KGV von 6,4: Ist American Airlines die günstigste Aktie der Welt?

Wer im Pandemie-Tief 2020 mutig 10.000 Euro in United Airlines steckte, blickt heute auf satte 63.500 Euro Vermögen. Die Aktie schoss seit dem 18. März 2020 um 535 % nach oben. Wer dagegen auf American Airlines (WKN: A1W97M) setzte, krebst bei bescheidenen 16.100 Euro herum. Das ist ein mageres Plus von 61 % – während die Konkurrenz am Horizont verschwindet.
Das hässliche Entlein der Lüfte
Warum klebt American Airlines am Boden? Die Zahlen von 2025 lesen sich wie ein Flugblatt für Masochisten. Bei 54,6 Mrd. Dollar Umsatz blieben mickrige 111 Mio. Dollar Nettogewinn hängen. Das entspricht einer Nettomarge von 0,2 %. Ein Windstoß, und der Gewinn ist weg.
Zusätzlich drückt ein Schuldenberg von 36,5 Mrd. Dollar auf das Fahrwerk. Zum Vergleich: United verdient Milliarden, American sammelt eher Centbeträge. Während United 10,20 Dollar pro Aktie (EPS) scheffelte, lieferte American nur 36 Cent ab. Anleger mieden das Papier.
Der Wind dreht sich am Gate
Doch ich sehe erste Risse in der Pechsträhne. American Airlines hat 2025 bereits 2,1 Mrd. Dollar Schulden getilgt. Seit dem Gipfel 2021 verschwanden sogar 15 Mrd. Dollar an Verbindlichkeiten. Das Ziel für 2026: Die Schulden sinken unter 35 Mrd. Dollar. Das Management erreicht diese Marke wohl ein Jahr früher als geplant.
Hier die harten Fakten:
| Kennzahl | American Airlines | United Airlines | Delta Air Lines |
|---|---|---|---|
| KUV | 0,20 | 0,25 | 0,30 |
| KGV (NTM) | 6,4 | ~10 | ~9 |
| Performance seit 2020 | +61 % | +535 % | +253 % |
Das Ass im Ärmel: die Citi-Karte
Ein echter Kurstreiber versteckt sich im Kleingedruckten der Kreditkartenverträge. Seit dem 1. Januar 2026 ist Citi der exklusive Partner für AAdvantage-Kreditkarten. Dieser Deal soll bis Ende des Jahrzehnts jährlich 1,5 Mrd. Dollar zusätzliches EBIT einbringen. Das kann Treibstoff werden für den Gewinn pro Aktie.
Zusätzlich profitiert American vom Siechtum der Billigflieger wie Spirit Airlines. Passagiere flüchten zu den großen Traditions-Airlines. Der Trend geht klar zum Luxus: Bei Delta übertrafen Premium-Einnahmen erstmals die Economy-Verkäufe. American zieht 2026 nach und setzt voll auf betuchte Geschäftsreisende und Vielflieger.
Die Mathematik der Aufholjagd
Meine Prognose für den Gewinn pro Aktie (EPS) im Jahr 2026 liegt bei 2,50 Dollar. Das wäre fast das Sechsfache des Vorjahreswerts. Für 2027 rechne ich mit einem weiteren Sprung auf 2,70 Dollar.
Warren Buffett warf im April 2020 alle Airline-Aktien nahe dem Tiefpunkt aus dem Depot. „Wir haben einen Fehler gemacht“, gestand er später zerknirscht ein. Wer seine United-Anteile damals für 18 Dollar hielt, sieht heute 113 Dollar. Emotionen sind an der Börse oft schlechte Copiloten.
American Airlines ist kein Kaufen-und-Vergessen-Investment für die Ewigkeit. Aber mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von nur 0,20 erscheint mir die Aktie spottbillig. Wenn die Marge steigt und die Schulden schmelzen, hebt das Papier ab. Ich beobachte den Steigflug genau – die Startfreigabe scheint erteilt.
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Henning Lindhoff besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.
