PayPal: Profiteur von Trumps Zinssenkungs-Plan? Warum BNPL-Alternativen boomen könnten
Wenn Donald Trump etwas ankündigt, dann bewegen sich die Märkte. So auch am 9. Januar 2026, als der US-Präsident auf Truth Social postete, dass Kreditkartenzinsen ab dem 20. Januar für ein Jahr auf maximal 10 % gedeckelt werden sollen. Bei durchschnittlichen Zinssätzen von über 21 % würde dies einer Halbierung entsprechen. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Visa, Mastercard und American Express verloren am Montag zwischen 4 und 6 %, Banktitel wie JPMorgan gerieten ebenfalls unter Druck und die Finanzbranche warnte vor drastischen Konsequenzen.
Während klassische Kreditkartenunternehmen zittern, könnte jedoch ein ganz anderes Geschäftsmodell von dieser Entwicklung profitieren. „Buy now, pay later“, kurz BNPL, funktioniert völlig anders als herkömmliche Kreditkarten und bietet Verbrauchern genau das, was Trump verspricht: eine Finanzierung ohne hohe Zinsen. PayPal (WKN: A14R7U), einer der größten BNPL-Anbieter weltweit, könnte zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, wenn sich der Wind gegen zinsgetriebene Finanzprodukte dreht.
Die Trump-Zinsobergrenze: Kampfansage an die Kreditkartenbranche
Trumps Plan ist einfach formuliert, aber schwer umsetzbar. Ab dem 20. Januar 2026 sollen die Zinsen für Kreditkarten für ein Jahr bei höchstens 10 % liegen. Das klingt gut für überschuldete Amerikaner, von denen viele von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck leben und durchschnittlich 21,5 % Zinsen auf ihre Kartenschulden zahlen. Die USA haben mittlerweile 1,23 Bio. US-Dollar an Kreditkartenschulden angehäuft. Das ist ein Rekord seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1999.
Allerdings ist völlig unklar, wie Trump diesen Plan durchsetzen will. Eine Executive Order allein reicht nicht, dafür bräuchte es den Kongress. Frühere überparteiliche Vorstöße von Bernie Sanders, Josh Hawley oder Alexandria Ocasio-Cortez scheiterten allesamt an der mächtigen Finanzlobby. Banken warnten bereits, dass eine Zinsobergrenze zu massiven Kreditkürzungen führen würde, besonders für Kunden mit schlechterer Bonität. Eine Studie der Electronic Payments Coalition behauptet sogar, dass 175 Mio. Amerikaner ihre Kreditkartenkonten verlieren könnten.
Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Zinsdeckel tatsächlich in dieser Form kommt, ist also gering. Doch allein die Drohung reicht aus, um die Branche nervös zu machen und Verbraucher nach Alternativen suchen zu lassen. Genau hier kommt „Buy now, pay later“ ins Spiel.
BNPL: Das zinsfreie Gegenstück zur Kreditkarte
Buy now, pay later funktioniert grundlegend anders als eine Kreditkarte. Anstatt einen revolvierenden Kredit mit monatlichen Mindestzahlungen und hohen Zinsen anzubieten, wird der Kaufbetrag bei BNPL in feste Raten aufgeteilt, die über einen kurzen Zeitraum abbezahlt werden. PayPals Hauptprodukt „Pay in 4“ beispielsweise zerlegt Käufe zwischen 30 und 1.500 US-Dollar in vier zinsfreie Raten über einen Zeitraum von sechs Wochen. Es gibt keine versteckten Gebühren oder Zinseszinsen, sondern einfach nur vier gleiche Zahlungen.
Für längere Finanzierungen bietet PayPal auch „Pay Monthly“ an. Dabei werden Käufe zwischen 49 und 10.000 US-Dollar über drei bis 24 Monate verteilt. Hier fallen Zinsen an, die mit APRs zwischen 10 und 36 % jedoch oft noch unter den üblichen Kreditkartenzinsen liegen, besonders für Kunden mit durchschnittlicher Bonität. Der entscheidende Unterschied: BNPL ist transparent, der Betrag steht von Anfang an fest und es gibt keine bösen Überraschungen durch variable Zinssätze.
Im dritten Quartal 2025 wuchs PayPals BNPL-Geschäft um über 20 % gegenüber dem Vorjahr, sowohl beim Transaktionsvolumen als auch bei den monatlich aktiven Nutzern. Für das Gesamtjahr 2025 wird PayPal voraussichtlich ein BNPL-Transaktionsvolumen von knapp 40 Mrd. US-Dollar verarbeiten, nachdem es 2024 weltweit bereits 33 Mrd. US-Dollar waren. Das sind gewaltige Summen, die die starke Nachfrage nach zinsgünstigen Finanzierungsalternativen zeigen.
Warum BNPL bei PayPal auch ohne Trump-Cap boomen wird
Die Attraktivität von BNPL liegt nicht nur in den (vergleichsweise) niedrigen oder fehlenden Zinsen, sondern auch in der psychologischen Wirkung auf Konsumenten. Laut PayPal ist der durchschnittliche Bestellwert, wenn jemand mit BNPL einkauft, mehr als 80 % höher als bei normalen Kartenzahlungen. Das liegt daran, dass Menschen bei kleineren monatlichen Raten eher bereit sind, mehr auszugeben, als wenn ihnen der Gesamtbetrag sofort angezeigt wird.
Für Händler ist BNPL deshalb ein Verkaufsturbo. Höhere Warenkörbe, weniger Kaufabbrüche, mehr Konversionen. PayPal integriert BNPL nahtlos in sein Ökosystem. Das bedeutet für Händler: keinen zusätzlichen technischen Aufwand, keine neuen Verträge mit BNPL-Spezialisten wie Klarna oder Affirm. Das alles läuft über die bestehende PayPal-Integration. Wenn man mich fragt, ist das ein enormer Wettbewerbsvorteil.
In den letzten Monaten hat PayPal strategische Schritte unternommen, um sein BNPL-Geschäft weiter zu skalieren. So unterzeichnete das Unternehmen im September 2025 einen Zweijahresvertrag mit Blue Owl Capital, bei dem Fonds des alternativen Vermögensverwalters rund 7 Mrd. US-Dollar an BNPL-Forderungen aus dem US-Geschäft von PayPal kaufen. Dadurch wird PayPals Bilanz entlastet und das Unternehmen erhält mehr Spielraum, um in Wachstum und Innovation zu investieren, während es weiterhin alle kundennahen Aktivitäten wie Underwriting und Servicing behält.
Im Oktober 2025 startete PayPal eine aggressive Kampagne: 5 % Cashback auf alle BNPL-Käufe bis Jahresende. Gleichzeitig wurde „Pay Monthly” auch für Instore-Käufe verfügbar gemacht, wodurch BNPL den Sprung vom reinen Online-Bereich in den stationären Handel schafft. Dadurch erweitern sich die Nutzungsmöglichkeiten massiv, denn Verbraucher können nun überall, wo Mastercard, Apple Pay oder Google Pay akzeptiert werden, auf BNPL zugreifen.
Die Expansion: Kanada, Europa und die Zukunft
PayPal baut BNPL international aus. So wurde Kanada neu erschlossen und in Italien und Spanien wurden die Zahlungstermine auf bis zu 24 Raten ausgeweitet. CEO Alex Chriss kündigte an, BNPL in weitere Länder zu bringen und das Produkt stärker in das Marketing zu integrieren. Bisher mussten Kunden die Option oft erst in ihrem PayPal-Wallet entdecken, nachdem sie einen Kauf getätigt hatten. Nun wird BNPL bereits zu Beginn der Shopping-Journey präsentiert, um Kunden frühzeitig auf die Finanzierungsmöglichkeit aufmerksam zu machen.
Der globale BNPL-Markt wird im Jahr 2025 voraussichtlich ein Volumen von 560 Mrd. US-Dollar erreichen, was einem Plus von 13,7 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Nutzerzahlen werden von 360 Mio. im Jahr 2022 auf voraussichtlich über 900 Mio. bis 2027 steigen, was einem Wachstum von 157 % in nur fünf Jahren entspricht. BNPL ist kein Nischenprodukt mehr, sondern wird zur Mainstream-Zahlungsmethode. Besonders bei jüngeren Verbrauchern, die Kreditkarten skeptisch gegenüberstehen und lieber cashflowbasiert planen.
Natürlich gibt es auch Risiken. Studien zeigen, dass 34 bis 41 % der BNPL-Nutzer in den letzten zwölf Monaten Zahlungen verpasst haben. Bei der Generation Z liegt diese Quote sogar bei 51 %. Kritiker warnen vor einer neuen Schuldenfalle, insbesondere wenn Menschen mehrere BNPL-Anbieter gleichzeitig nutzen und den Überblick verlieren. Regulierungsbehörden in Europa und den USA diskutieren bereits strengere Regeln für Offenlegung und Bonitätsprüfungen.
PayPal scheint sich dieser Risiken bewusst zu sein. Die Rückzahlungsraten sind solide: 96 % der Raten werden pünktlich bezahlt und 98 % der Nutzer vermeiden verspätete Zahlungen. Dies deutet darauf hin, dass der Underwriting-Prozess von PayPal funktioniert und risikobehaftete Kunden herausgefiltert werden. Zudem lagert PayPal mit dem Blue-Owl-Deal einen Teil des Kreditrisikos aus, was die Bilanz schützt.
BNPL als strategischer Wachstumstreiber für PayPal
Ob Trumps Zinscap für Kreditkarten tatsächlich kommt, ist unsicher. Doch allein die Debatte rückt ein wichtiges Thema in den Fokus. Amerikanische Verbraucher sind hoch verschuldet, die Zinsen sind hoch und viele suchen nach Alternativen. BNPL bietet genau das: transparente, planbare und oft zinsfreie Zahlungen. PayPal ist perfekt positioniert, um von diesem Trend zu profitieren.
Mit einem prognostizierten BNPL-Transaktionsvolumen von über 20 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025, einer Wachstumsrate von mehr als 20 % und der Integration in ein Ökosystem mit über 400 Mio. aktiven Nutzern hat PayPal einen massiven Wettbewerbsvorteil gegenüber reinen BNPL-Anbietern wie Klarna oder Affirm. Die internationale Expansion läuft, die Bilanz ist durch den Blue-Owl-Deal entlastet und die 5-Prozent-Cashback-Kampagne zeigt, dass PayPal aggressiv um Marktanteile kämpft.
Für Anleger, die an das langfristige Wachstum von BNPL glauben und ein etabliertes Unternehmen mit breiter Aufstellung suchen, könnte PayPal im Jahr 2026 einen Blick wert sein. Vor allem bei der historisch günstigen Bewertung der PayPal-Aktie.
Ob Trump die Kreditkartenzinsen deckeln wird oder nicht, ist zweitrangig. Nicht, weil es keine Rolle spielt, sondern weil der strukturelle Wandel hin zu transparenteren und verbraucherfreundlicheren Finanzierungsformen aus meiner Sicht unaufhaltsam scheint.
Der einzige Börsenausblick, den du für 2026 lesen musst
2025 war ein verrücktes Börsenjahr. Viel wurde vom nächsten Crash gesprochen, doch passiert ist letztlich wenig.
In unserem kostenlosen Sonderbericht blicken unsere Analysten hinter die Kulissen, ordnen die großen Trends ein und zeigen dir, mit welchem eindeutigem Kriterium du auch 2026 die besten Aktien erkennen wirst.
Caio Reimertshofer besitzt Aktien von Apple, PayPal Holdings und Visa. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von American Express, Apple, Mastercard, PayPal Holdings und Visa.
