Wasserstoff-Comeback: Nel ASA & Plug Power explodieren – Ist das der Boden für die Ewigkeit?

Wasserblasen unter Wasser. Im Hintergrund scheint die Sonne durch das Wasser.
Foto: Pixabay via Pexels

Vor vier Jahren beherrschte das Thema Wasserstoff die Börsenwelt. Privatanleger feierten Nel ASA (WKN: A0B733) und Plug Power (WKN: A1JA81) als die kommenden Wachstumswunder.

Doch es folgte ein brutaler Absturz: Kursverluste von 90 % und mehr, Gewinnwarnungen, Going-Concern-Warnungen, sprich Sorgen, ob die Unternehmensfortführung überhaupt möglich ist, und Kapitalerhöhungen fast im Monatsrhythmus.

Viele verbrannten sich die Finger und hakten den Sektor endgültig ab. Doch seit Beginn des Jahres 2026 legen beide Aktien plötzlich wieder kräftig zu. Nel ASA kletterte seit Jahresstart um rund 54 %, Plug Power sogar um rund 68 % (Stand: 20.05.2026, maßgeblich für alle Angaben).

Da drängt sich die Frage auf: Ist dieses Mal wirklich alles anders oder jagen Anleger hier nur wieder einer bloßen Hoffnung hinterher?

Zwei Unternehmen, zwei sehr unterschiedliche Ausgangspositionen

Nel ASA und Plug Power werden oft in einem Atemzug genannt, da beide in der Wasserstoffbranche aktiv sind. Doch hinter dieser Gemeinsamkeit verbergen sich zwei grundlegend verschiedene Geschäftsmodelle.

Nel ASA aus Oslo agiert als reiner Technologielieferant. Das Unternehmen entwickelt und baut Elektrolyseure – also Anlagen, die Wasser per Strom in Wasserstoff und Sauerstoff spalten. Nel verkauft somit die Technik, nicht das Gas. Das schont das eigene Kapital, macht Nel jedoch stark von den Investitionen seiner Kunden abhängig.

Seit März 2025 hält der südkoreanische Industriekonzern Samsung E&A 9,1 % der Anteile und ist damit der größte Einzelaktionär. Auf der Hauptversammlung im April 2026 wählten die Aktionäre einen Samsung-Vertreter in den Aufsichtsrat, was die strategische Partnerschaft nun auch formell untermauert.

Plug Power ging jahrelang einen anderen Weg und positionierte sich als Komplettanbieter für die gesamte Wertschöpfungskette: eigene Erzeugung, eigene Tankstellen und eigene Brennstoffzellen für Gabelstapler oder Rechenzentren. Dieser All-in-one-Ansatz brachte das US-Unternehmen jedoch an den Rand des Bankrotts.

Im dritten Quartal 2025 zog das Management die Reißleine und leitete eine drastische Kehrtwende ein: Um massiv Kosten zu senken, stoppte Plug Power den kapitalintensiven Neubau weiterer eigener Wasserstoffwerke und setzte stattdessen auf ein hybrides Modell. Die drei bereits bestehenden eigenen Produktionsanlagen laufen zwar weiter, zusätzlicher Bedarf wird nun jedoch über langfristige Lieferverträge mit Partnern eingekauft. Das Hauptaugenmerk liegt seitdem wieder auf dem Kerngeschäft – dem Verkauf von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen an Großkunden wie Amazon und Walmart.

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Was hinter den Kurszuwächsen von Nel ASA und Plug Power steckt

Bei Plug Power trieben zuletzt gute Quartalszahlen den Kurs. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 22 % auf 163,51 Mio. US-Dollar. Besonders die Elektrolyseur-Sparte überzeugte: Ihr Umsatz vervierfachte sich nahezu auf 40,8 Mio. US-Dollar. Beim bereinigten Verlust je Aktie verbesserte sich das Unternehmen von minus 0,17 US-Dollar im Vorjahresquartal auf minus 0,08 US-Dollar. Das ist noch kein echter Turnaround, zeigt aber eine klare Tendenz nach oben.

Nach den Ergebnissen hob TD Cowen das Kursziel von 2,00 auf 3,00 US-Dollar an. Die Analysten lobten die bessere Planbarkeit durch mehrjährige Verträge zur Flottenmodernisierung mit Amazon und Walmart. Auch Morgan Stanley sieht deutliche Umsatzsteigerungen und eine über den Erwartungen liegende Rentabilität. Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Management ein Umsatzplus von 13 bis 15 % an. Im vierten Quartal 2026 soll das bereinigte EBITDA erstmals positiv ausfallen. Bis zu echten Gewinnen bleibt es ein weiter Weg, aber die Richtung stimmt.

Bei Nel ASA ist die Lage deutlich nüchterner. Der Umsatz sank im ersten Quartal 2026 um rund 4,5 % auf 148 Mio. norwegische Kronen. Das EBITDA verharrte bei minus 100 Mio. Kronen, während der tatsächliche operative Verlust bei minus 150 Mio. Kronen lag. Richtig schwach fiel das Neugeschäft aus: Der Auftragseingang brach um 73 % auf 85 Mio. Kronen ein. Das sind keine Zahlen, die eine Kursrallye von über 50 % fundamental rechtfertigen.

Für Auftrieb sorgt etwas anderes: Die Partnerschaft mit Samsung weckt Fantasie für Großprojekte im Nahen Osten und Asien. Zudem stellte Nel im Mai 2026 eine neue druckaufgeladene alkalische Elektrolyse-Plattform vor, die günstiger und einfacher zu installieren sein soll. Hinzu kommt das freundlichere Branchenklima: Wenn Plug Power besser abschneidet als erwartet, zieht das die gesamte Wasserstoffbranche mit nach oben.

Boden für die Ewigkeit oder Strohfeuer?

Die ehrliche Antwort lautet: Das hängt ganz davon ab, auf welches Papier man schaut.

Plug Power hat die glaubwürdigere Story. Das Restrukturierungsprogramm greift spürbar, die Kunden kehren zurück, und ein Liquiditätspolster von 802 Mio. US-Dollar verschafft dem Konzern Luft. Zudem sollen Verkäufe von Vermögenswerten in diesem Jahr rund 275 Mio. US-Dollar einbringen – allen voran ein Deal mit Stream Data Centers, der bis zu 142 Mio. US-Dollar einspielen könnte.

Das Risiko bleibt dennoch hoch: Plug Power war noch nie dauerhaft profitabel. Zudem brachen die Aufträge 2024 und Anfang 2025 drastisch ein, weil Kunden angesichts der Liquiditätssorgen des Unternehmens zögerten.

Nel ASA ist das riskantere Papier. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei rund 2,1 bis 2,4 norwegischen Kronen – umgerechnet etwa 0,19 bis 0,22 Euro. Die Aktie notiert aktuell deutlich darüber. Das bedeutet konkret: Wer heute einsteigt, kauft oberhalb dessen, was die Mehrheit der Experten für gerechtfertigt hält. Die Cashreserven schützen Nel zwar kurzfristig, doch strukturell fehlt weiterhin ein klarer Weg in die Gewinnzone.

Beide Aktien sind nichts für risikoscheue Anleger. Es handelt sich um hochspekulative Wetten auf eine Technologie, die langfristig zwar funktionieren dürfte, deren kommerzieller Durchbruch im großen Stil aber noch aussteht.

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Caio Reimertshofer besitzt Aktien von Amazon, Nel ASA und Walmart. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Amazon.



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