Kaufen, wenn die anderen ängstlich sind: Jetzt 1.000 Euro in die Hermle-Aktie investieren?

Eine Person hält ein Bündel Geld und ein Etikett mit der Aufschrift "Sale" in der Hand
Foto: Sora Shimazaki via Pexels

Die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG (WKN: 605283) entzieht sich der schlechten Investitionsstimmung in Deutschland, indem sie sich als finanziell stabiler Qualitätshersteller in neuen, zukunftsorientierten Branchen wie der Chip- oder Luft- und Raumfahrtindustrie etabliert. Die Strategie trägt Früchte: Mittlerweile werden über 70 % der Umsätze im Ausland erwirtschaftet. Und damit soll noch nicht Schluss sein, wie die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 zeigen. Schauen wir uns diese und die Bedeutung für die Hermle-Aktie mal genauer an.

Hermle-Aktie: Die Wachstumstreiber

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Hermle-Konzern einen Umsatz von 491,9 Mio. Euro und damit eine Stabilität im Vergleich zum Vorjahr.  Ein operatives Highlight in diesem anspruchsvollen Umfeld war die Entwicklung des Auftragseingangs: Während die Branche insgesamt unter Investitionszurückhaltung litt, konnte Hermle den Auftragseingang um 5,9 % auf 483,8 Mio. Euro steigern. Wachstumstreiber waren die hohe Nachfrage nach automatisierten Systemlösungen sowie Großaufträge aus den USA und Asien. Dem gegenüber stand die schwache Inlandsnachfrage in Deutschland. Der Umsatz im Inland ging um 21,7 % auf 140,5 Mio. Euro zurück.

Der operative Gewinn (EBIT) belief sich auf rund 69,2 Mio. Euro nach 85,3 Mio. Euro im Vorjahr. Dieser Rückgang resultierte primär aus gestiegenen Personalkosten und einer zeitweisen Unterauslastung zu Beginn des Jahres, die sogar punktuelle Kurzarbeit erforderlich machte. Der Free Cashflow blieb jedoch trotz umfangreicher Investitionen in neue Fertigungskapazitäten und Infrastruktur solide, was die hohe Selbstfinanzierungskraft des Unternehmens unterstreicht.

Im Jahr 2025 wurden 24 Mio. Euro (im Vorjahr waren es 51 Mio. Euro) in den Bau eines neuen Anwendungszentrums mit Kantine am Firmensitz in Gosheim, in HERMLE-Bearbeitungszentren für die Fertigung in Gosheim und Zimmern sowie am Standort Burladingen und bei der HERMLE Maschinenbau GmbH, in neue Spindelprüfstände und Lagereinrichtungen investiert. Dadurch konnte der Free Cashflow von 29,4 Mio. Euro auf 43,5 Mio. Euro gesteigert werden.

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Hermle macht sich unabhängiger von Deutschland

Die Internationalisierung war im Jahr 2025 der entscheidende Erfolgsfaktor. Die Exportquote stieg signifikant von 63,2 % auf 71,4 %. Da der Inlandsumsatz um knapp 22 % einbrach, wurde das Ausland zum zentralen Wachstumsmotor. Besonders in Nordamerika konnte Hermle seine Marktpräsenz weiter ausbauen und so die Schwäche des europäischen Marktes mehr als kompensieren.

Hermle festigt auch seinen „Burggraben” durch die Kombination von Hardware-Exzellenz (5-Achsen-Bearbeitungszentren) und eigener Software- und Automatisierungs-Expertise. Das schätzen auch neue Großkunden wie Hadrian, die die Fertigung in den USA, mit Schwerpunkt auf Rüstung, zu neuem Glanz verhelfen soll.

Die tiefe Integration von Automationslösungen wie dem Robotersystem RS 2 GEN2 direkt ab Werk verschafft Kunden einen Produktivitätsvorsprung, den reine Maschinenbauer ohne eigene Automation kaum einholen können.  Zudem sorgt das starke Servicegeschäft für eine hohe Kundenbindung und stabile Margen. Die größten Risiken liegen in der anhaltenden Schwäche des Standorts Deutschland (hohe Energiekosten, Bürokratie) sowie in potenziellen Handelshemmnissen und Zöllen, welche das wichtige Exportgeschäft belasten könnten.

Die langfristige Strategie wird noch Früchte tragen

Strategisch bleibt Hermle auf Kurs: Die Transformation vom reinen Maschinenhersteller zum Anbieter kompletter Fertigungssysteme wird konsequent vorangetrieben. Ein Meilenstein ist der Bau des neuen Anwendungszentrums in Gosheim, das bis 2027 fertiggestellt werden soll und als Innovationszentrum für Kunden dienen wird.

Ein wichtiges Signal für die Zukunft ist zudem die personelle Weichenstellung: Benedikt Hermle wird im November 2026 den Vorstandsvorsitz übernehmen und damit die langfristige Kontinuität als Familienunternehmen sichern. Der Konzern ist für das Jahr 2026 vorsichtig optimistisch und erwartet ein Umsatzplus von bis zu 10 %, sofern sich die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht massiv verschlechtern. Bei einem ungünstigen Verlauf kann der Umsatz im mittleren einstelligen Prozentbereich unter dem Vorjahreswert liegen. Im positiven Szenario könnte das Betriebsergebnis annähernd das Vorjahresniveau erreichen, es könnte aber auch um bis zu 50 % geringer ausfallen.

Wie wir die Hermle-Aktie nun sehen

Man sieht: Hermle bleibt ein zyklisches Unternehmen und stellt die Wettbewerbsfähigkeit mit guten Maschinen und gutem Fachpersonal vor die kurzfristige Profitabilität. Das gefällt uns und wird sich langfristig auszahlen. Aktuell ist die Bewertung der Hermle-Aktie historisch niedrig. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt aktuell bei 1,4 und lag im Mittel seit 2007 bei 2,3. Ebenso verhält es sich mit dem Kurs-Buchwert-Verhältnis, welches aktuell bei 2,1 liegt und im langfristigen Mittel mit 3,9 bewertet wurde.

Wenn die Auslastung wieder ansteigt, wird der Gewinn stark steigen und die Investoren der Hermle-Aktie werden mit kräftigen Dividendensteigerungen für ihre Geduld belohnt.

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