Kaufe nichts, was du dir nicht leisten kannst

Auf einem umgestoßenen Glas sind Euro-Münzen und -Geldscheine herausgefallen
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Lieber Aktiensegler,

das Sprichwort „Kaufe nichts, was du dir nicht leisten kannst“ ist legendär. Es ist der einfache Ausdruck dafür, dass wir innerhalb unserer Verhältnisse leben sollen. Für ein finanziell selbstbestimmtes und möglichst sorgenfreies Leben ist das der nach wie vor beste Ansatz.

Mittlerweile gibt es viele Anknüpfungspunkte dafür. Unsere Konsumwelt lädt uns konsequent dazu ein, über unsere Verhältnissen zu leben. Ein Auto mit Kredit, Konsumkredite zu günstigen Konditionen oder auch das Finanzieren einer Immobilie. Alles ist möglich. Ob wir uns Dinge leisten können, ist mittlerweile eigentlich untergeordnet.

Dennoch ist es wichtig, dass wir lediglich Dinge kaufen, die wir uns leisten können. Oder eben nichts kaufen, was wir uns nicht leisten können. Das Sprichwort ist für uns als Investoren sogar in doppelter Weise entscheidend.

Kaufe nichts, was du dir nicht leisten kannst

Klammern wir den Konsum heute einmal aus und betrachten lediglich die Seite der Investitionen. Auch hier gilt, dass wir uns besser nichts kaufen, was wir uns nicht leisten können. Aktien mit Fremdmitteln zu finanzieren ist in der Regel keine gute Idee. Während die Renditen am Kapitalmarkt kurzfristig nicht sicher planbar sind, werden Zinsen auf die Fremdmittel mit Sicherheit fällig. Das führt lediglich zu Druck und Anspannung im Investmentprozess.

Aber es gibt auch eine tiefergehende Bedeutungsebene. Wann können wir es uns überhaupt leisten, eine Aktie zu kaufen? Glücklicherweise ist in Zeiten, in denen kostengünstige ETF-Sparpläne bereits ab 10 Euro pro Monat möglich sind, eigentlich jeder dazu in der Lage. Bei größeren Aktienpositionen ist die Frage hingegen bedeutend interessanter.

Mein Credo ist mittlerweile geworden: Ich kaufe lediglich das, was ich mir mindestens zweimal leisten könnte. Das zeigt mir, dass ich einerseits genügend Mittel für die eigentliche Investition aufbringen kann. Aber es bedeutet auch, dass ich im Zweifel ein zweites Mal kaufen könnte. Das ist nicht unbedingt wichtig für die eigentliche Investition. Nein, sondern eher ein Indikator dafür, dass ich ausreichend Liquidität auch nach dem Kauf einer gewissen Aktie oder eines Vermögensgegenstandes habe. Das gibt mir Sicherheit und stellt sicher, dass ich es mir wirklich leisten kann.

Der erste heutige Kerngedanke ist für mich daher, dass man Leistbarkeit nicht dadurch definiert, die Mittel irgendwie aufbringen zu können. Das eigentliche Sich-Leisten-Können von etwas hängt davon ab, dass man lediglich eine einzige Investitions- (oder im Zweifel auch Konsum-)Entscheidung treffen kann.

Wir sollten unsere Unternehmen daran messen

Als Investoren sollten wir jedoch zweimal schauen, dass keine Dinge gekauft werden, die wir uns nicht leisten können. Wir geben einem Management schließlich unser Geld in die Hand, um für uns als Investoren finanzielle Entscheidungen zu treffen. Entsprechend sollten wir auch Unternehmen und deren Führungskräfte daran messen.

Teure Investitionen, Zukäufe in astronomischer Größenordnung oder auch Kapitalrückführungen sollten stets mit dem Gedanken hinterfragt werden: Kann sich unser Unternehmen das leisten? Oder wäre es vielleicht besser, darauf zu verzichten und andere finanzielle Entscheidungen zu treffen. Die Opportunitätskosten spielen dabei selbstverständlich auch eine Rolle. Eine teure Investition kann schließlich einen neuen Wachstumspfad eröffnen. Aber eine zu teure Investition kann auch dazu führen, dass ein Unternehmen in operative Schieflage gerät.

Insofern bin ich davon überzeugt: Das Sprichwort „Kaufe nichts, was du dir nicht leisten kannst“ spielt für uns eine wichtige Rolle. Wir als Investoren sollten nach dieser Prämisse leben. Aber vor allem auch unsere Unternehmen und deren Manager daran messen, ob sie sich an diese einfache Maxime halten.

Auf finanziell kluge Entscheidungen,

Vincent Uhr

Chefredakteur Aktienwelt360

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