Volkswagen mit Top-Dividende: Doch lohnt sich der Einstieg bei der DAX-High-Yield-Aktie wirklich?

Der elektrische VW-Bully ID.Buzz von Volkswagen fährt auf der Straße
Foto: Volkswagen AG

Wir sind ja gerade mittendrin in der deutschen Dividendensaison. Und für die Aktionäre wird es auch dieses Jahr ein wahrer Geldsegen. Denn alleine die DAX-Unternehmen werden in diesem Jahr Dividenden in Höhe von insgesamt 53,8 Mrd. Euro an die Investoren ausschütten.

Zu den drei DAX-Werten, von denen man dabei die höchsten Gewinnbeteiligungen erhält, zählt 2024 einmal mehr die Aktie von Volkswagen (WKN: 766403). Stolze 7,76 % anfängliche Dividendenrendite erhält man hier aktuell als Neueinsteiger.

Dies klingt für den ersten Moment sicherlich fantastisch. Doch ist ein Engagement in den deutschen Autobauer derzeit wirklich eine gute Idee? Der Antwort auf diese Frage wollen wir deshalb im heutigen Artikel einmal versuchen, etwas näherzukommen.

Schwacher Jahresstart

Man kommt, nachdem man sich die Ergebnisse für das erste Quartal angesehen hat, unweigerlich zu dem Schluss, dass der Volkswagen-Konzern etwas schwächer in das neue Jahr gestartet ist. Aber während man beim Umsatz nur einen leichten Rückgang um 1 % auf 75,5 Mrd. Euro zu verzeichnen hatte, fiel das operative Ergebnis mit 4,6 Mrd. Euro um 20 % geringer aus als im Vorjahresquartal.

Womit Volkswagen zumindest beim operativen Gewinn deutlich unter den Erwartungen der Experten lag. Hier wurde von den Analysten nämlich mit einem Betrag von 4,85 Mrd. Euro gerechnet. Was letztendlich nur einem Rückgang von 16 % entsprochen hätte.

Zu erkennen ist zudem auch, dass die operative Marge um 1,4 Prozentpunkte auf nun 6,1 % abgerutscht ist. Damit lag sie wie vom Volkswagen-Management bereits angekündigt unter den Zielsetzungen für das Gesamtjahr. Und auch hier waren die Analysten deutlich optimistischer und hatten einen Wert von 6,5 % erwartet.

Was waren die Gründe?

Die Erklärungen für das schwache Auftaktquartal lesen sich für mich wie eine Offenbarung. Da ist beispielsweise von einem ungünstigen Verkaufsmix bei Marken und Modellen, höheren Fixkosten und einem gesunkenen Absatzvolumen zu lesen. Weiterhin sollen Lieferengpässe bei Audi sowie die Markteinführung neuer Modelle bei Porsche die Zahlen belastet haben.

Das größte Sorgenkind für Volkswagen bleibt allerdings China. Hier gehen die Einnahmen weiter zurück, weshalb der Autobauer bei den dortigen Gemeinschaftsunternehmen in 2024 nur mit einem anteiligen operativen Gewinn zwischen 1,5 und 2 Mrd. Euro rechnet. Das sind durchaus ernst zu nehmende Nachrichten, da dort die Ergebnisse bereits im vergangenen Jahr um rund ein Fünftel eingebrochen waren.

Unter anderem kommen die ID-Modelle des VW-Konzerns in China nicht besonders gut an. Und hier ist auch nicht unbedingt eine Trendwende in Sicht. Die Stromer von Volkswagen weisen zwar ein nettes Design, aber zu wenig an Innovationen auf. Dagegen sind die Elektrofahrzeuge von BYD (WKN: A0M4W9), Aiways, Geely (WKN: A0CACX), Nio (WKN: A2N4PB) und vor allem der neue SU7 von Xiaomi (WKN: A2JNY1) mit Software vollgepackt und mit einem sich am Kunden orientierenden Infotainment ausgestattet.

Aktie bietet kaum Anreize

Zugegeben, auf ihrem aktuellen Niveau von 116,95 Euro (10.05.2024) erscheint die Volkswagen-Vorzugsaktie derzeit sicherlich günstig. Dafür könnte auch eine Bewertung sprechen, die mit einem KGV von gerade einmal 3,85 in einem sehr niedrigen Bereich angesiedelt ist. Des Weiteren ist die oben bereits erwähnte hohe Dividendenrendite von über 7,5 % bestimmt nicht zu verachten.

Das sehr niedrige KGV könnte meiner Ansicht nach aber eher eine gewisse Vorsicht der Investoren widerspiegeln, die darin begründet liegt, dass sie Volkswagen mittelfristig nicht zutrauen, die Probleme vor allem in China in den Griff zu bekommen. Denn so wie es aussieht, ist man im Moment nicht in der Lage, seine Elektroautos auf das kundenorientierte Niveau der asiatischen Konkurrenz zu bringen.

Trotz allem haben wir es bei Volkswagen aber mit einem großen und bekannten Autokonzern zu tun, der im laufenden Jahr nach Expertenschätzungen über 325 Mrd. Euro Umsatz und ein Nettoergebnis von 15,4 Mrd. Euro erzielen soll. Für mich steht aber außer Frage, dass Volkswagen noch eine ganze Menge Probleme zu bewältigen hat, um langfristige Erfolge zu feiern. Weshalb es die Aktie zumindest bei mir derzeit nicht auf die Watchlist schafft.

15 Bilanzkennzahlen, die dich zu einem besseren Anleger machen

Hohe Inflation, drohende Rezession, wackelnde Banken: Die Liste der Bedrohungen für den Aktienmarkt ist lang. In unsicheren Zeiten wie diesen ist es besonders wichtig, Aktien finanziell gesunder Unternehmen zu halten.

Das nötige Grundwissen und das passende Handwerkszeug erhältst du in unserem exklusiven und kostenlosen Sonderbericht „15 Bilanzkennzahlen, die dich zu einem besseren Anleger machen”.

Klicke hier, um diesen Bericht jetzt gratis herunterzuladen.

Andre Kulpa besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



Das könnte dich auch interessieren ...