110-%-Bekenntnis zum Unternehmen und zur eigenen Aktie?!

Liebe Aktiensegler,
als unternehmensorientierte Investoren mögen wir es, wenn sich ein CEO zum eigenen Unternehmen und zur eigenen Aktie bekennt. So auch kürzlich, als der neue CEO von Berkshire Hathaway, Greg Abel, erklärte, dass er 100 % seines Nettogehalts in die eigene Aktie stecken wolle.
Gesagt, getan: Kurz nach seinem Brief an die Aktionäre und den Zahlen zum vierten Quartal investierte er 15,3 Mio. US-Dollar in Berkshire Hathaway. Er sagte, dass er das von nun an jedes Jahr tun werde. Zugleich hoffe er, dass er noch 20 Jahre im Chefsessel von Berkshire Hathaway sitzen werde. So würden Hunderte Millionen US-Dollar in die von ihm gelenkte Beteiligungsgesellschaft fließen. Das habe er mit Warren Buffett als faktischem Berater besprochen, der ihm attestierte: Das ist so bei Berkshire.
Wenn wir bedenken, dass Greg Abel selbst für Haus, Hof, Essen, Kids und was auch immer bezahlen muss, so könnten wir zunächst denken: Wow, das ist ja ein 110%iges Bekenntnis zum eigenen Unternehmen und zur eigenen Aktie. Es handelt sich dabei aber auch um ein gutes Beispiel dafür, dass wir den Kontext berücksichtigen müssen.
Greg Abel bekennt sich spät zum eigenen Unternehmen und zur Aktie!
Wenn wir ein wenig tiefer eintauchen, so erkennen wir durchaus eine differenzierte Handhabung der eigenen Aktie und des eigenen Unternehmens bei Greg Abel. Zudem handelt es sich bei Abel gewiss nicht um einen armen Mann. Sein Nettovermögen wird auf eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Vor allem auch, weil er im Jahre 2022 seinen 1-%-Anteil an der Tochtergesellschaft Berkshire Hathaway Energy für 870 Mio. US-Dollar an den Mutterkonzern verkauft hat. Durch den Deal wurde er zum Milliardär. Gleichwohl wurde damals Kritik laut, dass Abel mehr Skin in the Game bei Berkshire Hathaway haben sollte. Dort war er „lediglich“ mit 3 Mio. US-Dollar investiert, so berichtete beispielsweise Yahoo Finance zu der Zeit.
Es mag sich ein wenig gewandelt haben. Denn Greg Abel baute sich in den letzten Jahren ein Aktienpaket von ziemlich genau 249 A-Aktien des eigenen Konglomerats auf. Das bedeutet, dass er 187 Mio. US-Dollar als Skin in the Game vorweisen kann. Dennoch hält er, gemessen an seinem kolportierten Gesamtvermögen, nicht einmal 20 % in der eigenen Aktie. Ein 110%iges Bekenntnis zum eigenen Unternehmen und zur eigenen Aktie? Hm. Entscheide selbst.
Auch wenn es durchaus bemerkenswert und löblich ist, dass Greg Abel die nächsten zwei Jahrzehnte bloß für die eigene Aktie arbeiten will, so erkennen wir doch ein anderes Setting. Er ist kein Warren Buffett, der zu über 99,9 % mit Berkshire Hathaway verbunden war. Das sehen wir auch an seinem Gehalt von ca. 25 Mio. US-Dollar, das deutlich über dem von Warren Buffett von 100.000 US-Dollar pro Jahr lag. Um es daher kurz zu machen: Warren Buffett hatte eher das 100-%-Bekenntnis als Multi-Milliardär. Vielleicht sogar ein 101-%-Bekenntnis, wenn wir noch seine Bereitschaft zu einem niedrigen Gehalt betrachten.
Starke Symbolpolitik und ein faires Commitment!
Um Abel gegenüber jedoch fair zu bleiben: Es ist zweifellos schwierig, in die Fußstapfen von Warren Buffett zu treten. Seine Bereitschaft und seine Verknüpfung mit Berkshire Hathaway sind kaum zu kopieren. Abel hat immerhin schon heute einen dreistelligen Millionenbetrag in die eigene Aktie investiert. Der Betrag könnte in den nächsten 20 Jahren durchaus auf eine halbe Milliarde US-Dollar steigen. Das ist eigentlich mehr, als wir von jedem anderen Durchschnittsunternehmen erwarten können.
Dennoch handelt es sich meiner Meinung nach um etwas Symbolpolitik, um Warren Buffett zu ersetzen und vermutlich Vertrauen bei den neuen Investoren aufzubauen. Wenn wir zu einem Fazit in einem Satz kommen müssten, so wäre es vermutlich Folgendes: Betrachte stets den Kontext. Das Vermögen. Die grundsätzliche Vergütung. In diesem konkreten Fall sehen wir zumindest, dass es sich nicht um ein 110%iges Bekenntnis zum eigenen Unternehmen und zur eigenen Aktie handelt. Wobei das für einen normalen CEO auch nicht zwangsläufig nötig ist.
Auf gute Unternehmer, weitsichtige CEOs und Skin in the Game,
Vincent Uhr
Chefredakteur Aktienwelt360
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Vincent besitzt Aktien von Berkshire Hathaway. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway.
