Trump-Cap auf 10 % Kreditkarten-Zinsen: Wer verliert massiv – und wer könnte der große Gewinner werden?
Am 9. Januar 2026 kündigte Donald Trump auf Truth Social an, dass die Zinsen auf Kreditkarten ab dem 20. Januar 2026 für genau ein Jahr auf maximal 10 % gedeckelt werden sollen. Bei aktuellen Durchschnittszinsen von 20 bis 30 % – teilweise sogar deutlich höher – wäre dies für viele Verbraucher eine enorme Entlastung. Gleichzeitig halte ich die Ankündigung für eines der riskantesten politischen Experimente an der Schnittstelle von Konsumkredit und Kapitalmärkten seit Langem.
Meiner Meinung nach ist das Thema weit mehr als nur ein populistischer Zug. Es geht um die Frage, ob ein massiver Eingriff in die Preisgestaltung von Konsumkrediten die gewünschte Wirkung entfaltet oder am Ende genau die Menschen trifft, die er schützen soll. Zudem stellt sich die Frage, ob bestimmte Geschäftsmodelle in der Zahlungsbranche dadurch dauerhaft benachteiligt oder sogar gestärkt werden. Aus Investorensicht ergibt sich eine relativ klare Gewinner-Verlierer-Struktur, die ich in den nächsten Absätzen begründen möchte.
Realistische Umsetzungschancen der Ankündigung
Bisher hat US-Präsident Trump keinerlei konkreten Fahrplan vorgelegt. Eine Executive Order allein wird das nicht stemmen können, denn die Regulierungshoheit liegt beim Kongress und bei den Aufsichtsbehörden. Zwar gab es bereits mehrere überparteiliche Vorstöße (Sanders/Hawley, AOC/Luna), doch alle sind bisher kläglich gescheitert. Die Finanzlobby ist stark, die Bankenlobby noch stärker.
Meine persönliche Einschätzung: Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Cap in der angekündigten Form tatsächlich so schnell und überhaupt so kommt, dürfte eher gering ausfallen. Dennoch reicht die bloße Drohung aus, um den Sektor in Bewegung zu versetzen. Unabhängig von der Durchsetzung dieses Vorhabens lohnt es sich also, gängige Unternehmen auf Chancen und Risiken im Zusammenhang mit einem möglichen Cap auf die Zinsen zu überprüfen.
American Express: Ein großer Verlierer?
American Express (WKN: 850226) befindet sich in einer besonders unglücklichen Position. Das Unternehmen verdient nicht nur am Netzwerk, sondern vor allem an den Zinsen auf offene Salden – insbesondere im hochpreisigen Segment mit hohen Limits und solventen, jedoch nicht immer tilgungsfreudigen Kunden. Eine harte Begrenzung auf 10 % würde sich direkt und brutal in der Ertragsrechnung niederschlagen.
Ich erwarte in einem solchen Szenario eine deutlich strengere Kreditvergabe, sinkende Limits für risikoreichere Profile sowie mit hoher Wahrscheinlichkeit Kürzungen bei Belohnungen oder Erhöhungen der Jahresgebühren. Die Markenstärke und Kundentreue würden nur bedingt helfen; der finanzielle Schaden könnte erheblich ausfallen.
Visa und Mastercard: Als Zahlungsnetzwerke weitgehend immun
Bei Visa (WKN: A0NC7B) und Mastercard (WKN: A0F602) bin ich deutlich entspannter. Beide Unternehmen leben fast ausschließlich von Interchange-Gebühren pro Transaktion. Die Zinsen, die der Endkunde zahlt, spielen in ihrer Gewinn- und Verlustrechnung praktisch keine Rolle. Sollten die Zinsen wirklich sinken, könnte das sogar das Transaktionsvolumen steigern, da mehr Menschen Kredit in Anspruch nehmen und mehr ausgeben würden.
Kurzfristig mag es etwas Nervosität geben, wenn die Emittenten die Limits kürzen. Aber strukturell? Ich halte Visa und Mastercard für eines der robustesten Geschäftsmodelle im gesamten Finanzsektor – auch in diesem Szenario.
PayPal und SoFi könnten profitieren
Werden klassische Kreditkarten plötzlich teurer oder schwieriger zu bekommen, wandern Verbraucher zwangsläufig zu Alternativen ab. Genau darin sehe ich die größten Chancen.
PayPal (WKN: A14R7U) hat mit „Pay in 4“, „Pay Later“ und „Venmo“ ein sehr ausgereiftes BNPL-Ökosystem aufgebaut, das meist außerhalb der klassischen Zinsregulierung operiert. Ein solcher Wandel würde PayPal meiner Meinung nach spürbar Marktanteile und Volumen bescheren – und das in einem ohnehin schon wachsenden Segment.
Noch stärker sehe ich SoFi (WKN: A2QPMG) positioniert. Das Unternehmen wächst aggressiv im digitalen Lending, bei persönlichen Krediten und flexiblen Finanzierungen. Wenn die traditionellen Kreditkartenanbieter aus den risikoreicheren Kundensegmenten zurückweichen, ist SoFi bereit, diese Lücke zu füllen. In diesem Szenario halte ich SoFi für einen der strukturellen Profiteure mit dem höchsten Upside-Potenzial.
Trump-Cap auf Zinsen hin oder her, es bleibt spannend
Die Ankündigung mag für viele Verbraucher verlockend klingen, doch ich bin skeptisch, ob sie in der Praxis die erhoffte Wirkung entfaltet. Für Investoren ergibt sich hingegen ein relativ klares Bild:
- American Express trägt das mit Abstand größte Risiko – hier würde ich aktuell eher vorsichtig sein.
- Visa und Mastercard bleiben für mich defensive Qualitätswerte mit sehr geringer Betroffenheit.
- PayPal und besonders SoFi könnten die stillen Gewinner werden, falls die Diskussion weiter an Fahrt aufnimmt.
Unabhängig davon, ob der Cap kommt oder nicht, zeigt allein die Debatte, wie fragil manche Geschäftsmodelle auf politische Eingriffe reagieren und wie robust andere sind. Mit einer differenzierten Betrachtung kann man als langfristig orientierter Investor aber durchaus attraktive Chancen ausmachen und von solchen politischen Wendungen profitieren.
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Caio Reimertshofer besitzt Aktien von PayPal und Visa. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von American Express, Mastercard, PayPal Holdings und Visa.
