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ProSiebenSat.1, Deutsche Bank, Rocket Internet: Kaufen, weil die Top-Manager kaufen?

am Scheideweg Depot
Foto: Getty Images

Den Einstieg in das Thema „Börse, Aktien und Co.“ dürften viele junge und alte Anleger über das Studium von Erfahrungen Dritter bewältigt haben. Mir ist seinerzeit eine Ausgabe von Benjamin Grahams Klassiker „The Intelligent Investor“ in die Hände gefallen. Ohne das Wissen des Altmeisters samt den urkomischen, aber mindestens genauso lehrreichen Kommentaren Warren Buffetts hätte ich mich wahrscheinlich nie an die Börse getraut.

Ich denke, die Idee, sich an erfolgreichen Menschen zu orientieren, ist bei Weitem nicht die schlechteste. Aus den eigenen Fehlern lernen ist immer gut. Aus den Fehlern anderer lernen ist jedoch wesentlich besser.

Wieso nicht das schmerzhafte Trial-and-Error überspringen und sich direkt mit der Essenz erfolgreicher Strategien ausrüsten? Das sollte meiner Meinung nach das Resultat eines intensiven Studiums der Literaturklassiker sein.

Mir war Literatur alleine damals nicht genug. Meine Neugier endete nicht bei der Analyse der philosophischen Grundlagen. Ich wollte wissen, welche Aktien meine persönlichen Börsenstars in ihren Portfolios haben. Wer die Literatur vollständig verinnerlicht hat, interessiert sich dabei natürlich vor allem für den Kaufpreis, zu dem die Aktie in das jeweilige Portfolio gewandert ist.

Das am häufigsten begutachtete Portfolio dürfte sicher das von Warren Buffett sein. Doch es gibt noch eine andere Gruppe, die sich gerne mit Aktien eindeckt und aller Wahrscheinlichkeit nach über mehr Informationen hinsichtlich der Geschäftstätigkeit des jeweiligen Unternehmens verfügt als der gemeine Wald-und-Wiesen-Anleger: Vorstände und Aufsichtsräte.

Insider im Shopping-Rausch

Neugierige Anleger haben Glück. Für gewöhnlich müssen sogenannte Insider Trades veröffentlicht werden. Das gilt auch für Vorstände und Aufsichtsräte in Deutschland. Diese dürfen Aktien der eigenen Unternehmen kaufen oder verkaufen, sofern die Transaktionen der Finanzaufsicht Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) gemeldet werden.


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Bei ProSiebenSat.1 (WKN:PSM777), Deutsche Bank (WKN:514000) und Rocket Internet (WKN:A12UKK) hat es meiner Ansicht nach in letzter Zeit besonders interessante Insider-Aktivitäten gegeben:

UnternehmenKäuferStellungDatum des KaufsStückzahlKaufpreis je Aktie
ProSiebenSat.1Maximilian ConzeVorstand10.08.201821.99822,99 Euro
Deutsche BankJohn ThainAufsichtsrat27.07.2018100.00110,51 Euro
Rocket InternetOliver SamwerVorstand11.07.20181.000.00029,00 Euro

Zusätzlich zu den Transaktionsinformationen interessiert mich die Wertentwicklung der jeweiligen Aktie in Relation zum Kaufdatum und auf Sicht mehrerer Jahre (Stand für alle Kurse: 27.08.2018).

UnternehmenWertentwicklung seit KaufWertentwicklung 1 JahrWertentwicklung 3 Jahre
ProSiebenSat.11,88 %-29,11 %-45,09 %
Deutsche Bank-5,74 %-28,84 %-57,26 %
Rocket Internet4,67 %59,37 %20,35 %

Aufmerksame Leser werden direkt die Unterschiede zwischen den Transaktionen erkennen. Während sich Oliver Samwer offensichtlich in einen Aufwärtstrend hineinkauft, wird bei den Aktien von Deutsche Bank und ProSiebenSat.1 vermutlich auf einen Turnaround spekuliert.

Für Fans der Deutschen Bank bietet der Kauf von John Thain eine besonders exquisite Chance. Aktuell lässt sich die Aktie mit einem schönen Discount von beinahe 6 % zum Kaufpreis des Insider Trades erwerben (Stand: 27.08.2018).

No Brainer für Copy Cats? Da habe ich leider schlechte Nachrichten

Auf den ersten Blick scheint es sich um einen klassischen No Brainer zu handeln. Wenn ein Vorstand Millionen in die Hand nimmt, um die Aktie des eigenen Unternehmens zu erwerben, wird es dafür doch sicher einen guten Grund geben. Zum gleichen Preis wie der Insider zu kaufen, am besten sogar günstiger, erscheint daher geradezu zwingend.

Doch meiner Meinung nach sind Anleger mit dieser Strategie alleine nicht gut beraten. Letztendlich kann es Tausende Gründe geben, wieso jemand eine Aktie kauft. Gründe, die niemand kennt und wahrscheinlich auch niemand hätte, der nicht gerade Vorstand oder Aufsichtsrat ist.

Außerdem denke ich, dass Anleger, die den Wert und alle wichtigen Parameter eines Unternehmens im Detail ergründet haben, die Aktie sowieso kaufen, wenn der Preis günstig erscheint. Insider Trades können hier selbstverständlich ein Baustein der persönlichen Kaufentscheidung sein. Auf Insider Trades alleine würde ich mich allerdings nicht verlassen.

Seit beinahe drei Jahren befülle ich regelmäßig ein virtuelles Portfolio mit den veröffentlichten Käufen von Warren Buffett und anderen Börsengurus. Die Wertsteigerung von insgesamt etwa 32 % kann sich durchaus sehen lassen. Allerdings konnte der S&P 500 im selben Zeitraum um über 40 % zulegen (Stand für alle Kurse: 27.08.2018). Für mich ist die Lektion klar: Ich bin nicht Warren Buffett – und das muss ich auch nicht sein, um Erfolg an der Börse zu haben.

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.



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