| Segment | Umsatz in der 1. Hälfte des Geschäftsjahrs 2020 | Veränderung zum Vorjahreszeitraum |
|---|
| Gaming | 2,37 Mrd. Dollar | – 33 % |
| Datencenter | 1,29 Mrd. Dollar | – 12 % |
| Automotive | 375 Mio. Dollar | 23 % |
| Übrige | 767 Mio. Dollar | – 26 % |
Quelle: Nvidia
Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine alte Geschäftseinheit, die ersetzt werden muss (die starken Verluste stammen aus dem oben erwähnten Platzen der Kryptoblase). High-End-Grafik auf dem Computer ist immer noch ein Wachstumsmarkt und die Basis des Geschäftsmodells des GPU-Entwicklers. NVIDIA war das erste Unternehmen, das letztes Jahr Raytracing auf seine Grafikkarten brachte, was Gamer zu Hardware-Upgrades verleitete. Die neue Technologie stützt zudem den Trend zum Cloud-Gaming, wo die Rechenpower in einem Datenzentrum generiert und die gerenderten Bilder per Internet an den Zocker übertragen werden. Die GeForce NOW Alliance von Nvidia – ein Konglomerat von Techunternehmen, die NVIDIAs Server und Software für Cloud-Gaming nutzen – startet nun in Russland, nachdem sie ursprünglich in Südkorea und Japan durch LG Electronics (WKN: 570238) beziehungsweise SoftBank (WKN: 891624) gelauncht wurde.
Eine weitere Wachstumsstory sind selbstfahrende Autos, eine Technologie, die mit Gaming verwandt ist und sich in NVIDIAs Automotive-Segment wiederfindet. Bei Investoren gibt es hier einige Missverständnisse, etwa was das starke zweistellige Wachstum der recht kleinen Sparte in diesem Jahr angeht. Während autonome Autos noch nicht serienreif sind, wird die Technologie jedoch heute schon für kommerzielle Zwecke genutzt – etwa für Schwerlastfahrzeuge in der Baubranche und im Bergbau oder in selbstfahrenden Auslieferungsfahrzeugen.
Nun haben wir uns aber genug über die zuletzt schwache Performance des Gaming-Segments und über das Wachstum in Automotive unterhalten: Die nächsten Jahre könnten noch viel mehr bringen. Der Schlüssel ist die Rechenpower, die NVIDIA mit seinen GPUs entwickelt hat, und die Möglichkeiten, die das für die Zukunft eröffnet.
Die Cloud, die Edge und eine Zukunft voller Möglichkeiten
Da wäre zunächst einmal die Cloud – zentrale Datencenter, deren Nutzung in den letzten Jahren stark zunahm. Zwar hat der Ausbau der Infrastruktur in diesem Bereich eine kleine Verschnaufpause eingelegt, um die Nachfrage nachziehen zu lassen, doch die GPUs von NVIDIA sind immer noch im Rennen um die Führerschaft in diesem Bereich. GPUs sind in der Lage, komplexe Berechnungen viel effizienter durchzuführen als Prozessoren (Central Processing Units, CPUs) und beherrschen etwa visuelles Rendern, Simulationen und Sprachsteuerung über KI.
Es gibt viele neue Anwendungen für NVIDIAs Produkte in Datencentern: Raytracing-fähige GPUs erhöhen die Qualität und verkürzen die Renderzeit für computergenerierte Gebäudepläne oder Spezialeffekte in Filmen, bei Forschungen zum autonomen Fahren kommt NVIDIAs Technik zur Simulation von Verkehrsszenarien zum Einsatz, und GPUs werden zur Analyse menschlicher Unterhaltungen genutzt, um beispielsweise Sprachassistenten auf natürliche Weise antworten zu lassen. Viel davon wird „in der Cloud“ passieren. Dem Marktforschungsunternehmen Gartner zufolge werden Cloud-Services auf absehbare Zeit ein zweistellig wachsender Markt sein.
Der Aufbau von Datencentern sollte sich indes weiter fortsetzen. Research and Markets sagt bis 2024 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von mehr als 8 % voraus, NVIDIA möchte diese Marktchance im großen Stil nutzen und hat daher Mellanox übernommen, einen Hersteller von Datencenter-Hardware – etwa Verbindungstechnologien, um GPUs für aufwendige Berechnungen miteinander zu verknüpfen. Im Kontext des wachsenden Cloudmarktes eine solide Akquisition.
Neben der Cloud wäre dann noch das Edge Computing, das der nächste große Trend werden könnte: die Verlagerung von Rechenpower hinaus aus der Cloud und hinein in Rechenzentren, die näher am Nutzer sind. Edge wird neue Technologien möglich machen, die nicht darauf warten können, dass Daten zur Verarbeitung in ein Rechenzentrum auf der anderen Seite der Welt geschickt werden. Dazu gehören etwa Roboter in industriellen Anlagen oder Anwendungen im Gesundheitssektor. Auch hier wird sich NVIDIAs Expertise aus den Bereichen Videospiele und Automotive auszahlen.
Wo wird NVIDIA also in fünf Jahren stehen. Es ist einfach, sich bei dieser Frage auf Computerspiele und Autos zu beschränken, und sicher sind die Gaming-GPUs des Unternehmens weiter ein Innovationstreiber. Doch der Chipentwickler hat noch viele weitere Chancen vor sich – und die Liste mit Anwendungsmöglichkeiten wird in den nächsten fünf Jahren noch länger werden, wobei vor allem Cloud- und Edge-Computing den Ausschlag geben könnten. Mögliche Wachstumsgebiete für das Unternehmen sind neben Gaming und selbstfahrenden Autos auch industrielle Robotik, verbundene medizinische Anlagen sowie Spracherkennung und künstlich generierte Sprache. Was auch immer deine Meinung zum Videospielemarkt ist: Diese Techaktie ist einen näheren Blick wert.