ADVA heute mit 27 % Minus – wie kann das sein und wie geht es mit der Aktie weiter?

27,5 % Minus an einem Tag, das ist schon eine reife Leistung, noch dazu für einen Indexwert. Geschafft hat das heute der im TecDAX notierte Münchner Netzwerkausrüster ADVA Optical Networking SE (WKN: 510300).
Was ist passiert?
Am Montag nach Börsenschluss senkte ADVA wegen einer unerwartet schwachen Auftragslage die Gewinn- und Umsatzerwartungen an das laufende Quartal. ADVA rechnet jetzt noch mit 110 bis 125 Millionen Euro und damit unterhalb der bisherigen Prognose von 120 bis 130 Millionen Euro.
Das Betriebsergebnis EBIT wird in einer Wachstumsspanne von -4 bis 2 % erwartet. Zusätzliche Kosten in Höhe von 9 Millionen Euro werden für einen Personalabbau anfallen, mit dem ADVA 15 Millionen Euro jährlich einsparen möchte.
Aussagen für das Gesamtjahr 2017 traf ADVA nicht.
Wie geht es weiter?
Die ADVA-Story ist grundsätzlich nach wie vor interessant. ADVA konzentriert sich auf die Datenübertragung per Glasfaserkabel. Nach Ansicht von Vorstand Brian Protiva können nur mit dieser Technik die riesigen Datenmengen übertragen werden, die in der Informationsgesellschaft anfallen. Denken wir nur an Cloud-Dienste, das Internet of Things oder an immer mehr Streamingdienste wie Netflix oder Amazon, die alle rund um die Uhr zur Verfügung stehen müssen.
Auf der anderen Seite herrschen in der Branche weiterhin harte Preiskämpfe und ein Wettbewerb, der eine weitere Konsolidierung notwendig macht. ADVA hat im August den amerikanischen Mitbewerber MRV Communications für rund 69 Millionen US-Dollar gekauft. Das gilt es erst einmal zu verdauen.
Nach dem schwächer als erwartet ausgefallenen Halbjahresergebnis ist die heutige Prognoseanpassung die zweite Enttäuschung in kurzer Zeit. Das Management hat viel Vertrauen bei Anlegern verspielt, was den Kurs in nächster Zeit belasten wird.
Andererseits ist die Aktie jetzt so günstig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Eine Schätzung des Gewinns pro Aktie ist schwierig, da es keine Prognose für das vierte Quartal gibt. Bleibt der Gewinn pro Aktie auf der Vorjahreshöhe von 0,44 Euro, so läge das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei weniger als 10 – das ist attraktiv für ein trotz allem erfolgreiches Unternehmen in einer Wachstumsbranche.
Klar ist aber auch: Wer wirklich bei ADVA einsteigen will, braucht einen langen Atem und starke Nerven, denn die Unternehmensgeschichte ist voll von Rückschlägen. Vorsichtige Anleger sollten das Papier besser meiden.
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Peter Roegner besitzt Aktien von Amazon. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Netflix.