KI und Verteidigung: Diese deutsche Aktie kombiniert beide Trends

Deutsche Aktie kombiniert Trends wie KI und Verteidigung

Bei der Unternehmenspräsentation der Circus Group (WKN: A2YN35) auf der Münchner Kapitalmarkt Konferenz (MKK) war die Hütte voll. Einige Analysten und Investoren haben sich die Zeit genommen, um den Worten von CEO Nikolas Bullwinkel zu lauschen. Da das Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell und in seiner Öffentlichkeitsarbeit einige aktuelle Buzzwords bedient, war das große Interesse an der Präsentation sicherlich kein Zufall. Von „AI-robotics“ über „Automatisierung“ bis hin zu „Verteidigung“ werden viele Trends thematisiert, die gerade am Puls der Zeit liegen.

Circus hat noch keine nennenswerten Umsätze erzielt und verbrennt Monat für Monat Geld. Trotzdem wird das Unternehmen an der Börse zu einer Marktkapitalisierung in Höhe von 310 Mio. Euro (Stand: 03.12.2025) gehandelt. Doch wie viel Substanz steckt hinter dieser Bewertung?

Ich habe mich mit dem Geschäftsmodell, den Zahlen sowie den Chancen und Risiken der Circus-Aktie auseinandergesetzt. Meine Erkenntnisse möchte ich nachfolgend mit dir teilen und abschließend beurteilen, ob eine Investition in dieses durchaus spannende Unternehmen aus meiner Sicht aussichtsreich ist.

Das Geschäftsmodell

Doch von Anfang an: Was macht das Unternehmen eigentlich und wie möchte es zukünftig Geld verdienen? Circus entwickelt KI-Robotersysteme, die vollkommen autonom Mahlzeiten zubereiten können. Die Produktion hat das Unternehmen an Celestica ausgelagert, um sich auf die Forschung & Entwicklung konzentrieren zu können und ein kapitalintensives Geschäftsmodell zu vermeiden. Circus versteht sich als Technologieunternehmen, welches Innovationen schafft und die Welt damit bereichert.

Wer sich unter so einer Robotereinheit wenig vorstellen kann, sollte sich die nachfolgende Produktdemonstration ansehen, um sich ein besseres Bild machen zu können.

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Die zukünftigen Umsatzströme sollen sich in Hard- und Softwareumsätzen aufteilen. Pro Hardware-Einheit möchte das Management im Direktverkauf 250.000 Euro und mehr umsetzen. Für die Software-Komponente kommt das hauseigene Betriebssystem CircusOS ins Spiel. Hier sollen Kunden ihren Bedarf vorhersehen, Automatisierungen vornehmen und die Lieferketten kontrollieren können. Die Einnahmen für die Nutzung dieser Software sollen wiederkehrender Natur sein (SaaS).

Nun ist so eine KI-getriebene Robotereinheit für den Privatgebrauch etwas zu groß und zu teuer. Wer ist also die Zielgruppe der Circus Group? Nikolas Bullwinkel hat es auf der MKK so formuliert: „Unsere Kunden sind Unternehmen, die Essen anbieten müssen, aber wo diese Tätigkeit nicht zum Kerngeschäft gehört“. Zu diesem potenziellen Kundenkreis gehören Kantinen von großen Unternehmen, Supermärkte, Flughäfen, Hotels, etc.

In einem Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit Rewe bereitet ein KI-Roboter der Serie CA-1 in einem Markt in Düsseldorf-Heerdt frische Gerichte zu. Weitere Integrationen sollen im Laufe des Q4 2025 folgen. Außerdem verkündete Circus, dass Meta der erste Firmenkunde sein wird, der die eigenen Mitarbeiter an den deutschen Standorten mit den KI-produzierten Gerichten von Circus verköstigen wird.

Neben dem Modell CA-1 gibt es auch die CA-M Produktserie. Und genau hier kommt der Verteidigungsaspekt ins Spiel. Das Management von Circus geht davon aus, dass Militäreinheiten in ihren Einsatzgebieten Bedarf an unbemannten autonomen Küchen haben dürften. Die Vision ist an dieser Stelle, die herkömmliche Feldküche in Gänze zu ersetzen.

Burggraben und Aktionärsstruktur

Die Idee als solche und die vorgestellten Produkte sind aus meiner Sicht ziemlich einmalig. Lässt sich diese Einzigartigkeit allerdings auf Dauer schützen? Laut der Unternehmenspräsentation von Circus besteht für die Kerntechnologie der KI-Roboter seit April 2025 ein EU-weites Patent. Ein US-Patent steht noch aus. Wenn man dem Management Glauben schenkt, kann die Technologie auch unabhängig von den Patenten nicht ohne Weiteres nachgebaut werden. Immerhin wurde hier viel Zeit und Geld in die Forschung & Entwicklung gesteckt. Ob dem wirklich so ist, vermag ich an der Stelle nicht final zu beurteilen. Sicher ist für mich jedoch, dass Circus schnell skalieren sollte, um einen First-Mover-Vorteil zu haben und sich so von möglichen Konkurrenten abzuschirmen.

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Interessant ist auch die Aktionärsstruktur des Unternehmens. Gründer und CEO Nikolas Bullwinkel hält 24,5 % der ausstehenden Aktien. Das Management ist mit 9,5 % der Aktien auch nicht unwesentlichen an dem Erfolg des Unternehmens beteiligt. Investoren, VC’s und Business Angels halten weitere 31 %. Die übrigen 35 % sind im Streubesitz. Der Gründer, das Management und die wichtigsten Investoren, die insgesamt 69 % der Anteile halten, haben sich darauf verständigt, bis 09.2028 keine Aktien zu veräußern. Zum einen ist das ein gutes Commitment und zeigt, dass nicht schnelle Kasse gemacht werden soll. Zum anderen aber macht es die Aktie weniger liquide, was sich stark auf die Kursbildung in den nächsten Jahren auswirken kann.

Wie steht es um die Finanzen von Circus?

Wie das für ein eher kleines, börsennotiertes Unternehmen so ist, liegen zu der finanziellen Situation nicht überschwänglich viele Informationen vor. Bullwinkel brachte auf der MKK auf eine Frage aus dem Publikum, die wissen wollte, wie viel Geld das Unternehmen verbrennt, folgende lockere Antwort über die Lippen: „Der Cashburn ist im Monat sechsstellig. Wir verbrennen unter einer Million Euro pro Monat“. Auf diese Antwort reagierte der Saal entsprechend skeptisch, weshalb er noch ergänzte, dass er kaum ein Technologieunternehmen kennt, das in dieser Unternehmensphase so wenig Geld verbrennt. Ob das nun gut oder schlecht ist, darf jeder für sich selbst entscheiden.

Die Bilanz (Geschäftsjahr 2024) weist mit 15 Mio. Euro mehr Eigenkapital als Verbindlichkeiten aus (12,8 Mio. Euro), was grundsätzlich positiv ist. Bei einem Jahresfehlbetrag in Höhe von ca. 6,7 Mio. Euro wird jedoch klar, dass das Geschäftsmodell in Zukunft auf Refinanzierungen angewiesen sein wird.

Chancen der Circus-Aktie

Die Chancen, eine gute Rendite mit der Circus-Aktie zu machen, sind hoch. Zumindest, wenn man der Guidance des Managements vertraut. Diese sieht vor bereits kurzfristig bis 2027 eine niedrige dreistellige Anzahl an Robotersystemen zu produzieren. Gehen wir in diesem Zeitraum hypothetisch von 250 verkauften Einheiten zum Stückpreis von 250.000 Euro aus, wären das 62,5 Mio. Euro Umsatz. Hinzu sollen pro Jahr wiederkehrende SaaS-Umsätze im zweistelligen Millionenbereich kommen. Der SaaS-Anteil am Gesamtumsatz soll am Anfang der Unternehmensreise bei etwas über 10 % liegen.

In 3 bis 5 Jahren möchte Circus bereits vierstellige Anzahlen an Einheiten pro Jahr produzieren. Geht man von 1.000 verkauften Einheiten pro Jahr aus, würden wir von 250 Mio. Euro pro Jahr sprechen. Nur von Hardware-Verkäufen. Die jährlich wiederkehrenden Umsätze sollen dann bereits bei über 1 Mrd. Euro pro Jahr liegen, bei 70 % Anteil am Gesamtumsatz. Die EBITDA-Marge soll in diesem Zeitraum dann schon bei zwischen 30 und 35 % liegen.

Bei einer heutigen Marktkapitalisierung von „nur“ 310 Mio. Euro wäre die Circus-Aktie bei Erfüllung dieser Ziele Stand heute ein No-Brainer. Bleibt also die Frage, wie realistisch diese hochgesteckten Ambitionen sind.

Die Kehrseite der Medaille

Wie sagt man so schön? Träume sind Schäume. Auf dem Weg zum potenziellen Erfolg gibt es viele Herausforderungen, die gemeistert werden wollen. Zum Beispiel wird die Finanzierung der Produktion aus meiner Sicht ein großes Thema sein. Laut Management produziert Celestica nur „on demand“, aber als Produzent werden sie sicherlich auch zumindest eine Anzahlung auf die Produktion sehen wollen. Hinzu kommt, dass Circus auch ohne hohe Produktionskosten bereits einen hohen Cashburn aufweist.

Außerdem liegt ein weiteres Risiko auf der Hand: Das Unternehmen wird heute bereits hoch bewertet, ohne einen Proof of Concept für das Geschäftsmodell zu haben. Es gibt keine nennenswerten Umsätze, von Gewinnen ganz zu schweigen. Geringste Abweichungen von den Management-Prognosen können bereits dazu führen, dass die Circus-Aktie nach unten fällt wie eine heiße Kartoffel.

Darüber hinaus darf man als Aktionär damit rechnen, dass man verwässert wird. Laut einer Pressemitteilung vom 24.11.2025 erwägt das Management „zur Erreichung potentiell höherer Umsatz- und Ergebnisziele“ zusätzliches Wachstumskapital in Form von Eigen- oder Fremdkapital aufzunehmen.

Buzzwords sind nicht immer ein guter Kauf

Ebenfalls in derselben Pressemitteilung enthalten war eine aktualisierte Guidance für das Geschäftsjahr 2026. Diese sieht Umsätze zwischen 44 und 55 Mio. Euro und ein negatives EBITDA von 6 und 8 Mio. Euro vor. Ob es zu diesen Umsätzen kommt, steht in den Sternen. Zum Zeitpunkt der Präsentation auf der MKK wurden lediglich 5 KI-Robotersysteme ausgeliefert. Circus ist also noch Meilen davon entfernt, seine gesteckten Ziele zu erreichen.

Ich muss zugeben: Die Geschäftsidee ist spannend und ich kann mir gut vorstellen, dass die Produkte von Circus eine Daseinsberechtigung haben. Stand heute ist der mögliche Erfolg des Unternehmens noch mit einigen Fragezeichen versehen, weshalb ich die Finger von der Circus-Aktie lasse. Weiter verfolgen werde ich die Reise des Unternehmens trotzdem und bei neuen Erkenntnissen entsprechend dazu schreiben.

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Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Meta Platforms.



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