86 % in 3 Jahren: Kann die Allianz-Aktie diese Performance bis 2028 wiederholen?
Betrachtet man rückblickend den Kurs der Allianz-Aktie (WKN: 840400) der letzten drei Jahre, könnte man meinen, der Münchener Versicherungskonzern habe heimlich ein Fitnessprogramm absolviert, das selbst gestandene Tech-Werte neidisch macht.
Ein Kursplus von 86 % ist für einen DAX-Schwergewichtler schließlich keine Kleinigkeit. Auch wenn die Aktie dabei stets den Anschein erweckte, dies sei alles nur eine gemütliche Spazierfahrt durch ruhiges Fahrwasser gewesen.
Nun stellt sich jedoch die entscheidende Frage: Kann dieses beeindruckende Tempo bis 2028 erneut erreicht werden oder war der jüngste Höhenflug eher ein außergewöhnlich günstiger Rückenwind als ein dauerhaftes Leistungsniveau? Dazu erst einmal einen Blick auf die Treiber.
Fundamentaler Rückenwind: Gewinnkraft und Bewertung
Ein wesentlicher Treiber dieser starken Performance war die kontinuierlich gestiegene Ertragskraft des Konzerns. Die Allianz konnte in den letzten Jahren vor allem beim Umsatz deutlich zulegen. Aber auch der Gewinn und der freie Cashflow stiegen an, was den Kursanstieg zum Teil rechtfertigt.
Dieses Bild setzt sich für die ersten neun Monate des laufenden Jahres fort. Der Konzern erzielte hier einen operativen Gewinn von 13,1 Mrd. Euro und lag damit deutlich über den 11,8 Mrd. Euro des Vorjahreszeitraums. Auf Basis dieser Dynamik peilt der Vorstand für 2025 nun einen operativen Gewinn von mindestens 17 Milliarden Euro an – ein Rekord.
Damit würde das Unternehmen am oberen Ende der ursprünglichen Zielspanne landen, was angesichts des traditionell vorsichtigen Managementstils einiges über die interne Zuversicht verrät. Unter normalen Umständen – also ohne große Naturkatastrophen oder extreme Kapitalmarktschocks – gilt ein Korridor von 17 bis 17,5 Milliarden Euro sogar als wahrscheinlich. Betrachtet man das Makrobild, könnte der Trend für die nächsten Jahre noch anhalten.
Rückenwind, der weiter anhalten könnte
Derzeit entsteht Rückenwind für die Münchener aus gleich mehreren strukturellen Trends. Einerseits profitieren sie von höheren Zinsen, die das Neugeschäft im Lebens- und Kapitalanlagensegment deutlich lukrativer machen und den Investmentertrag stabil nach oben treiben.
Andererseits sorgt die anhaltend hohe Nachfrage nach verlässlichen Versicherungs- und Vorsorgelösungen in Europa und den USA für stetig wachsende Beitragseinnahmen, insbesondere in den Bereichen Schaden/Unfall und betriebliches Altersmanagement. Zudem trug die Inflation in Kombination mit einer hohen Preissetzungsmacht ihr Übriges bei.
Der Wettbewerb innerhalb der Branche blieb dabei auf nur moderatem Niveau. Die zunehmende Digitalisierung des Versicherungsgeschäfts steigert zudem die Effizienz, reduziert Kosten und verbessert die Skalierbarkeit.
Ob dieser Rückenwind weiter anhält, hängt vor allem vom geldpolitischen Kurs der Zentralbanken sowie von der makroökonomischen Stabilität ab. Solange die Zinsen nicht abrupt fallen und größere geopolitische Verwerfungen ausbleiben, dürfte die Allianz auch in den kommenden Jahren von diesen strukturellen Faktoren profitieren.
Ein realistischer Blick auf die nächsten drei Jahre
Betrachtet man die Bewertung, so zeigt sich, dass die Aktie trotz der starken Kursentwicklung keine überzogenen Prämien aufweist. Für das Jahr 2026 wird ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von lediglich 12,7 erwartet, kombiniert mit einer prognostizierten Dividendenrendite von 4,5 %.
Beides sind Werte, die für ein Unternehmen mit globaler Marktführerschaft, stabilen Cashflows und einer über Jahrzehnte bewährten Kapitaldisziplin langfristig orientierten Anlegern durchaus ein robustes Chance-Risiko-Profil signalisieren.
Ob die Allianz-Aktie aber erneut eine Performance von 86 % in drei Jahren erzielen kann, hängt allerdings nicht allein von operativer Exzellenz ab. Ein Großteil der Performance der letzten Jahre ist auf eine Erholung der Kapitalmärkte und eine Neubewertung europäischer Versicherer zurückzuführen.
Solche Effekte lassen sich nicht beliebig wiederholen. Gleichzeitig ist die Allianz nicht als Wachstumsrakete positioniert, sondern als wertstabiler Cash-Generator. Selbst bei weiter steigenden Gewinnen und kontinuierlich wachsenden Dividenden wäre ein erneuter Sprung in dieser Größenordnung ehr als ambitioniert einzustufen.
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Frank besitzt Aktien der Allianz. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien der Allianz.
