General Electric spaltet sich in 3 und Alibaba in 6 – was die Historie dazu sagt

Ein Mann zeichnet einen aufsteigenden Chart auf ein Whiteboard
Foto: Malte Luk via Pexels

Spin-offs und Aufspaltungen sind wieder en vogue. Nach General Electric (WKN: 851144) hat kürzlich auch Alibaba (WKN: A117ME) bekannt gegeben, dass es sich in mehrere eigenständige Einheiten aufspalten möchte. Die Vorteile von Konzernstrukturen scheinen nicht mehr sehr geschätzt zu sein. Stattdessen versprechen Konzernlenker den Aktionären Wertsteigerungen durch Spezialisierung.

Aber hat das in der Vergangenheit auch funktioniert? Ein Blick auf zwei Beispiele sollte uns etwas schlauer machen.

Was General Electric und Alibaba vorhaben

Eine Aufspaltung unterscheidet sich vom Charakter her stark von einer einfachen Abspaltung (Spin-off). Bei Spin-offs werden oft Randbereiche verkauft oder an die Börse gebracht. Der Erfolg der abgegebenen Geschäfte ist daher oft durchwachsen, obwohl das Konzernmanagement sie meist mit den besten Wünschen verabschiedet.

Bei einer echten Aufspaltung hingegen gibt es keinen klaren Hauptkonzern mehr. Vielmehr werden ebenbürtige Einheiten mit einem geschärften Profil geschaffen. Bei General Electric bedeutet dies die Aufteilung in Medizintechnik (GE HealthCare (WKN: A3D3G6)), Luft- und Raumfahrttechnik (GE Aerospace) sowie Lösungen für die Energiewende (GE Vernova).

Einst einer der wertvollsten und hochangesehendsten Konzerne der Welt, ist GE in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend in Ungnade gefallen. Von der Schaffung dreier Einheiten, die jeweils zu den Marktführern gehören, erhofft sich CEO Larry Culp den großen Befreiungsschlag.

Auf der Investorenkonferenz vom März 2023 berichtete das Management von den derzeitigen Anstrengungen, für Aerospace und Vernova separate Verwaltungen aufzubauen.

Alibaba packt das Thema zwar ein bisschen anders an, aber letztlich geht es auch dort darum, mehrere Marktführer zu schaffen, die sich ohne Konzernkorsett agiler bewegen können.

Wie es bei Tyco und DowDuPont lief

Es gibt eine Reihe von historischen Beispielen zu Konzernen, die in mehrere Teile zerschlagen wurden. Die wohl prominenteste Fallstudie aus Deutschland wäre Mannesmann.

Die Aufspaltung von Tyco

Besser vergleichbar mit GE erscheint mir aber der schillernde Elektronikkonzern Tyco, der nach einem steilen Aufstieg bis zur Jahrtausendwende ins Straucheln kam. Im Jahr 2007 wurde dann der langjährige Plan, die Geschäfte rund um Elektrokomponenten, Medizin- und Gebäudetechnik in fokussiertere Einheiten einzubringen, umgesetzt:

  • TE Connectivity (WKN: A0RP04) spielt der breite Trend zu mehr Elektrifizierung in die Karten. Die Eigenständigkeit war dabei sicherlich kein Nachteil: Die Aktie hat sich trotz Rückschlägen während der Finanzkrise und der Pandemie mehr als verdreifacht.
  • Die Medizintechnik wiederum war unter dem Namen Covidien erfolgreich unterwegs, bis sie 2014/2015 von Medtronic (WKN: A14M2J) übernommen wurde. Der 43 Mrd. US-Dollar schwere Deal gilt bis heute als der größte im Medizintechniksektor.
  • Das restliche Geschäft wurde in weitere Einzelteile aufgetrennt. Am bedeutendsten ist dabei sicherlich die Fusion von Johnson Controls (WKN: A2AQCA) und Tycos Sicherheits- sowie Gebäudetechnik im Jahr 2016. Tyco-Aktionäre erhielten 44 % an dem kombinierten Konzern Johnson Controls International. Die Aktie stieg seither unter starken Schwankungen um rund die Hälfte.

Insgesamt ergibt sich also ein sehr positives Bild: In den Jahren der Eigenständigkeit konnten sich die früheren Konzernteile entweder hübsch machen für einen lukrativen Deal oder wie im Fall von TE Connectivity auf eigene Faust Marktchancen ergreifen.

Die Aufspaltung von DowDuPont

DowDuPont war kurzfristig der größte Chemiekonzern der Welt, als Dow Chemical und DuPont im Jahr 2017 fusionierten. Von Anfang an war jedoch geplant, aus komplementären Geschäftsbereichen drei mächtige Einheiten zu formen:

  • Dow Inc. (WKN: A2PFRC) ist ein direkter Konkurrent von Covestro (WKN: 606214). Die Aktie schwankt seit der Abspaltung vor vier Jahren seitwärts.
  • Corteva (WKN: A2PKRR) kam zwei Monate später an die Börse. Als Spezialist für Agrarchemie und Saatgut hat das kombinierte Unternehmen eine gute Entwicklung genommen. Der Aktienkurs verdoppelte sich in etwa seit 2019.
  • Der Rest von DowDuPont, der im Wesentlichen chemische Spezialitäten umfasste, wurde danach in DuPont (WKN: A2PLC7) umbenannt. Wie bei Dow schwankt die Aktie seither seitwärts. Auch wenn wir weiter zurückblicken bis zur Ankündigung des Deals im Jahr 2015, sind keine Kursgewinne zu erkennen.

Hier fällt das Fazit also gemischt aus. Bei den beiden neu geschmiedeten Chemiekonzernen kommen die erhofften Synergien offenbar noch nicht so zum Tragen, wie erhofft.

Aktionäre profitieren nicht immer

Unternehmenslenker zeigen sich immer begeistert von ihren Umbauplänen. Aber was auf Powerpoint-Folien plausibel und wertschöpfend aussieht, könnte in der harten Realität zur Belastung für die Renditen der Aktionäre werden. Schließlich sind mit der Verselbstständigung hohe Kosten und Reibungsverluste verbunden.

Außerdem sind die stärker spezialisierten Einheiten in der Regel höheren Risiken ausgesetzt, da sich ihre Kundenbasis verengt und etwaige Verluste nicht mehr im Konzernverbund ausgeglichen werden. Von daher ist es folgerichtig, dass die neu geschaffenen Unternehmen häufig die Flucht nach vorn suchen, um sich zusammen mit einem Mitbewerber wieder auf eine breitere Basis zu stellen.

Das ist bei Tyco ausgezeichnet gelungen. Bei DowDuPont hingegen lässt sich noch kein eindeutiges Fazit ziehen. Ob der zurückkehrende Optimismus bei GE, der die Aktie seit Oktober verdoppeln ließ, gerechtfertigt ist, wird sich daher noch zeigen müssen. Dies gilt noch viel mehr für Alibaba, dessen Aufspaltungspläne noch ganz am Anfang stehen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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