport wird damit für alle Seiten große Mehrwerte schaffen. Neue Wettbewerber hätten da keine Chance.

Offenbar tut sich die Börse schwer, Hypoport richtig zu bewerten. Im Moment übertreibt sie wahrscheinlich mal wieder nach unten. Wir denken jedenfalls, dass die genannten Bremseffekte überwindbar sind und die Tendenz langfristig klar nach oben zeigt. Bei einem Unternehmen, das nachhaltig profitabel wächst, kann sich der Kurs nicht ewig verbilligen. Wir sehen sowohl vom Marktumfeld her als auch aus eigener Kraft genügend Potenziale und Initiativen, die Hypoport wieder Aufwind verleihen können.

13+1 | RisikoReich

Spannend war gegen Schluss noch die Frage nach Aktienrückkäufen, angesichts des tiefen Kursniveaus. Slabke sagte dazu, dass ursprünglich jeder zugeflossene Euro in das Geschäft reinvestiert wurde. Einige Jahre lang nutzte man verfügbare Mittel für Zukäufe, was aktuell jedoch kein Thema sei. Rückkäufe würde man hingegen intern abwägen. Wenn überschüssige Mittel verfügbar sind und der Kurs tief bleibt, dann wird man Hypoport-Aktien einsammeln. Mit den auf 93 Mio. Euro reduzierten langfristigen Finanzschulden, dem auf 375 Mio. Euro gestiegenen Eigenkapital und 77 Mio. an liquiden Mitteln könnte diese Situation schon bald eintreten.

Unsere längerfristigen Gedanken

Hypoport vereint Versicherungs-, Kredit- und Immobilienplattformen unter einem Dach. Die größte Chance ist aus unserer Sicht, dass Hypoport derzeit seinen Marktanteil ausbaut und sich Nachfrage aufstaut, die sich in einem besseren konjunkturellen Umfeld auf einmal entladen kann. Davon erhoffen wir uns positive Impulse für die Hypoport-Aktie. Die hohe Kundenkonzentration, etwa auf die Sparkassengruppe, sehen wir als Risiko.

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