1 Aktie, die ich für 5.000 Euro kaufe und 10 Jahre nicht anfasse
373 Mrd. US-Dollar in Cash. Mehr US-Staatsanleihen als die Federal Reserve selbst hält. Und ein CEO, der sein gesamtes Nettoeinkommen, rund 15 Mio. US-Dollar nach Steuern, jährlich in eigene Aktien investiert. Wer das liest und nicht zumindest kurz innehalten will, dem ist nicht zu helfen.
Die entscheidende Frage ist aber nicht, warum Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) so viel Geld hält – sondern was das Unternehmen damit in den nächsten 10 Jahren anstellen wird.
Ein Statement wie aus einer anderen Zeit
Berkshires jährlicher Geschäftsbericht für Aktionäre umfasst weniger als 20 Seiten. Vergleichbare Dokumente bei S&P-500-Konzernen sind regelmäßig über 100 Seiten stark. Das ist Programm.
Warren Buffett hat das Unternehmen seit 1965 kontrolliert und bezog 2025 ein Gehalt von 100.000 US-Dollar – seit Jahrzehnten unverändert. Der Median-CEO im S&P 500 kassierte 2024 dagegen 17,1 Mio. US-Dollar, der Durchschnitt lag sogar bei 18,9 Mio. US-Dollar. Das CEO-zu-Mitarbeiter-Gehaltsverhältnis im S&P 500: 192:1. Bei Berkshire: nicht der Rede wert.
Berkshire zahlt alle Mitarbeiter ausschließlich in Cash und erklärt, dass das Unternehmen das niemals ändern wird. Für Anleger bedeutet das: keine Aktienverwässerung, kein Adjusted-Earnings-Nebel, volle Transparenz über echte Kosten. In der Tech-Branche ist es gängige Praxis, Stock-based-Compensation aus dem „adjusted EBITDA“ herauszurechnen, obwohl sie unter GAAP-Rechnungslegung ein echter Aufwand ist, der Aktionäre direkt belastet. Buffett hat diese Praxis jahrelang als „dubious“ bezeichnet. Und er hat recht.
Ein Board, das für Prestige statt Geld sitzt
Ein Berkshire-Direktor erhält 900 US-Dollar pro Präsenzsitzung, 300 US-Dollar für ein Telefonmeeting. Bei vier Sitzungen im Jahr macht das 3.000 US-Dollar. Audit-Committee-Mitglieder kommen auf 7.000 US-Dollar. Der S&P-500-Durchschnitt liegt bei über 250.000 US-Dollar pro Boardmitglied und Jahr. Und trotzdem gilt ein Platz im Berkshire-Board als das Prestige-Amt schlechthin in Corporate America.
Wer rein will, muss seit mindestens drei Jahren ein signifikantes Eigeninvestment halten. Susan Decker, seit 2007 im Board, hält die kleinste Position: rund 1,5 Mio. US-Dollar. Howard Buffett, designierter Chairman nach dem Tod seines Vaters, besitzt rund 8 Mio. US-Dollar. Eine D&O-Versicherung gibt es dabei nicht. Wer falsch entscheidet, haftet also persönlich. Das filtert Kandidaten aus, die nur das Namensschild wollen.
Das Maschinenraum-Prinzip
Berkshire ist ein dezentralisierter Kapitalallokationsapparat mit über 60 Tochterunternehmen – verwaltet von einer Zentrale in Omaha mit rund 25 Mitarbeitern. Die fünf Kernsegmente erzielten zuletzt einen annualisierten Quartalsumsatz von rund 380 Mrd. US-Dollar. Die Versicherungssparte allein erzielte 2025 einen Gewinn von 7,26 Mrd. US-Dollar. Berkshire nimmt mehr Prämien ein, als es für Schäden auszahlt.
Genau hier liegt der eigentliche Burggraben. Der sogenannte Float, also das Kapital zwischen Prämieneinnahme und Schadensauszahlung, betrug Ende 2025 176 Mrd. US-Dollar. Bei anderen Versicherern kostet dieser Float Geld. Bei Berkshire generiert er zusätzliche Einnahmen.
Der operative Gewinn 2025 lag bei 44,5 Mrd. US-Dollar – unter den 47,4 Mrd. des Vorjahres, aber deutlich über dem 5-Jahres-Schnitt von 37,5 Mrd. Der operative Cashflow erreichte 46 Mrd. US-Dollar. Die A-Aktie notierte Mitte März 2026 bei rund 745.000 US-Dollar. Aus meiner Sicht bedeutet das ein Upside-Potenzial von rund 13 %. Seit Buffetts Übernahme 1965 legte die Aktie um 5.502.284 % zu. Die B-Aktie erzielte in den vergangenen 10 Jahren eine Gesamtrendite von rund 245 %.
Blue Sky: Was passiert, wenn 373 Mrd. US-Dollar fließen?
Greg Abel, seit Anfang 2026 CEO, erbt eine historisch einmalige Ausgangslage. Mit 373 Mrd. US-Dollar in Cash und Staatsanleihen könnte Berkshire ein Unternehmen in der Größenordnung von Disney in einer einzigen Transaktion kaufen – ohne Kredit, ohne Wartezeit. Abel hat angekündigt, Energie, Infrastruktur und Technologie ins Visier zu nehmen. Von Berkshire Hathaway Energy, einem der größten Betreiber erneuerbarer Energien in den USA, bringt er jahrzehntelange operative Erfahrung mit.
Dazu kommt das Margenpotenzial: Die Eisenbahnsparte hinkt Union Pacific beim Operating Ratio noch hinterher. Jeder Prozentpunkt Verbesserung entspricht 230 Mio. US-Dollar zusätzlichem Jahrescashflow.
Ich will fair sein: Es gibt Gegenargumente. Keefe, Bruyette & Woods stufte die Aktie im Oktober 2025 auf „Underperform“ herab, wegen mangelnder Transparenz nach dem Buffett-Abgang. Alle 13 Boardmitglieder sind 60 Jahre oder älter. Buffett hält nur 13,7 % finanziellen Anteil, aber 30,2 % der Stimmrechte. GEICO kämpft mit Margenverlusten, weil Wettbewerber die Prämien senken. Das sind sicherlich keine Kleinigkeiten.
Warum ich die Aktie trotzdem kaufe – und sie liegenlasse
Das älteste Governance-Modell der Wall Street ist plötzlich das modernste. Kein Vergütungsberater, kein Aktienoptionsprogramm, aber ein neuer CEO, der sein gesamtes Nettogehalt in eigene Aktien steckt. Berkshire Hathaway macht vieles falsch nach dem Lehrbuch. Und zeigt dabei seit 60 Jahren, was passiert, wenn man einfach konsequent das Richtige tut: Aktionärsinteressen ernst nehmen, Kapital dorthin lenken, wo es am meisten Wert schafft, und den nächsten Marktcrash als Gelegenheit behandeln – nicht als Bedrohung. Für mich ist das eine Aktie, die ich auch für 5.000 Euro kaufe und die nächsten 10 Jahre nicht mehr anfasse.
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Henning Lindhoff besitzt Aktien von Berkshire Hathaway. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway und Walt Disney.
