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3 Gründe, wieso Dividenden nicht der neue Zins sind (sondern sogar besser!)

Geldscheine fliegen aus Geldbeutel
Foto: Getty Images

Dividenden sind der neue Zins – dieses Credo hat sich irgendwie in den derzeitigen Niedrigzinszeiten in den Köpfen vieler Privatanleger eingeschlichen. Viele Börsenmedien werben nach wie vor mit diesem Satz. Zudem wird im Vorfeld einer jeden Dividendensaison erneut darauf hingewiesen, dass es eine ertragsstarke jährliche Rendite lediglich bei Dividendenaktien gäbe – und du kannst es dir sicher denken: dass Dividenden der neues Zins sind.

Nichtsdestoweniger ist dieser Satz nicht unbedingt richtig und kann für Privatinvestoren, die auf der Suche nach einem „neuen Zins“ sind, sogar regelrecht gefährlich werden. Werfen wir heute daher mal einen Foolishen Blick darauf, weshalb die Dividende eben nicht der neue Zins ist.

1) Dividenden sind keine kurzfristige Lösung

Ein erster Grund, weshalb Dividendenaktien kein effektiver Zinsersatz sind, hängt mit dem zeitlichen Horizont zusammen, der das jeweilige Investieren in die beiden Assets erfordert. Während es so beispielsweise bei den Zinsen möglich gewesen ist, lediglich für ein Jahr zu investieren und nach diesem Jahr zumindest die Zinsrendite einzustreichen, ist das bei Dividendenaktien für gewöhnlich nicht ganz so leicht.

Selbst wenn eine Dividendenaktie so beispielsweise innerhalb dieses einen Jahres eine Dividende auszahlt, die effektiv zu einer Dividendenrendite führt, bleibt das zugrunde liegende Produkt noch immer eine Aktie. Und Aktien können vor allem kurzfristig nach wie vor volatil sein.

Sollte beispielsweise eine Aktie eine Dividende in Höhe von 4 % ausschütten, allerdings um 10 % kurzfristig einbrechen, führt das zumindest für einen kurzfristig orientierten Investor zu einer negativen Gesamtperformance von -6 %. Entsprechend sollten Dividendenaktien lediglich für mittel- bis langfristig orientierte Investoren als Zinsersatz herhalten, die durchaus auch mal bereit sind, eine schwächere Marktperiode auszusitzen und weit mehr als eine Dividendensaison mitzunehmen.

Sofern man allerdings die Volatilität generell meiden möchte, dürfte die Börse per se der falsche Ort für einen Anleger sein.


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2) Es gibt keine Garantie für die Ausschüttungen

Zudem sollten Investoren auch bedenken, dass es anders als bei den garantierten Zinsen bei Dividendenaktien keine Garantie für die Ausschüttung gibt. Viele bekannte Dividendenaktien und besonders zuverlässige Dividendenaristokraten sind zwar stets bemüht, ihren Investoren ein Höchstmaß an Konstanz zu bieten, eine Garantie wird man bei jeder einzelnen Aktie allerdings nie erhalten.

Wer zudem glaubt, dass vor allem größere Unternehmen davor zurückschrecken, die eigene Dividende auch mal zu kürzen, irrt gewaltig. So haben beispielsweise die beiden DAX-Autobauer BMW (WKN: 519000) und Daimler (WKN: 710000) angesichts der schwächeren Geschäftsentwicklung des vergangenen Jahres vor wenigen Wochen erst bekannt gegeben, dass hier voraussichtlich die Dividende gekürzt wird. Eine solcher Schritt kann prinzipiell jede Aktie treffen, auch wenn die eigene Dividendenhistorie eigentlich noch so vor Verlässlichkeit strotzt oder das Unternehmen noch so groß erscheint.

3) Kein Verhandlungsspielraum

Zu guter Letzt sollten alle künftigen Investoren auch bedenken, dass sie bei Aktien keinerlei Verhandlungsspielraum haben. Auch wenn dieser Verhandlungsspielraum bei einer Bank und bei Festgeld prinzipiell ähnlich begrenzt gewesen sein mag, konnte man hier dennoch im Vorfeld die wesentlichen Prämissen aushandeln – und sich entsprechend für den jeweiligen Zins entscheiden, oder eben dagegen.

Bei Aktien hingegen besteht auch dieser Verhandlungsspielraum nicht. Das Management eines Unternehmens beschließt hier Jahr für Jahr, welcher Dividendenvorschlag der Hauptversammlung unterbreitet werden soll und diese Hauptversammlung segnet diese Pläne für gewöhnlich ab.

Letztlich ist das allerdings ein mehr oder minder demokratischer Prozess, bei dem man als Privatinvestor eigentlich wenig Mitspracherecht hat. Entsprechend sollte man sich hier gut überlegen, in was man investiert. Denn man erhält hier weder Sicherheit noch ein wesentliches Mitspracherecht, was die künftigen Dividenden anbelangt.

Dividenden sind keine Zinsen, aber …

Wie wir daher unterm Strich feststellen müssen, sind Dividenden definitiv nicht der neue Zins. Sie sind weder für kurzfristig orientierte Investoren geeignet noch garantiert, noch kann man als Anleger hier effektiv mitreden, was die Höhe der künftigen Ausschüttungen angeht. Auch wenn die grundsätzlichen Entwicklungen bei einzelnen Aktien daher durchaus ein wenig einschätzbar sind, gleichen die genauen Werte sowie die langfristige Entwicklung  zumindest ein kleines bisschen einem Überraschungsei.

Doch trotz dieser vermeintlichen Einschränkungen können Dividendenaktien unterm Strich sogar besser sein als gängige Zinsprodukte. Wer nämlich bereit ist, die besten Dividendenperlen zu identifizieren, kann über Jahre hinweg sogar hohe und möglicherweise zweistellige (Dividenden-)Renditen pro Jahr einfahren. Ich denke, auch das ist eine wichtige Unterscheidung zwischen Zinsen und Dividendenaktien, auf die man an dieser Stelle durchaus hinweisen sollte.

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Vincent besitzt Aktien von BMW. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler.



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