Dividende ohne Ende ist teils das Ende der Dividende

Geld wird verbrannt. Euro werden verbrannt, der Schatz ist weg durch die Inflation.
Foto: Pezibear via Pixabay

Dividende ohne Ende: Welcher Einkommensinvestor möchte das nicht. Wenn wir ein höheres passives Einkommen erzielen, als wir hoch angesetzte Lebenshaltungskosten haben, sind wir finanziell frei. Ob bewusst oder unterbewusst: Jeder Investor wird wohl schon mal in diese Richtung geträumt haben.

Aber die hohe Dividende ist ein zweischneidiges Schwert. Insbesondere die Aktien, die eine Dividende um jeden Preis priorisieren machen häufig einen Fehler. Es kann sogar dazu führen, dass Schluss mit den starken Ausschüttungen ist. Ein Bruch mit den Plänen, ein Knick in der Investmentstory oder womöglich eine gescheiterte Investition sind die Folge.

Werfen wir heute einen Blick auf zwei Aktien, bei denen ich persönlich jedenfalls das Fazit ziehe, dass die Dividende ohne Ende ein Problem dargestellt hat. Daraus können wir auch für viele andere vermeintliche Chancen wertvolle Lektionen gewinnen.

Dividende ohne Ende: Wenn das Management das Wachstum auf die Spitze treibt

Ein erstes Ende einer starken Dividende sehen wir uns dabei bei einem Konzern an, der es beim Wachstum auf die Spitze getrieben hat. Versteh‘ mich bitte nicht falsch: Ein gesundes Dividendenwachstum ist ein vorzüglicher Renditekatalysator. Aber es muss nachhaltig sein und stets vom Gewinn verdient werden. Ansonsten besteht das Problem, dass es zu Spannungen beim Ausschüttungsverhältnis kommt. Ein Unternehmen kann schließlich nicht sehr lange mehr auszahlen, als hereinkommt. Das Wachstum sollte daher im Einklang mit dem Gewinnwachstum stehen.

Imperial Brands (WKN: 903000), ein Tabakkonzern, sah das lange Zeit anders. Das Management fixierte über etliche Jahre eine Dividendenpolitik, die einfach ein Wachstum von 10 % pro Jahr vorsah. Das war der Traum vieler Einkommensinvestoren. Dividende ohne Ende, eben. Aber was passierte dann? Die Realität holte auch diesen Konzern ein. Bei der Ausschüttung für das Jahr 2019 kürzte das Management die Zahlungen von 2,07 Pfund Sterling im Vorjahr auf 1,38 Pfund Sterling. Doch was steckte hier dahinter? Die einfache Antwort: Die Gewinne konnten die Dividenden schon lange nicht mehr decken. Im Geschäftsjahr 2018 kam der Konzern lediglich auf ein Ergebnis je Aktie von 1,44 Pfund Sterling, im Jahre 2019 nur noch auf 1,06 Pfund Sterling. In Anbetracht der obigen Ausschüttungen sehen wir sehr schnell, dass das nicht lange gut gehen konnte.

Aktienwelt360 Aktienkompass

+89,37%

Benchmark

+76,57%

Aktienwelt360 Aktienkompass

+89,37%

Benchmark

+76,57%

Aber was war das unterschwellige Problem? Meiner Meinung nach: Dass das Management sich lange Zeit und auch in Anbetracht der rückläufigen Zahlen nicht eingestehen wollte, dass man die Dividende aus dem Gewinn nicht zahlen konnte. Man hielt hieran fest. In der bloßen Hoffnung auf Besserung. Es gab zwar für eine gewisse Zeit eine Dividende ohne Ende. Aber das bereitete auch den Untergang dieser Historie vor. Merke daher: Versprechen sind gut. Aber die operative Entwicklung entscheidet letztlich, ob eine Auszahlung nachhaltig ist. Versprechen ohne Gewinnbezug müssen daher nichts wert sein.

Wenn bloße Konstanz die Kürzung herbeiführt

Das Ende der Dividende muss aber nicht zwangsläufig bloß von beständigen Erhöhungen kommen. Manchmal reicht es bereits aus, wenn ein Management an der eigenen Ausschüttung festhält, ohne sie weiter zu erhöhen. Wenn man Probleme nicht erkennt oder ein rückläufiges Geschäft nicht wahrnimmt, kann auch das zu einem Absinken führen. Das ist bloß die einfache Theorie. Kommen wir nun zur Praxis

Bei BASF (WKN: BASF11) haben wir in den letzten Jahren gesehen, dass das Management die eigene Dividende je Aktie für die Geschäftsjahre 2021 bis 2023 bei 3,40 Euro je Aktie konstant hielt. Zuvor lag der Wert zwei Jahre lang bei 3,30 Euro je Aktie. Davor hat es hingegen leichte Zuwächse von jeweils 0,10 Euro je Aktie gegeben. Es war kein beständiges Wachstum, sondern eher Beständigkeit. Aber das stets mit einer hohen Dividendenrendite verknüpft.

Was ist für das Jahr 2024, also im Jahre 2025 passiert? Die Dividende wurde von 3,40 Euro je Aktie auf 2,25 Euro gekürzt. Es war auch an der Zeit. Denn der DAX-Chemiekonzern zahlte seit Jahren aus der Substanz. In den Jahren 2020, 2022, 2023 und 2024 lag der Gewinn je Aktie jeweils bei -1,15 Euro, -0,70 Euro, 0,25 Euro und 1,45 Euro. Bei einer gesamten Dividende von 12,35 Euro und einem Ergebnis je Aktie von kumuliert -0,15 Euro wurde lange Zeit eine nicht nachhaltige Ausschüttung geleistet. Der Fairness halber sei gesagt, dass BASF 2021 einen Gewinn je Aktie von 6,01 Euro erzielte. Hieraus wurden jedoch ebenfalls 3,40 Euro je Aktie gezahlt. Wir sind daher tief im Minus bei der Dividendenbilanz.

Was folgt hieraus? Ein Ende der Dividende passiert stets, wenn ein Management zu ambitionierte Ausschüttungspläne verfolgt, die nicht mehr nachhaltig sind. Bitter ist zudem, dass solche Aktien auf den ersten Blick sehr konstant erscheinen. Doch irgendwann kommt dann das Ende mit Schrecken.

Investieren wie ein Profi: Mit diesen Kennzahlen meisterst du jede Aktienanalyse!

Wenige Kennzahlen – maximaler Durchblick: In unserem exklusiven Sonderbericht zeigt dir Aktienwelt360-Chefanalyst Florian König, wie du mit 15 clever ausgewählten Bilanzkennzahlen jedes Unternehmen im Handumdrehen durchleuchtest.

Lerne, wie das Wälzen trockener Zahlen zur spannenden Schatzsuche für smarte Anleger werden kann. Praxisnah, fundiert und überraschend einfach erklärt – in unserem Sonderbericht „15 Bilanzkennzahlen, die dich zu einem besseren Anleger machen”.

Jetzt lesen und deinen Investment-Kompass schärfen!

Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



Das könnte dich auch interessieren ...