Deutsche Börse: Die wahre Reich-Macher-Aktie im DAX?

Illustration eines Geschäftsmanns, der über einen roten und einen grünen Aktienkurs-Pfeil springt
Foto: Mohamed Hassan via Pixabay

Wenn man an Reichtum an der Börse denkt, dann sind es weniger Clearingstellen und Indexlizenzen. Eher goldene Tresore oder disruptive Garagen-Start-ups.

Doch während andere noch von der nächsten großen Erfolgsgeschichte träumen, verdient die Deutsche Börse (WKN: 581005) ihr Geld mit der nüchternen Eleganz eines Schweizer Uhrwerks. 

Kein Glamour, wenig Drama, dafür stetige Erträge – und genau darin liegt die Würze. Ich liebe solche langweiligen Aktien, die mir tiefe Burggräben und ein relativ sicheres Wachstum bieten. Aber zunächst einmal etwas mehr zum Geschäft.

Geschäftsmodell mit mächtigen Burggräben

Die Deutsche Börse ist kein gewöhnlicher Börsenplatz, sondern das Rückgrat des deutschen und europäischen Finanzhandels – ein cleveres Ökosystem. Sie betreibt zentrale Handelsplätze wie Xetra für Aktien und Eurex für Derivate, übernimmt als Clearing-Haus über Eurex Clearing systemische Funktionen und bietet Post-Trade-Services über Clearstream an.

Diese Infrastruktur ist hochreguliert, schwer replizierbar und zeichnet sich durch starke Netzwerkeffekte aus. Je mehr Marktteilnehmer über diese Systeme handeln, desto attraktiver werden sie – und desto schwieriger wird es für neue Wettbewerber, Fuß zu fassen.

Dadurch entsteht ein wirtschaftlicher Burggraben, der stabile Einnahmen sichert und wiederkehrende Umsatzströme generiert. Kunden-Lock-in und regulatorische Hürden verstärken diesen Vorteil zusätzlich, da ein Wechsel zu alternativen Plattformen teuer und risikobehaftet wäre. 

Das Geschäft ist dabei äußerst regional. Übernahmen sind aufgrund von Regularien streng genommen so gut wie ausgeschlossen. Dafür suchen die letzten großen Akteure nach Wachstum außerhalb des Ökosystems – organisch und vor allem anorganisch.

Aktienwelt360 Aktienkompass

+103,37%

Benchmark

+78,28%

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Organisches Wachstum – solide Basis

Das Geschäft wächst dank Megatrends organisch recht zuverlässig: Ein höheres Handelsvolumen aufgrund steigender Marktaktivität und größerer Finanzmärkte, eine höhere Nachfrage nach Daten- und Indexlösungen sowie das Post-Trade-Segment tragen zu stabilen Einnahmen bei.

Das merkt man auch an den Zahlen. Für 2024 wurde ein zweistelliges Umsatz- und EBITDA-Wachstum gemeldet. Zudem kündigte die Deutsche Börse erhöhte Ausschüttungen an die Aktionäre sowie ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm an. 

Auch die Aktie erreichte im Mai 2005 vorläufig neue Höchstkurse, bevor eine stärkere Konsolidierung einsetzte. Mittlerweile erscheint die Bewertung mit einem erwarteten KGV von unter 20 aber wieder bezahlbar. Das Wachstum könnte derweil mittelfristig wieder anziehen.

Anorganisches Wachstum – gezielte Ergänzungen

Vor allem strategische Übernahmen sollen das Portfolio verstärken und neue Märkte erschließen. Die wohl bedeutendste Akquisition war der Kauf des dänischen Investment-Software-Anbieters SimCorp für rund 3,9 Mrd. Euro im Jahr 2023, der die wiederkehrenden Erträgen deutlich ausweitet.

13+1 | RisikoReich

In Verbindung mit der früheren Übernahme der Finanz-Datenspezialisten Kneip und der FundsDLT-Plattform für digitale Fondsprozesse baut die Deutsche Börse ihre technologischen und datengetriebenen Angebote immer weiter aus. Zudem wurden in der Vergangenheit Axioma und ISS (Institutional Shareholder Services) integriert. Sie sind heute Teil des Qontigo-Daten- und Indexgeschäfts und liefern zusätzliche wiederkehrende Erträge.

Der Übernahme-Hunger scheint dabei noch lange nicht gestillt. Aktuell befindet sich die Deutsche Börse in exklusiven Gesprächen über die potenzielle Übernahme der niederländischen Fondsplattform Allfunds für rund 5,3 Mrd. Euro, die das Fonds- und Asset-Servicing-Geschäft erweitern soll.

Fazit: Qualitätsaktie mit strategischer Tiefe

Die Deutsche Börse ist keine Schnellreich-Mach-Aktie, sondern eine Qualitätsaktie mit starken strukturellen Burggräben und einem klaren Mix aus organischem und anorganischem Wachstum. Diese langweilige Struktur sorgte in den vergangenen zehn Jahren für eine Kursperformance von 174 %. Die Bewertung ist akzeptabel und bei weiterem Wachstum könnten auch in Zukunft zweistellige Zuwächse möglich sein.

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Frank besitzt Aktien von der Deutschen Börse. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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