Aktienrückkäufe: Gutes Signal oder Schönfärberei?
Aktienrückkäufe gelten vielen Investoren als überaus positives Zeichen. Immerhin spiegelten sie das Vetrauen eines Unternehmens in die eigenen Stärken und die Zukunftsfähigkeit wider, so die landläufige Argumentation. Zeugen Aktienrückkäufe aber tatsächlich immer von Stabilität oder anders gefragt: sind sie für den Anleger ausnahmslos vorteilhaft?
Warum Aktienrückkäufe für Anleger attraktiv sind
Aktienrückkäufe gehören seit Jahren zu den beliebtesten Instrumenten, mit denen Unternehmen den Aktionären Wert zurückgeben. Der Vorteil liegt auf der Hand. Durch die Verringerung der ausstehenden Aktien steigt der Gewinn je Aktie, was den Kurs stützen kann. Zudem senden Rückkäufe ein Signal des Vertrauens. Das Management zeigt, dass es die eigene Aktie für attraktiv bewertet hält.
Rückkäufe können außerdem eine effiziente Möglichkeit sein, Kapital zurückzuführen. Das liegt daran, dass die durch Buybacks implizierten Kurssteigerungen respektive Kursgewinne in vielen Ländern für den Investor bei Realisierung steuerlich günstiger sind als die Vereinnahmung von Dividenden.
Apple (WKN: 865985) hat dieses Instrument in den vergangenen Jahren konsequent genutzt und Milliarden an überschüssigem Kapital effizient verteilt. Auch für das laufende Jahr genehmigte der Konzern ein Rückkaufprogramm mit einem immensen Volumen von 100 Milliarden US-Dollar – weit mehr, alss viele Unternehmen an Umsatz erzielen oder überhaupt wert sind. Was aber ist die Motivation hinter diesem Schritt? Apple sitzt auf einem riesigen Cash-Vorrat und möchte zudem eine deutliche Botschaft in den Markt senden: wir glauben fest an unseren Kurs und das, obwohl jüngst der iPhone-Umsatz etwas gebremst wurde.
Auch Telstra (WKN: 909947), der australische Telekom-Gigant, greift zu Rückkäufen, um die Aktionäre am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen und die Kapitalstruktur zu optimieren. Zuletzt überzeugte das Unternehmen zudem mit ansehnlichen Zahlen. Um ganze 31 Prozent auf knapp 2,34 Milliarden australische Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) kletterte der Gewinn nach oben. Im Anschluss daran kündigte die Führungsmannschaft einen zusätzlichen Buyback von einer Milliarde australischen Dollar (etwa 560 Millionen Euro) an.
Rückkäufe sind nicht immer ein cleverer Move
Natürlich dürften sich die meisten Investoren zunächst freuen, wenn ein Unternehmen in großem Stil eigene Aktien zurückkaufen möchte. Immerhin steigert das aufgrund der reduzierten Umlaufmenge den Wert der verbleibenden Anteile. Dennoch gilt es, diese Vorgehensweise etwas differenzierter zu betrachten.
Vor allem in Zeiten hoher Bewertungen sind Rückkäufe nicht immer im Sinne der Anleger. Das Unternehmen muss dann enorme Summen an Kapital aufbringen, die es anderswo möglicherweise rentabler hätte einsetzen können. Außerdem versprechen interne Investitionen in Wachstumsprojekte, die beispielsweise die Wettbewerbsfähigkeit ausbauen sollen, mitunter größere Wertzuwächse.
Hinzu kommt, dass Aktienrückkäufe nicht selten über Kredite finanziert werden müssen. In den Jahren der Nullzinspolitik konnten sich Unternehmen fast kostenlos verschulden, sodass dieses Vorgehen aus Investorensicht nicht sonderlich problematisch war. Heute aber sieht die Lage etwas anders aus – höhere Finanzierungskosten machen Buybacks spürbar teurer.
Für Anleger hat das konkrete Auswirkungen. Sie sollten nach der Ankündigung eines Aktienrückkaufs prüfen, ob sich das Unternehmen einen solchen überhaupt leisten kann, also über genügend freien Cashflow verfügt. Aufmerksamkeit ist dagegen geboten, wenn dafür extra Schulden gemacht werden müssen.
Und noch eine Anmerkung: Seit 2022 sorgt die aus dem Inflation Reduction Act resultierende 1%-ige Sondersteuer für zusätzliche Zurückhaltung bei Aktienrückkäufen.
Genaueres Hinsehen oft unumgänglich
Du siehst, dass es bei Aktienrückkäufen durchaus einige unschöne Implikationen für Anleger gibt. Prüfe also am besten die Ursachen, weshalb sich ein Konzern gerade jetzt für ein solches Programm entscheidet. Natürlich kannst du dabei auch feststellen, dass das Management alles richtig macht und tatsächlich den langfristigen Shareholder Value im Blick hat.
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Tim besitzt keine der im Artikel genannten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Apple.
