Die wichtigste Eigenschaft von erfolgreichen Investoren

Ein Unternehmen, das Erfolg und Wachstum hat, steigt an der Börse im Kurs.
Foto: Gerd Altmann via Pixabay

Worauf kommt es eigentlich an beim Investieren? Nun, zuallererst auf drei Dinge: Eine geschickte Aktienauswahl, eine Mentalität, um langfristig dabeizubleiben, und die Fähigkeit, Gewinne mitzunehmen, wenn die Party am schönsten ist. Aber das ist natürlich noch nicht alles. Denn aus diesen drei Dingen ergeben sich sofort weitere Fragen. Wie gelingt zum Beispiel eine geschickte Aktienauswahl?

Ingenieure wissen es besser

Man könnte auf die Idee kommen, es sei am wichtigsten, ganz tiefe Kenntnisse über seine Unternehmen zu haben. Dass man also zum Beispiel Ingenieur sein sollte, um Maschinenbauaktien zu kaufen, oder Programmierer, bevor man in Softwareaktien investiert. Es klingt zunächst logisch. Solche Spezialisten verfügen über Kenntnisse, die für Außenstehende kaum zugänglich sind. Sie wissen viel besser als meist im Büro arbeitende Investmentanalysten, wie der Hase innerhalb der Unternehmen oder der Branche läuft.

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Aber ist das wirklich ein so großer Vorteil? Wenn es so wäre, dann müsste es überdurchschnittlich viele Fachleute geben, die mit Aktien sehr reich geworden sind. Tatsache ist jedoch, dass sie in der Regel eher eine Froschperspektive auf die Dinge einnehmen. Sie haben Kontakt zu einigen Mitarbeitern aus anderen Abteilungen und bekommen von Branchenkollegen hier und da interessante Dinge mit. Aber einen Gesamtüberblick haben sie in der Regel nicht. Wer unten in der Fabrik oder im Entwicklungslabor arbeitet, weiß nicht, was die Chefetage an strategischen Initiativen ausheckt oder was Vertrieb und Marketing treiben.

Ich denke dabei zum Beispiel an Siemens Gamesa. Der Windturbinenhersteller verfügt über ein gigantisches Orderbuch, das immer noch mehr anschwillt. Viele Insider dürften davon begeistert gewesen sein – bis sie erfahren mussten, dass der Vertrieb viele unrentable Aufträge hereingenommen hatte und das Risikomanagement mangelhaft war. Das Ergebnis ist an folgendem Chart ablesbar:

3-Jahreschart Siemens GamesaDer Chart spiegelt Euphorie und Ernüchterung bei Siemens Gamesa wider. Er wurde bereitgestellt von aktien.guide

Ingenieure sind also eher nicht die geborenen Investoren – wenngleich es bestimmt auch unter ihnen hervorragende Talente gibt.

Ökonomen kalkulieren exakter

Aber was ist mit Ökonomen? Wer Zahlenkolonnen zu seiner Leibspeise erklärt, der muss doch in der Lage sein, Unternehmen exakt zu bewerten, oder nicht? Das ist tatsächlich eine weit verbreitete Ansicht. Die Wahrheit ist jedoch, dass niemand ein Unternehmen exakt bewerten kann. Dafür ist die Anzahl von Variablen viel zu groß. Jeden Tag verändert sich das Wettbewerbs-, Finanzierungs- und Regulierungsumfeld.

Gute Mitarbeiter verlassen vielleicht das Unternehmen und andere machen kostspielige Fehler. Geldgeber werden plötzlich restriktiver, Manager verspielen Vertrauen. All das kann von einem Tag auf den anderen passieren und gewaltige Auswirkungen auf die Bewertung und den Aktienkurs haben.

Die Stärke von Ökonomen ist die Auswertung von vergangenheitsorientierten Daten. Über die Zukunft sagen diese jedoch in den meisten Fällen nicht sonderlich viel aus. In der aktuellen Inflationsdiskussion gibt es von Ökonomen so viele Ansichten wie Szenarien. Alles kann passieren, niemand weiß es genau. Das heißt also, dass auch die Vogelsicht der Ökonomen kein Erfolgsrezept für erfolgreiches Investieren ist.

Was aber verspricht dann am ehesten Erfolg?

Entscheidend ist die Assoziationsmaschine

Nun, aus meiner Sicht kommt es darauf an, möglichst viele Perspektiven und Blickwinkel auf ein Unternehmen und sein Umfeld einzunehmen. So gut es eben geht, zunächst ein bisschen die Vogelperspektive des Ökonomen einnehmen, dann sich über passende Informationsquellen an die Froschperspektive des Ingenieurs, Vertrieblers oder Produktionsmitarbeiters herantasten – und zuletzt das Ganze von der Seite durchleuchten. Dabei geht es darum, Muster zu erkennen, die man bei bekannten Beispielen bereits beobachten konnte.

Je mehr Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen man sich anschaut, desto häufiger erkennt man Parallelen. Man versteht immer besser, was eine starke Plattform ausmacht, wo echte Wettbewerbsvorteile bestehen und welche Unternehmen Innovation wirklich leben (und welche nur so tun). Man lernt, hinter die Kulissen des Marketing-Sprech zu blicken, Dinge zu hinterfragen und versteckte Werttreiber zu entdecken – einfach, weil man Assoziationen zu früheren Beispielen hat und weiß, wie es damals ausging.

Von daher denke ich, dass man sich von hochgebildeten Experten, egal ob Ingenieur oder Ökonom, nicht beeindrucken lassen sollte, wenn es um die Geldanlage geht. Wir müssen ihnen nicht nacheifern und komplizierte Bücher wälzen, um an der Börse erfolgreich zu sein. Es genügt eine gesunde Neugier mit vielfältigen Interessen, um mehr und mehr die richtigen Muster zu erkennen. Die künstliche Intelligenz mag schon weit gekommen sein. Aber für die Aufgabe, geniale Investitionsideen zu generieren und Täuschungen zu identifizieren, ist die Assoziationsmaschine menschliches Gehirn noch immer weit überlegen – wenn man sie richtig einsetzt.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.

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