Aktuell unterbewertet: Nur wenige kennen die kleine Schwester der Berkshire-Aktie

Markel (WKN: 885036) ist eine Versicherungsholding, vergleichbar mit Berkshire Hathaway. Die drei berühmten Säulen – Versicherungen mit ihren stetigen Beitragseinnahmen, die dann in ein Aktienportfolio oder operative Tochtergesellschaften investiert werden – haben Warren Buffett mit Berkshire Hathaway erfolgreich gemacht. Aber auch Markel braucht sich nicht zu verstecken. Laut Management ist nur die Bewertung der Markel-Aktie zu günstig, was sich ändern soll.
Markel-Aktie: Die Versicherungen bleiben der wesentliche Wachstumstreiber
Markel blickt auf ein Quartal der Kontraste zurück. Die operativen Erträge blieben mit 3,6 Mrd. US-Dollar stabil, während das bereinigte operative Ergebnis um 4 % auf 498 Mio. US-Dollar stieg.
Im Kernsegment Markel Insurance kletterte das bereinigte operative Ergebnis sogar um 31 % auf 369 Mio. US-Dollar. Dies war der wesentliche Wachstumstreiber. Ein operatives Highlight ist die Verbesserung der Combined Ratio auf 93 % (im Vorjahr waren es 96 %), was die gesteigerte Underwriting-Disziplin verdeutlicht.
Der Umsatz im Segment Industrial lag mit 883 Mio. US-Dollar 6 % höher als im Vorjahr. Das operative Ergebnis sank jedoch von 58,8 Mio. US-Dollar auf 49,3 Mio. US-Dollar. Bremsfaktoren waren eine zyklische Schwäche im Transportsektor (Lkw-Anhänger) und im Wohnungsbau.
Und weiter?
Im Finanzsegment führte eine Sonderabschreibung in Höhe von 14 Mio. US-Dollar sowie der Wegfall eines Einmaleffekts aus dem Vorjahr zu einem Rückgang des operativen Ergebnisses von 79,6 Mio. US-Dollar auf 36,2 Mio. US-Dollar. Der Umsatz im Segment Consumer & Other blieb mit 281 Mio. US-Dollar stabil, während das operative Ergebnis um 22,7 % auf 39,75 Mio. US-Dollar stieg. Bei ca. 12,5 Mio. ausstehenden Aktien beläuft sich das bereinigte operative Ergebnis je Markel-Aktie auf ca. 39,84 US-Dollar, was einem Anstieg von leicht über 4 % entspricht. Dies ist ein Indikator für die Entwicklung des inneren Werts.
Das Versicherungsgeschäft ist zyklisch. Wir befinden uns in einem gemischten Zyklus. In den USA zeigt sich der Haftpflichtmarkt (Casualty) weiterhin „hart“ mit zweistelligen Preiserhöhungen, die durch die sogenannte „Social Inflation“ (steigende Prozesskosten) getrieben werden. Markel warnt jedoch vor einer Aufweichung: Im Bereich Sachversicherungen (Property) und Cyber sinken die Raten bereits, da der Markt weicher wird und Wettbewerber aggressiver um Geschäft kämpfen. CEO Simon Wilson betonte, dass Markel eher auf Volumen verzichtet, als unrentable Preise zu akzeptieren.
Markel-Aktie: Die Stärke des Geschäftsmodells
Der größte Wettbewerbsvorteil ist und bleibt die „Power of Three“: die Kombination aus einem spezialisierten Versicherer, einem diversifizierten Industrieportfolio (Markel Ventures) und einem Weltklasse-Aktienportfolio. Diese Struktur ermöglicht es Markel, zyklische Dellen in einem Bereich durch Stärke in einem anderen auszugleichen. Dazu kommt der Float. Er ist der „Treibstoff” für Markels Investitionsmaschine. Er ermöglicht es dem Unternehmen, Kapital an den Aktienmärkten und in anderen Unternehmen zu investieren, das ihm rechtlich noch nicht gehört. Für diese Investitionen fallen keine oder sogar negative Zinsen an, da das Versicherungsgeschäft Gewinn erzielen sollte. Dies ist der Motor hinter dem langfristigen Zinseszinseffekt der Markel-Aktie.
Natürlich gibt es auch Risiken im Geschäftsmodell von Markel. Die Zyklizität von Markel Ventures (Bau/Transport) könnte das Ergebnis bei einer länger anhaltenden Rezession drücken. Hinzu kommen neue Marktteilnehmer. Konkurrenten, die durch Private Equity finanziert werden, könnten die Preise im Versicherungsmarkt kurzfristig unter das profitable Niveau drücken. Markel wird sich daran nicht beteiligen und lieber auf Geschäfte verzichten.
Bei der Kapitalallokation folgt Markel einer klaren Hierarchie. Priorität haben Reinvestitionen in bestehende Geschäfte und Akquisitionen. Da externe Gelegenheiten derzeit teuer sind, nutzt Markel die aktuelle Bewertung für aggressive Aktienrückkäufe. Im ersten Quartal wurden 134 Mio. US-Dollar in eigene Aktien (rund 0,6 % der ausstehenden Markel-Aktien) investiert. CEO Tom Gayner stellte klar: „Wenn der Markt die operative Leistung von Markel nicht honoriert, werden wir die überschüssige Liquidität weiterhin nutzen, um die Anzahl der ausstehenden Aktien systematisch zu verringern.” In den letzten fünf Jahren wurde die Anzahl um zehn Prozent reduziert, die nächsten zehn Prozent könnten schneller gehen, deutet Markel an.
Die Markel-Aktie bleibt eine Zinseszins-Maschine
Markel transformiert sich zu einem effizienteren „Business of Businesses“. Die dezentrale Struktur mit 14 Versicherungseinheiten soll Bürokratie abbauen und die Reaktionsgeschwindigkeit erhöhen. Langfristig setzt das Management massiv auf KI, um das Underwriting zu beschleunigen und die Schadenquoten zu senken. Die Vision bleibt unverändert: Ein „Compounding-Vehikel“, das durch diszipliniertes Underwriting und kluge Aktienauswahl langfristig zweistellige Renditen auf das Eigenkapital erwirtschaftet, während der Gewinn auf immer weniger Markel-Aktien verteilt wird.
Die Markel-Aktie erscheint aktuell unterbewertet. Diese Einschätzung des Managements können wir bestätigen. Wir begrüßen auch die Aktienrückkäufe. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt bei 1,2 und damit unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre von 1,4.
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