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Ist die Erfolgsserie von Fielmann zu Ende?

Am Weinberg liegt eine Brille in der Sonne.
Foto: Julia Roegner

Das waren ungewohnte Worte, die die Aktionäre der Fielmann AG (WKN: 577220) aus Hamburg zu hören bekamen: Gewinnrückgang im laufenden Quartal, aber auch für das gesamte Jahr 2016 erwartet Deutschlands Brillenkönig weniger Ertrag. Das reichte, um die Aktie auf Talfahrt zu schicken. Dabei zeigt ein zweiter Blick, dass die Fielmann-Story weiter intakt ist.

Fielmann wächst weiter

Im dritten Quartal verkaufte Fielmann in seinen 701 Niederlassungen 1,98 Millionen Brillen, 10.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Außenumsatz inklusive Mehrwertsteuer erhöhte sich auf 403 Millionen Euro, der Konzernumsatz auf 349 Millionen Euro (jeweils plus 2 %). Fielmann nimmt diese Unterscheidung deswegen vor, weil einige Filialen von Franchisenehmern geführt werden und der AG daher nicht der Umsatz aus dem Brillenverkauf zuzurechnen ist, sondern nur die Franchisegebühren.

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Der Gewinn wächst nicht mit

Leider hat der Gewinn das Wachstum bei Um- und Absatz nicht mitgemacht. Von Juni bis September sank der Überschuss um 9 % auf knapp unter 50 Millionen Euro. Für das bisherige Jahr 2016 ging es um 4 % auf 132 Millionen Euro zurück. Fielmann hat für das gesamte Jahr einen leichten Rückgang prognostiziert, ohne diesen genau zu beziffern.

Beim Betrachten der Zahlen für das Quartal fällt auf, dass sowohl die Abschreibungen, als auch die Aufwände für Material und Personal deutlich stärker gestiegen sind als die Umsätze. Somit ist der Rückgang beim Gewinn auch verständlich.

Weitere Expansion kostet Geld

Im Quartalsbericht geht Fielmann in die Offensive und schreibt im Ausblick das Folgende:

Fielmann expandiert weiter, wird im Verlauf des Jahres zusätzliche Geschäfte eröffnen, bestehende Geschäfte vergrößern, in bessere Lagen umziehen und weitere Niederlassungen mit Hörgeräteabteilungen ausstatten. Wir sind zuversichtlich, unsere Marktposition auszubauen.

Hier ist nichts von Bescheidenheit zu erkennen. Vielmehr macht dieses Statement deutlich, dass die Optikerkette viel Geld in die Hand nimmt, um die bereits erreichte Stellung im Brillenmarkt zu sichern und zu verbessern. Dafür nimmt man eben auch vorübergehende Rückgänge beim Gewinn in Kauf. Das spricht für eine Unternehmensführung mit langfristiger Denke und erinnert an Amazon.com, die ebenfalls lieber auf lange Sicht investieren, statt kurzfristig ihre Bilanzen aufzupeppen.

Darüber hinaus investiert Fielmann auch viel Geld in die Ausbildung junger Menschen und verweist darauf, dass man mit fünf Prozent aller augenoptischen Fachgeschäfte mehr als 40 Prozent des augenoptischen Nachwuchses in Deutschland ausbilde.

Starker Kursrückgang der Aktie

Schon vor der Pressemitteilung am vergangenen Montag mit den schlechter als erwartet ausgefallenen Zahlen war die Aktie von Fielmann gefallen. So hatte Konkurrent GrandVision N.V., der in Deutschland die Kette Apollo besitzt, bereits am 27. Oktober über einen Rückgang des operativen Ergebnisses (EBITDA) von 1,9 Prozent im 3. Quartal berichtet.

Die Ankündigung, dass Fielmann die Gewinnerwartungen für 2016 kürzen muss, ließ die Aktie am Montag dann um weitere 6,4 % einbrechen. Untertägig waren es zum Teil sogar mehr als 10 %.

Seit dem Höchststand der Aktie am 20. Oktober bei 74,90 Euro hat das Papier jetzt 17 % verloren (62,18 Euro am 4. November).

Ist der Kursrückgang gerechtfertigt?

Tatsache ist, dass die Fielmann-Aktie lange Zeit deutlich besser gelaufen ist als der Gesamtmarkt. Seit 2008 hat sich die Aktie mehr als verdreifacht und damit alle Indizes hinter sich gelassen. Das gut berechenbare Geschäftsmodell und die verlässliche Entwicklung des Unternehmens haben Fielmann zu einem Liebling der Börsianer gemacht. Entsprechend teuer war auch die Aktie – beim Höchstkurs betrug das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2016 immerhin sportliche 37.

Der Markt hatte also jede Menge Erwartungen eingepreist. Und als diese dann enttäuscht wurden, reagierten viele Anleger mit Verkäufen. Das ist nicht überraschend und durchaus üblich bei derart hoch bewerteten Papieren.

Es bleibt jetzt abzuwarten, wie es mit der Fielmann-Aktie weitergeht. Möglicherweise werden kurzsichtige Anleger (Analogien zum Unternehmen sind natürlich unbeabsichtigt und rein zufällig) die Aktie zunächst meiden, weil sie in ihren Augen den Status als sicherer Hafen verloren hat.

Tatsache ist aber, dass die Aktie bei einem geschätzten Gewinn pro Aktie von 1,90 Euro jetzt noch ein KGV von 33 hat. Wenn Fielmann die letztjährige Dividende von 1,75 Euro beibehält, ergibt sich eine Dividendenrendite von 2,8 %. Das Geschäftsmodell ist weiterhin intakt, die Gesellschaft investiert in ihre Zukunft. Und es ist nur normal, dass es auch bei Wachstumsunternehmen von Zeit zu Zeit mal eine Pause gibt.

Ich kann nicht erkennen, dass die erfolgreiche Geschichte der Fielmann AG zu Ende sein könnte. Und die Verantwortlichen bei den Hamburgern offensichtlich auch nicht: Seit dem Kursrückgang haben Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat für rund 400.000 Euro Fielmann-Aktien gekauft – das ist ein klares Statement für die Gesellschaft.

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Peter Roegner besitzt Aktien von Fielmann und Amazon.com. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Amazon.com.



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