46 % Kurspotenzial und 6% Dividende: Kann das richtig sein?
Beim Blick auf die Aktie von JBS N.V. (WKN: A41ARP) könnte man fast meinen, jemand habe an der Wall Street vergessen, das Minus vor den Risiken zu setzen. Ein Kursziel mit 46 % Aufwärtspotenzial und eine erwartete Dividendenrendite von rund 6 %? Gut, die Aktie notiert zum erwarteten KGV von 8.
Das klingt nach einem Mega-Value-Schnäppchen. Aber auch so, als würde man beim Metzger ein Premium-Steak und ein Pfund Bruzzler obendrauf bekommen, während man noch bezahlt wird.
Doch bevor Anleger in die Startlöcher gehen, lohnt es sich, einen Blick unter die robuste, aber durchaus widersprüchliche Oberfläche dieses multinationalen Fleisch- und Proteinriesen zu werfen. Dabei fällt auf, dass es nicht nur Chancen gibt, sondern auch Risiken.
Das Geschäft: Weltweit Fleisch, globaler Appetit
JBS ist einer der weltweit größten Fleischverarbeiter mit Kernaktivitäten in den Bereichen Rind, Schwein, Geflügel und verarbeitete Lebensmittel. Der Konzern ist global tätig – von Brasilien über die USA bis nach Europa und Australien – und beliefert Einzelhändler, Gastronomiebetriebe sowie industrielle Abnehmer.
Diese Diversifizierung ist das Resultat einer langen M&A-Aktivität und kam nicht von ungefähr. Sie verschaffte JBS eine starke Marktposition, allerdings auch zu hohen Schulden.
Die Fleischproduktion ist ein äußerst kapital- und rohstoffintensives Geschäft mit engen Margen und starkem Wettbewerb. Unter Trump nehmen nun aber auch die Risiken zu, beispielsweise durch Zollmaßnahmen, obwohl meistens regional produziert wird.
Der Hauptumsatz wird mit der Tochter Pilgrim’s Pride (WKN: A0YJBW) erzielt, die ebenfalls an der US-Börse notiert ist. JBS hält einen Anteil von etwas über 80 % an ihr, was mehr als 7,6 Mrd. US-Dollar entspricht.
Durch die Zugehörigkeit zum US-Konzern kann JBS die zyklischen Schwächen im Rindfleischgeschäft teilweise ausgleichen. Es besteht jedoch weiterhin eine starke Schwankungsintensität. Vor allem die aktuelle Rinderknappheit in den USA und weltweit sorgt für hohe Preise beim Ankauf.
Fleisch- und Agrarunternehmen sind traditionell stark konjunktur- und kostenabhängig. Hohe Rohstoffpreise, Währungseffekte und operative Herausforderungen belasten regelmäßig die Ergebnisse. Die Fleischpreise schwanken dabei wie andere Rohstoffe auch. Läuft alles in die falsche Richtung, kann dies übel in den Bilanzen aussehen – so wie zuletzt im Jahr 2023, als ein Verlust von über einer Milliarde verzeichnet wurde.
Neben den üblichen zyklischen Risiken hat JBS aber noch eine Geschichte von Governance- und Compliance-Problemen vorzuweisen, einschließlich Korruptionsskandalen in früheren Jahren. Auch Umwelt- und Tierschutzkritik sowie politische Risiken belasten das Sentiment.
Solche Faktoren sorgen nicht gerade für Vertrauen. Sie erschweren eher den Zugang zu Kapital und drücken damit die Bewertung.
Dividenden-Sicherheit und Kurspotenzial: Realistisch oder Wunschdenken?
Ob die Dividende wirklich sicher ist, hängt stark von den künftigen Gewinnen und Cashflows der US-Tochter ab. Zwar hat sich deren Aktienkurs zuletzt deutlich erholt, was ein gutes Zeichen sein mag.
Dennoch würde ich die Aktie weiterhin als heißes Eisen betrachten, da sich die Entwicklung von Dividende und Kurs nur schwer prognostizieren lässt. Vor allem hohe Schuldenberge sind in einem zyklischen Geschäft mit niedrigen Margen nie ein gutes Omen.
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Frank besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.
