IPD Group: Dieser Kurssprung ist nicht nachhaltig

Ein kleines Kartenhaus aus fünf Spielkarten
Foto: ptra via Pixabay

Es ist ja nicht so, dass wir bei der Aktienwelt360 etwas gegen steigende Aktienkurse hätten, aber den Sprung von 15 %, den die Aktie der IPD Group (WKN: A3D13K) nach der Vorlage des Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 24/25 (30. Juni) machte, sollten wir uns schon genauer ansehen. Denn wir sehen gleich mehrere Gründe, warum wir diesen Sprung die IPD Group-Aktie nicht für nachhaltig befinden.

Vielleicht war es aber auch Erleichterung, dass beim australischen Anbieter von Elektronikprodukten und -zubehör alles nicht so schlimm gekommen ist. Wenn wir uns an die zwischenzeitlichen Updates erinnern, war das Jahr ja nicht so richtig gut gelaufen. Da sieht eine Umsatzsteigerung von 22,1 % auf 354,7 Mio. Austral-Dollar natürlich blendend aus. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass nahezu der gesamte Zuwachs auf die Übernahmen von EX Engineering und CMI Operations zurückzuführen ist. Betrachtet man die „Pro-forma-Zahlen“, so beträgt die Steigerung beim Umsatz nur noch 1,2 %. Mit der Betrachtung „Pro forma“ wird so gerechnet, als seien EX und CMI schon immer Teil der Gruppe gewesen.

Der Blick hinter die Kulissen

Besonders stark waren die zwei schon genannten übernommenen Bereiche, deren Umsatz über den Erwartungen lag. Aber auch das Infrastruktursegment – und hier besonders Rechenzentren sowie Frisch- und Abwasser – brachte starke Ergebnisse. Der Umsatz im Bereich Rechenzentren stieg gegenüber dem Vorjahr um 33 % und macht nun 16 % des Konzernumsatzes aus.

Nicht so gut lief es hingegen im Bausektor bei Addelec (Rundum-Service für Elektronik), wo der Umsatz um 12,8 % zurückging. Verantwortlich dafür ist das Projektgeschäft mit größeren und komplexeren Aufträgen. Diese haben in der Regel längere Vorlaufzeiten und weniger Sicherheit in Bezug auf den Lieferzeitpunkt. Dies hat dazu geführt, dass ein Teil der Aufträge, die früher bereits als Umsatz in Rechnung gestellt worden wären, jetzt im Auftragsbestand von IPD verbleiben.

Der Bereich CMI Cables, der vor allem gewerbliche Bauprojekte beliefert, litt unter der schlechten Baukonjunktur und erzielte 10,2 % weniger Umsatz. Und wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu: Ein Großauftrag, der im Juli (statt vor dem 30. Juni) realisiert wurde, trug mit zu diesem Ergebnis bei.

Aktienwelt360 Aktienkompass

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Die Übernahme von CMI brachte neben einem höheren Umsatz auch niedrigere Margen mit sich. Die Bruttomarge für 24/25 betrug 34,2 %, die Pro-forma-Marge 23/24 lag noch bei 35,4 %. Den Rückgang begründet IPD mit dem Übergang vom täglichen Handel zu größeren, komplexeren und wettbewerbsintensiveren Aufträgen.

IPD Group-Aktie: Gemischte Gewinnentwicklung

Das operative Ergebnis EBIT lag mit 39,2 Mio. Austral-Dollar 8,4 % unter dem Pro-forma-Wert des Vorjahres von 42,8 Mio. Austral-Dollar. Allerdings traf IPD damit das obere Ende der im Mai aktualisierten Gewinnspanne. Ohne Pro-forma-Betrachtung legte das EBIT um 18,4 % zu.

Unterm Strich steht ein Gewinn von 26,2 Mio. Austral-Dollar oder 25,3 Cent je IPD Group-Aktie. Das sind 17 % mehr als im Vorjahr; bei einer Pro-forma-Betrachtung wären es allerdings 6,8 % weniger.

Der Rückgang spiegelt die herausfordernde wirtschaftliche Situation in Australien wider, aber auch die Kosten für die Integration von EX und CMI sowie für die Eröffnung neuer Büros in Brisbane und Melbourne. Die Dividende wurde um 16,7 % auf 12,6 Cent je IPD Group-Aktie angehoben.

IPD erzielte einen freien Cashflow von 37,4 Mio. Austral-Dollar, nachdem der Vorjahreswert durch die Übernahmen deutlich negativ gewesen war. 20 Mio. Austral-Dollar nutzte IPD zur Rückführung von Krediten und verfügte per 30. Juni über eine Netto-Cash-Position von 9,8 Mio. Austral-Dollar nach einer Nettoverschuldung von 8,8 Mio. Austral-Dollar vor einem Jahr. Der Cashbestand betrug 20,9 Mio. Austral-Dollar.

Was das Unternehmen jetzt macht

CEO Michael Sainsbury ist für das laufende Geschäftsjahr ziemlich optimistisch. Mit einer Kombination aus organischem Wachstum und Übernahmen soll das Geschäft weiter wachsen. IPD möchte in neue Märkte expandieren und führe derzeit zahlreiche Gespräche mit vielen neuen Anbietern über die Erweiterung des Portfolios. Aber auch weitere Übernahmen seien immer ein Thema, um Gewinn, Marktanteil und Reichweite zu steigern.

Das normale Tagesgeschäft soll effizienter werden und Skaleneffekte nutzen. Sainsbury rechnet fest mit einer Fortsetzung „der starken Ergebnisse“, ohne jedoch einen konkreten Ausblick zu geben.

Unsere Meinung zur IPD Group-Aktie

Ja, die Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis sind schon nicht schlecht. Wir müssen aber berücksichtigen, dass diese akquisitionsbedingt – also praktisch zugekauft – sind. Auf bereinigter Basis steht ein Umsatzrückgang zu Buche. Der Ausblick des CEO, der sich zwar toll anhörte und auch einige Buzzwords enthielt, blieb letztlich ohne Substanz. Dafür ist uns ein Kurssprung von 15 % zu viel. Es kommt jetzt darauf an, im laufenden Geschäftsjahr die konjunkturelle Schwäche zu überwinden, die Zukäufe weiter zu integrieren und wieder auf einen Wachstumspfad beim Ergebnis zurückzukehren.

Die größte Chance für die IPD Group-Aktie: Das Produkt- und Dienstleistungsangebot von IPD stellt eine gute Mischung aus neuen und etablierten Technologien dar. Dies verschafft dem Unternehmen einen stetigen Einkommensstrom, auf dem es aufbauen kann, während es gleichzeitig die Möglichkeit hat, durch Übernahmen in innovative neue Technologien zu investieren, etwa Elektromobilität. Langfristig sind wir trotz des Risikos zu teurer Übernahmen vom Unternehmen überzeugt.

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