Geberit: Wie das Management allen Herausforderungen trotzt

Ein Wassertropfen der gerade im Meer eintaucht.
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Stell dir mal vor, du bist irgendwo unterwegs, vielleicht in einem Restaurant, Hotel oder sogar am Flughafen, und gehst dort auf die Toilette. Schau doch mal, was auf dem Spülkasten steht. Oft wirst du da „Geberit“ lesen. Und wer weiß, vielleicht hast du sogar in deinem eigenen Bad eine Geberit-Spülung. Das ist kein Zufall. Geberit (WKN: A0MQWG), ein Schweizer Unternehmen, ist nämlich ein richtig großer Player im Sanitärbereich und fast überall auf der Welt zu finden.

Das Geschäftsmodell von Geberit ist einfach: Sie stellen Spülkästen und andere Sanitärprodukte her und machen auch Geld mit langfristigen Service-Verträgen. Das Hauptgeschäft läuft über den Großhandel.

Ein weiterer Pluspunkt: Geberit setzt auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Die Produkte sind so konzipiert, dass sie Wasser und Energie sparen, was super ist für die Umwelt. Dafür gab’s schon mehrere Auszeichnungen.

Vorbildliche Unternehmenskultur

Die Unternehmenskultur von Geberit zeichnet sich durch eine starke Verpflichtung zu Innovation, Qualität und Kundennähe aus. Dies manifestiert sich in der kontinuierlichen Investition in Ausbildung und Service. Jährlich bildet Geberit über 100.000 Installateure und Entscheidungsträger aus – ein klares Engagement für langfristige Kundenbeziehungen und hohe Produktstandards.

Unter der Führung von CEO Christian Buhl seit 2015, zeichnet sich das Management durch Stabilität und eine geringe Fluktuation auf der Führungsebene aus. Diese Konstanz in der Führung hat wesentlich dazu beigetragen, dass Geberit seine Marktführerschaft weiter ausbauen und stärken konnte.

Geberit trotzt den Widrigkeiten

2022 war ein hartes Jahr: Der Bauboom kühlte sich wegen der steigenden Zinsen ab, und die hohen Energiepreise setzen den Margen zu. Das hat zu einem Rückgang des Gewinns pro Aktie um satte 26 % geführt. Geberit verbraucht viel Energie in der Produktion, und das hat richtig reingehauen.

2023 ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 7,9 % gesunken. Was in Anbetracht des schwierigen Umfelds beeindruckt, ist, dass Geberit dennoch seine Profitabilität steigern konnte. Das zeigt, dass die Schweizer operativ flexibel sind und eine strenge Kostenkontrolle betreiben.

Ein Lichtblick waren die Rohstoffpreise, die für Geberit in den ersten neun Monaten des Jahres 2023 im Durchschnitt um 1 % niedriger waren als im Vorjahr.

Geberit steht auch 2024 vor Herausforderungen in der Bauindustrie, hat es aber geschafft, seine Profitabilität zu erhöhen und hohe Gewinnmargen zu halten. Trotzdem ist die Unternehmensprognose eher vorsichtig, mit der Erwartung eines Umsatzrückgangs.

Was die nahe Zukunft angeht, ist Geberit vorsichtig. Die Unternehmensführung rechnet mit einem mittleren einstelligen Umsatzrückgang, erwartet aber eine EBITDA-Marge im Bereich von 29 % bis 30 %.

Langfristig sieht Geberit bärenstark aus

Geberit ist historisch gesehen ein Unternehmen mit hohen und stabilen Gewinnmargen. Im Durchschnitt lagen die operativen Margen in den vergangenen zehn Jahren bei etwa 23 %. Trotz des jüngsten Rückgangs bleibt das Unternehmen profitabel und generiert weiterhin ordentlich freien Cashflow.

Die Herausforderungen der letzten Jahre haben zwar Druck auf die Gewinnmargen ausgeübt, aber diese sind jetzt wieder fast auf dem historischen Durchschnitt. Geberit zeichnet sich durch hohe Gewinnmargen sowie beeindruckende Eigenkapitalrenditen und Kapitalrenditen aus.

Return on Assets (ROA): Der ROA zeigt, wie effektiv Geberit sein Vermögen zur Generierung von Gewinn einsetzt. Zwischen 2016 und 2022 schwankte der ROA zwischen 10,6 % und 15,2 %. Einen ROA von über 10 % erachte ich als sehr stark, was darauf hindeutet, dass Geberit seine Vermögenswerte effizient nutzt.

Return on Capital (ROC): Der ROC ist ein Indikator dafür, wie gut ein Unternehmen sein investiertes Kapital nutzt. Geberit zeigt hier beeindruckende Zahlen, mit Werten zwischen 22,1 % und 32,3 % in den Jahren 2016 bis 2022. Ein ROC von über 20 % ist aus meiner Sicht nahezu außergewöhnlich und deutet auf eine hohe Effizienz des Unternehmens in Bezug auf die Nutzung seines Kapitals hin.

Return on Equity (ROE): Der ROE gibt an, wie effektiv Geberit sein Eigenkapital zur Gewinnerzielung einsetzt. Mit Werten zwischen 30,4 % und 40,5 % zeigt Geberit eine außergewöhnlich starke Fähigkeit, Gewinne aus dem Eigenkapital seiner Aktionäre zu generieren. Ein ROE von über 30 % ist besonders bemerkenswert und spricht für eine effiziente Unternehmensführung und hohe Rentabilität.

Jetzt zur Bilanz von Geberit

Geberit ist finanziell immer noch stark. Klar, der freie Cashflow ist ein wenig heruntergekommen und sie haben ihr Aktienrückkaufprogramm beschleunigt, was zu einer geplanten Erhöhung der Nettoverschuldung geführt hat. Aber ihre Schulden im Verhältnis zum EBITDA bleiben auf einem vernünftigen Niveau.

Die flüssigen Mittel von Geberit zeigen eine interessante Entwicklung. Während sie von 509,7 Mio. im Jahr 2016 auf 511 Mio. Schweizer Franken im Jahr 2021 anstiegen, ist im Jahr 2022 ein deutlicher Rückgang auf 205,7 Mio. Schweizer Franken zu beobachten. Dahinter stehen größere Investitionen in die Produktion, die für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens entscheidend sein können.

Die Gesamtaktiva stiegen von 3,6 Mrd. im Jahr 2016 auf 3,7 Mrd. Schweizer Franken im Jahr 2021, was auf eine kontinuierliche Expansion bzw. Akkumulation von Aktiva hindeutet. Im Jahr 2022 war jedoch ein Rückgang auf 3,4 Mrd. Schweizer Franken zu verzeichnen, was auf eine mögliche Konsolidierung oder Anpassung an veränderte Marktbedingungen hindeutet.

Das Eigenkapital stieg von 1,6 Mrd. im Jahr 2016 auf fast 2 Mrd. Schweizer Franken im Jahr 2021, was auf eine stärkere finanzielle Basis und eine potenzielle Wertsteigerung für die Aktionäre hinweist. Im Jahr 2022 war jedoch ein Rückgang auf 1,5 Mrd. Schweizer Franken zu verzeichnen.

Die Risiken bleiben

Hohe Inflation, steigende Zinsen, die die Bauindustrie abkühlen, und extrem hohe Energiekosten, die die Gewinnmargen schwächen können, sind Herausforderungen, denen sich Geberit auch über 2024 hinaus stellen muss.

Aufgrund der engen Verknüpfung mit der Baukonjunktur ist das Geschäft von Geberit zyklischer Natur und somit anfällig für wirtschaftliche Schwankungen in diesem Sektor. In der Vergangenheit profitierte das Unternehmen von einem Bauboom, aber die derzeitige Verlangsamung der Bautätigkeiten könnte sich negativ auf das Geschäft auswirken. Zudem könnte der zunehmende Wettbewerb Druck auf Margen und Marktanteile ausüben.

Trotz dieser Risiken bietet Geberit für langfristig orientierte Investoren eine interessante Option. Der Aktienkurs hat in den vergangenen drei Jahren um etwa 10 % nachgegeben, obwohl das Unternehmen finanziell stark geblieben ist. Dies könnte eine günstige Einstiegsgelegenheit darstellen.

So wird die Aktie bewertet

Ich denke, dass der aktuelle Kurs, obwohl er nicht ganz so attraktiv aussieht wie vor ein paar Monaten, immer noch eine gute Kaufgelegenheit bietet. Normalerweise werden Geberit-Aktien hoch bewertet und Kaufgelegenheiten sind selten. Aktuell kannst du sie zu einem 25-fachen Gewinn-Multiple kaufen, deutlich unter dem Zehnjahresdurchschnitt von 28.

Die starken Langzeitqualitäten von Geberit, gekoppelt mit einer starken Kundenbindung und einem robusten Geschäftsmodell, machen das Unternehmen zu einer Überlegung wert. Die Firma hat über die Jahre hinweg bewiesen, dass sie in der Lage ist, sich an veränderte Marktbedingungen anzupassen und weiterhin profitabel zu bleiben.

Fazit

Die Zukunft mag ungewiss sein, aber die Vergangenheit und Gegenwart von Geberit zeichnen das Bild eines Unternehmens, das gut aufgestellt ist, um die Herausforderungen und Chancen, die vor ihm liegen, zu meistern.

Unter dem Strich ist Geberit ein spannendes Beispiel für einen „Zykliker mit Langfristqualitäten“. Produkte, die uns überall begegnen und die wir ständig nutzen, zeigen meist, dass das dahinterstehende Unternehmen richtig stark im Markt ist. Das trifft auf Geberit zu. Für langfristige Anleger, die bereit sind, kurzfristige Schwankungen in Kauf zu nehmen, könnte Geberit also eine attraktive Investmentoption sein.

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Henning Lindhoff besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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