„So ein Quatsch” – Diesen 3 Investmentweisheiten stimme ich ganz und gar nicht zu

Eine Schreibmaschine tippt das Wort "Investments"
Foto: Markus Winkler via Pexels

Es gibt unzählige wirklich gute Zitate von Investment-Legenden wie André Kostolany, Peter Lynch und Warren Buffett. Das Beherzigen von Aussagen wie Der Börsenkurs verhält sich zur Wirtschaft wie der Hund zum Spaziergänger. Er läuft voraus, kommt aber immer wieder zurück.“ (Kostolany) oder „Es ist nicht notwendig, außergewöhnliche Dinge zu tun, um außergewöhnliche Resultate zu erzielen.“ (Buffett) haben mich als Anleger definitiv positiv beeinflusst. Auf der anderen Seite gibt es jedoch einige Zitate, die immer wieder angeführt werden, in meinen Augen aber eher schädlich für erfolgreiches langfristiges Investieren sind.

Kostolanys Straßenbahn-Vergleich

„Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nie nachlaufen. Nur Geduld: Die nächste kommt mit Sicherheit!“ Dieses Zitat von André Kostolany wird in Foren zur Aktienanlage besonders gerne angeführt, wenn jemand fragt, ob eine Aktie, die in der Vergangenheit bereits gut gestiegen ist, jetzt noch attraktiv sei. Die pauschale Antwort lautet dann oft „Nein“, da die Aktie ja schon gut gestiegen ist. Man sollte ihr nicht nachlaufen, sondern auf die nächste Gelegenheit warten.

Natürlich gibt es Fälle, in denen das ein guter Ratschlag ist. Zum Beispiel bei dem extremen, nicht fundamental begründeten Kursanstieg von GameStop in den letzten Wochen. Doch gerade bei operativ gut laufenden Unternehmen lohnt es sich meiner Meinung nach durchaus der Aktie nachzulaufen. Denn nur weil die Aktie in der Vergangenheit gut gestiegen ist und auf den ersten Blick vielleicht hoch bewertet erscheint, heißt das nicht, dass sie sich nicht weiter steigen kann. Im Gegenteil: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen, die sich bisher gut entwickelt haben sich auch oft in der Zukunft gut entwickeln. Winners keep on winning.

Meine besten Investments sind genau diese Art von Aktien – Apple, Axon Enterprise, CrowdStrike, Microsoft, Nvidia, usw. Hätte ich auf Kostolanys Straßenbahn-Vergleich gehört, würde ich hier immer noch an der Seite stehen und auf die „nächste Nvidia“ warten, statt vor einigen Jahren bei der echten Nvidia noch aufgesprungen zu sein.

Peter Lynch und Idioten-CEOs

Peter Lynch ist einer meiner Lieblings-Investoren. Von ihm stammen nicht nur viele tolle Zitate, er hat auch als Investor Beeindruckendes geleistet. Denn er erzielte als Manager des Fidelity Magellan Fonds über einen Zeitraum von 13 Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von unglaublichen 29 %. Mit folgendem Zitat liegt er meiner Meinung nach dennoch ziemlich daneben: „Investieren Sie in ein Unternehmen, das jeder Idiot leiten kann – denn früher oder später wird genau das passieren.“

Wenn man das so liest, könnte man meinen, dass der CEO eines Unternehmens nicht so entscheidend für ein erfolgreiches Investment sei. Dem widerspreche ich vehement. Ich bin überzeugt, dass sich auch das beste Unternehmen schlecht entwickeln würde, wenn man einen schlechten Manager an die Spitze setzen würde. Als Paradebeispiel gilt mir Microsoft. Unter dem vorherigen CEO Steve Ballmer dümpelte der Konzern so vor sich hin, auch der Aktienkurs stagnierte. Seitdem Satya Nadella vor zehn Jahren das Ruder übernahm, entwickelte sich das Unternehmen hingegen extrem gut. Der Aktienkurs stieg um mehr als 1.000 %.

Bei der Analyse interessanter Aktien lege ich also einen hohen Fokus auf den CEO. Sollten zum Beispiel der Gründer und CEO Jensen Huang bei Nvidia oder George Kurtz bei CrowdStrike zurücktreten, müsste ich meine Investmentthese überdenken. Auf einen Idioten möchte ich nicht warten.

Warren Buffets widersprüchlicher Rat zur Diversifikation

Über die Jahrzehnte sind unzählige, clevere Investmentweisheiten von Warren Buffett zusammengekommen. Das folgende Zitat fällt meiner Meinung nach jedoch aus der Reihe: „Diversifikation schützt einen, wenn man nicht weiß, was man tut. Für diejenigen, die wissen, was sie tun, ergibt sie wenig Sinn.“

Wenn man das so liest und sich dann das Unternehmensportfolio von Warren Buffets Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway anschaut, muss man zu dem Schluss kommen, dass Buffet offensichtlich nicht weiß, was er tut. Schließlich ist Berkshire an rund 40 börsennotierten Unternehmen beteiligt. Hinzu kommen noch Dutzende Unternehmen die Berkshire zu 100 % besitzt – wie den Batteriekonzern Duracell, den Auto-Versicherer GEICO oder die zweitgrößte US-Eisenbahngesellschaft BNSF.

Das ist Diversifikation pur. Selbst die mit Abstand größte Beteiligung von Berkshire – Apple – machte zuletzt mit einem Buchwert von rund 135 Mrd. US-Dollar „nur“ rund 14 % des Unternehmenswerts von Berkshire Hathaway aus. Auch bei neuen Investments streut Buffett – im ersten Quartal 2024 kaufte Berkshire zum Beispiel Aktien von Chubb Limited, Liberty SiriusXM und Occidental Petroleum.

Das macht meiner Meinung nach viel Sinn. Schließlich kann man sich bezüglich einer zukünftigen Unternehmens- und Aktienentwicklung nie sicher sein. Schwer vorhersehbare Themen wie erfolgreiche Cyberattacken, Kriege, Pandemien, der Ausfall von Top-Managern oder Bilanzbetrug können uns Anlegern schnell einen Strich durch die auf dem Papier perfekte Rechnung machen. Diversifikation schützt einen in solchen Fällen – ohne Wenn und Aber.

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Hendrik Vanheiden besitzt Aktien von Apple, Axon Enterprise, CrowdStrike, Microsoft und Nvidia. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Apple, Axon Enterprise, Berkshire Hathaway, CrowdStrike, Microsoft und Nvidia.



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