Wie Siemens auf einen Schlag Milliarden heben könnte für seine Aktionäre

Illustration einer digital vernetzten Skyline im Stil einer Smart City
Foto: Siemens AG

Als breit aufgestellter Engineering- und Industrie-Software-Konzern ist Siemens (WKN: 723610) ein Problemlöser, ganz nach dem Düsentrieb-Motto „Dem Ingeniör ist nix zu schwör“. Entsprechend gut ist Siemens durch die Turbulenzen der Coronakrise gekommen. Doch das Geschäft bleibt kapitalintensiv. Und mit den dafür benötigten Schulden könnte Siemens derzeit milliardenschwere Gewinne heben.

Die Schulden von Siemens sind eine Goldgrube

Eigentlich braucht Siemens keine Schulden – zumindest, wenn man den Finanzarm SFS ausblendet, der den Vertrieb mit Darlehen und Leasing-Angeboten unterstützt. Seit vielen Jahren fahren die Münchener Gewinne in Milliardenhöhe ein, mit denen sie ihre Investitionen aus eigener Kraft finanzieren könnten. Allein in den fünf Geschäftsjahren von 2018 bis 2022 waren es in Summe über 25 Mrd. Euro.

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Die vollen Auftragsbücher und die zunehmende Bedeutung des tendenziell höhermargigen Digitalgeschäfts sprechen dafür, dass künftige Gewinne noch höher ausfallen werden. Aber statt seine Schulden konsequent zurückzufahren, bezahlte Siemens lieber hohe Dividenden und gab große Summen für Akquisitionen aus. Entsprechend hoch ist trotz der großen Profite weiterhin der Schuldenstand: Ende 2022 standen 42 Mrd. Euro an langfristigen Finanzschulden in der Bilanz. War das klug?

Nun, wenn man das Geld geradezu nachgeschmissen bekommt, dann ist es wohl das einzig Richtige. Siemens war einer der wenigen Konzerne weltweit, die sich zeitweise langfristig zu Minuszinsen hätten finanzieren können. Und tatsächlich hatte es 2019 und 2020 sogenannte Zero Bonds im Markt untergebracht, darunter eine Anleihe, die über sechs Jahre hinweg keinerlei Zinsen bezahlt.

So funktioniert der Trick

Tolle Sache für Siemens, weniger toll für diejenigen, die jetzt diese Wertpapiere in ihren Depots haben. Unter den zahlreichen ausgegebenen Unternehmensanleihen ist auch eine, die noch bis 2034 läuft und dabei lediglich 0,5 % bezahlt. Würde Siemens heute eine 2034er-Anleihe in Euro begeben, müsste sie etwa 3,5 % bieten.

Kein Wunder also, dass die Kurse solcher extrem niedrig verzinster Anleihen eingebrochen sind. Die vorgenannte ist in den letzten Monaten von über 100 auf rund 70 abgesackt. Eine Reihe weiterer Anleihen, die meistens einen Umfang von 500 Mio. bis 2 Mrd. Euro haben, ist ebenfalls weit unter die Marke von 100 abgetaucht.

Das bedeutet zum Beispiel, dass Siemens mit dem Einsatz von 750 Mio. Euro 1 Mrd. Euro Schulden aus der Bilanz tilgen könnte, falls das Unternehmen die Anleihen zu den reduzierten Preisen unter Nennwert zurückkaufen würde.

Eine Überschlagsrechnung zeigt, dass derzeit Anleihen im Umfang von mehr als 30 Mrd. Euro deutlich unter Nennwert notieren. Siemens kann auf die Schnelle nicht die Mittel freisetzen, um alles aufzukaufen. Aber zum Jahresende hatte sie 10 Mrd. Euro auf der hohen Kante. Sucht sie sich diejenigen Anleihen mit dem höchsten Discount auf den Nennwert aus, dann kann sie damit wohl mehr als 12 Mrd. Euro tilgen.

Hier besteht also die Möglichkeit, per Financial Engineering die Bilanz um 2 Mrd. Euro aufzupolstern. Das gilt zwar nur unter der Annahme, dass die Papiere ausreichend liquide sind für eine solche Aktion, aber es ist ein interessantes Gedankenexperiment.

Sollte Siemens seine Anleihen zurückkaufen?

Das dafür zuständige Management um Finanzchef Ralf Thomas sieht anscheinend keinen Sinn darin. Jedenfalls ist nicht erkennbar, dass es Schritte in diese Richtung unternimmt. Aber warum eigentlich?

Nun, 2 Mrd. Euro sind einerseits eine stolze Summe, aber andererseits für einen Riesen wie Siemens nicht die Welt. Um diesen Preis zu gewinnen, müsste der Konzern fast seine gesamte Liquidität aufgeben. Zwar würden sich die Geldspeicher dank der hohen Barmittelzuflüsse aus den Segmenten bald wieder füllen, doch die Optionalität wäre für einige Zeit stark eingeschränkt.

Siemens ist ständig auf der Suche nach guten Investitionsgelegenheiten, insbesondere im Digitalbereich. Durch die aktuell allgemein erschwerten Finanzierungsbedingungen – gerade für innovative Wachstumsunternehmen – könnten sich schon bald gute Deals ergeben.

Ohne die Liquidität, die durch die niedrig verzinsten Anleihen bereitgestellt wird, müsste Siemens im Fall der Fälle neue und höher verzinste Schulden aufnehmen. Das wäre nicht klug.

Siemens wird sich die Milliardengewinne lieber erarbeiten

Höchstwahrscheinlich wird Siemens nicht von der Möglichkeit Gebrauch machen, zum Discountpreis Schulden aus seiner Bilanz zu wischen. Aber es ist gut zu wissen, dass die Finanzabteilung hier gute Arbeit geleistet hat. In Zeiten von Nullzinsen hat sie die Liquiditätspolster so gestärkt, dass jetzt problemlos alle Verpflichtungen erfüllt werden können, ohne auf die inzwischen erschwerte Beschaffung von externem Kapital angewiesen zu sein.

Egal ob Dividenden, Tilgung auslaufender Anleihen, Investitionen oder Übernahmen: Siemens kann es sich leisten, während andere am Krampfen sind.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm gemanagtes Zertifikat an der Kursentwicklung der Siemens-Aktie. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.

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