Eigenkapitalforum 2023: Unsere Top-Aktien

Finanzen, Bank, Bankgeschäfte.
Foto: Credit Commerce auf Pixabay

Auf der Suche nach Top-Aktien aus dem deutschsprachigen Raum besuchten wir vom 27.11.2023 bis zum 29.11.2023 das Eigenkapitalforum 2023 in Frankfurt am Main. Ein Teil unseres Analystenteams für die DACH-Region war live vor Ort, um drei Tage lang Präsentationen verschiedener Unternehmen zu besuchen und mit dem Management zu reden.

Florian König: CEWE Stiftung

Das Eigenkapitalforum ist mein persönliches vorweihnachtliches Highlight ‒ apropos Weihnachten: CEWE Stiftung (WKN: 540390) ist mein Favorit der Investorenkonferenz.

Nicht nur, weil meine Familie gerade fleißig Fotobücher für Heiligabend bei CEWE bestellt, sondern auch, weil der Fotobuchhersteller vor Weihnachten quasi Monopolist ist. Er hat die Wertschöpfungskette im Griff und kann auch kurz vor Weihnachten garantiert liefern. Fotobücher sind beliebt und der Konsument ist im Weihnachtsgeschäft nicht preissensibel. Das ermöglicht CEWE gute Margen und Renditen.

Ein Wachstumshemmnis ist der hohe Zeitaufwand für die Erstellung der Bücher, der mit KI-Unterstützung deutlich reduziert werden soll. Schon jetzt ist es möglich, komprimierte WhatsApp-Bilder wieder deutlich zu vergrößern und aus einem Video die drei schönsten Bilder von der CEWE-Software auswählen zu lassen.

Vom profitablen Wachstum profitieren auch die Aktionäre durch weitere Aktienrückkäufe mit intelligenter Logik: Bei fallenden Kursen werden mehr Aktien gekauft, bei steigenden Kursen werden die Käufe reduziert.

Wenn die KI-Unterstützung gut funktioniert, könnte CEWE auch bald zum Dividendenaristokraten aufsteigen, denn das Unternehmen hat seine Dividende bereits 14 Jahre in Folge erhöht. Alles in allem ist CEWE gut aufgestellt, um seinen Aktionären steigende Kurse und Dividenden zu bescheren.

Florian König besitzt keine Aktien von CEWE.


 Caio Reimertshofer: Fraport

Als besonders interessant empfand ich auf dem Eigenkapitalforum 2023 die Präsentation von Fraport (WKN: 577330). Das Unternehmen ist vornehmlich für den Betrieb des Frankfurter Flughafens bekannt. Doch auch in einigen anderen Ländern ist Fraport erfolgreich aktiv, wie zum Beispiel in Griechenland und Lima.

Apropos Lima: Hier baut Fraport gegenwärtig den Flughafen aus. Ebenso erweitert das Unternehmen den Frankfurter Flughafen um das dritte Terminal, wo die Baumaßnahmen laut Vorstandschaft voll im Plan liegen. Abgesehen von neuen Baumaßnahmen investiert die Gesellschaft auch viel in Modernisierung. Die Renovierungen nutzt Fraport clever, um gleichzeitig in bestimmten Flughäfen die Flächen hinter der Sicherheitskontrolle zu vergrößern. Dadurch lassen sich nämlich größere Ladenflächen erschließen, wodurch sich ein höheres Umsatzpotenzial ergibt.

Momentan wird die Cashflow-Rechnung von ebendiesen hohen Investitionsausgaben belastet. Mittel- und langfristig, so macht es den Anschein, werden die ganz großen Investitionen aufgrund von erreichten Wunschkapazitäten abnehmen.

Sobald dieser Fall eintritt, dürfte sich der freie Cashflow sehr zugunsten der Aktionäre entwickeln. Infolgedessen könnten langfristig orientierte Investoren von steigenden Aktienkursen und Dividendenerhöhungen profitieren.

Caio Reimertshofer besitzt keine Aktien von Fraport.


Peter Roegner: Mutares

Die Aktie, die mir in Frankfurt am besten gefallen hat, ist die von der Beteiligungsgesellschaft Mutares SE & Co. KGaA (WKN: A2NB65). Firmengründer und CEO Robin Laik, dem heute noch rund ein Viertel aller Aktien gehört, hat mit einem engagierten Vortrag gezeigt, dass er für sein Unternehmen brennt und seine Interessen mit denen der Kleinaktionäre übereinstimmen.

Das Geschäftsmodell von Mutares ist es, Tochtergesellschaften großer Konzerne oder von Staaten zu kaufen, und zwar immer zu 100 %. Voraussetzung ist, dass es diesen Tochtergesellschaften schlecht geht, also Sanierungsbedarf besteht. Mutares bekommt dann häufig noch Geld mit, statt für den Kauf zu zahlen – das ist für den Verkäufer in der Regel günstiger, als die notleidende Tochter zu behalten.

Mutares saniert anschließend die Unternehmen mit eigenen Beratern, wofür die gekaufte Tochter mit den entsprechenden Honoraren bezahlt; die Münchner verdienen also von Tag 1 an Geld.

Nach etwa vier Jahren soll der Verkauf der dann sanierten Tochter erfolgen.

Dieses Geschäftsmodell funktioniert allerdings nur mit einem guten Ruf. Es ist daher das Ziel von Mutares – vergleichbar mit Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2), der Investmentholding von Warren Buffett –, dass verkaufswillige Konzerne und Staaten zuerst an die Münchner denken, wenn sie Töchter in Schwierigkeiten haben.

Die Beteiligungen von Mutares kommen aus den Branchen Automotive & Mobility, Technology & Engineering, Goods & Services sowie Retail & Food. In den ersten neun Monaten 2023 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 3,4 Mrd. Euro und ein angepasstes operatives Ergebnis EBITDA von 19,4 Mio. Euro.

Die Aktie befindet sich nahe ihres Allzeithochs. Weitere Kursfantasie ergibt sich jedoch daraus, dass Mutares bis 2028 Umsatz, Gewinn sowie die Zahl der eigenen Consultants verdoppeln möchte. Zusätzlich streben die Münchner eine jährliche Mindestdividende von 2 Euro pro Aktie an.

Für mich klingt das nach dem perfekten Rezept für ein erfolgreiches langfristiges Aktienengagement.

Peter Roegner besitzt Aktien von Berkshire Hathaway (B-Shares). Von Peter betreute Depots besitzen Aktien von Berkshire Hathaway (B-Shares).


Sven Vogel: Bastei Lübbe

Auf dem diesjährigen Eigenkapitalforum hatte ich das erste Mal die Gelegenheit, beim Vortrag des deutschen unabhängigen Publikumsverlags Bastei Lübbe (WKN: A1X3YY) dabei zu sein. Unterm Dach des Unternehmens tummeln sich 13 Verlagsmarken (bspw. BAUMHAUS, LYX und QUADRIGA), die in unterschiedlichen Segmenten (bspw. Kinder-/Jugendbuch, Young & New Adult, Belletristik und Sachbuch) Bücher und Audio-Inhalte verlegen.

Das Geschäft funktioniert ganz grundsätzlich so, dass Bastei Lübbe den Autoren Voraushonorare bezahlt und dann auf eigene Rechnung die Bücher verlegt. Zum 30.09.2023 bilanzierte das Unternehmen bspw. 22 Mio. Euro an diesen Vorauszahlungen. Das Geschäftsmodell ähnelt also stark einem Investitionsportfolio, in dem im Hier und Jetzt Geld auf bestimmte Titel gesetzt wird, die dann in Zukunft Renditen versprechen.

Mittlerweile erzielt Bastei Lübbe damit einen Jahresumsatz von knapp über 100 Mio. Euro und schafft EBIT-Margen im Mittel über mehrere Jahre von rund 10 %. Der freie Cashflow fällt dabei allerdings regelmäßig noch etwas höher aus. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 80 Mio. Euro heißt das, man bezahlt derzeit lediglich das 8-Fache des normalisierten EBIT und erhält eine normalisierte Free-Cashflow-Rendite (Free Cashflow geteilt durch die Marktkapitalisierung) von mehr als 12 %.

Das erscheint sehr attraktiv. Zumal Bastei Lübbe deutlich mehr liquide Mittel auf der Aktivseite stehen hat als Finanzverbindlichkeiten auf der Passivseite, und, noch besser, der deutsche Buchmarkt in den letzten Jahren um rund 2 % jährlich gewachsen ist sowie Bastei Lübbe aufgrund der starken Digitalinhalte und der Konzentration auf Bücher für junge Erwachsene (such mal nach dem Schlagwort BookTok auf TikTok) um 7 % wachsen konnte.

Die Präsentation auf dem Eigenkapitalforum hielt übrigens der neue CFO Mathis Gerkensmeyer. Er ist mit Anfang 40 noch recht jung und bringt aus seiner Zeit bei Axel Springer und Runtastic einiges an digitaler Erfahrung mit in das Unternehmen. Noch bin ich kein Bastei-Lübbe-Anteilseigner. Aber mit dieser Präsentation, dem ersten Blick auf die Finanzkennzahlen und der heutigen Bewertung schafft es die Bastei-Lübbe-Aktie zumindest auf meine engere Beobachtungsliste.

Sven Vogel besitzt keine Aktien von Bastei Lübbe.


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