Nach +151 % in 12 Monaten: Ist die ASML-Aktie noch kaufenswert?

ASML (WKN: A1J4U4) ist der weltweit größte Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie. Die High-Tech-Geräte entstehen in einer einzigartigen Kooperation zwischen ASML und Technologieunternehmen wie Zeiss SMT und Trumpf. Die ASML-Aktie und die Branche befinden sich in einer dynamischen Phase, die maßgeblich vom weltweiten KI-Boom und der damit verbundenen hohen Nachfrage nach fortschrittlichen Logik- und Speicherchips geprägt ist.
In diesem Umfeld kann ASML seine Monopolstellung behaupten. Als technischer Schrittmacher profitiert das Unternehmen direkt davon, dass Chiphersteller ihre Fabrikkapazitäten ausweiten, um die Nachfrage des KI-Markts zu bedienen.
ASML-Aktie: Starke Auftragslage!
Diese starke Marktstellung spiegelt sich in den Zahlen für das zweite Quartal 2026 wider: Der Gesamtumsatz kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 21,3 % und im Vergleich zum Vorquartal um 6,3 % auf 9,3 Mrd. Euro, während die Bruttomarge mit 54,0 % ebenfalls stark war. Bei den Segmenten zeigte sich ein ausgewogenes Bild, da die Systemerlöse zu 51 % auf Advanced Logic und zu 49 % auf Memory entfielen.
Ein wichtiger Faktor für die Zukunft ist der Auftragsbestand (Backlog), der durch den weiterhin extrem starken Auftragseingang im ersten Halbjahr kräftig angestiegen ist, wie CFO Dassen im Earnings Call mitteilte. Exakte Zahlen wurden nicht genannt. Für das Jahr 2027 ist ASML bei den wichtigen Low-NA-EUV-Systemen bereits nahezu vollständig ausgebucht. Dies erwies sich jedoch auch als Wachstumsbremse, da das ältere EUV-Modell (NXE:3600D) ausläuft und dessen Optik-Komponenten beim Zulieferer ZEISS restlos ausverkauft sind. Dies zwingt ASML kurzfristig zu einem harten Modellwechsel.
Der wesentliche Wachstumstreiber war das boomende Geschäft mit Upgrades und Services (Installed Base Management), das mit einem Umsatz von 2,8 Mrd. Euro (+31,8 %) eine starke Nachfrage verzeichnet, da Kunden ihre bestehenden Fabs kurzfristig auf maximale Produktivität trimmen wollten.
Abseits der reinen Zahlen gab es ein echtes operatives Highlight: Gemeinsam mit dem Partner Intel gelang der technologische Durchbruch, die nächste Lithografie-Generation (High-NA EUV) für die Massenproduktion zu qualifizieren. Die Systeme bestanden die Prüfung für Intels „18A“-Prozess und fertigen nun eine Untergruppe der neuen Core-Ultra-Series-3-Prozessoren – ein Meilenstein für die industrielle Marktreife.
Die Ertragskraft zieht stark an
Dank einer strikten Kostendisziplin beim Personalaufbau konnte ASML im Vergleich zu früheren Jahren trotz gestiegener Anforderungen eine operative Marge von rund 37,1 % (Vorjahr: 34,6 %) erzielen. Das Management steuert die Ausgaben für Vertrieb, Verwaltung und Entwicklung effizienter, was im Vergleich zum Vorjahr zu einem verbesserten operativen Hebel (Operating Leverage) führt.
Das operative Ergebnis wurde im abgelaufenen Quartal durch einen gezielten Sondereffekt belastet. ASML verbuchte Kosten für eine umfassende Technologie- und IT-Transformation. Diese Aufwendungen schlugen sich primär im Forschungs- und Entwicklungsbereich (F&E) nieder, der dadurch im zweiten Quartal bei 1,3 Mrd. Euro lag.
Der Gewinn je ASML-Aktie (EPS) belief sich auf 7,59 Euro (+28,6 %) und übertraf damit die internen Erwartungen, was vor allem am unerwartet starken Abschneiden des margenstarken Servicegeschäfts lag. Parallel dazu generierte der Konzern einen Free Cashflow von 1,3 Mrd. Euro, was im Vergleich zu den knapp 300 Mio. Euro im Vorjahr einen starken Anstieg entspricht.
ASMLs wichtigster Wettbewerbsvorteil bleibt die technologische Exklusivität bei EUV-Systemen. Diese kann aktuell von keinem Konkurrenten repliziert werden, was unter anderem am Zusammenspiel des Ökosystems mit den deutschen Hidden Champions Trumpf und Zeiss SMT liegt. Ein operatives Risiko stellt jedoch die Lieferkette dar: Da es keine austauschbaren Produktionswerkzeuge für Low-NA- und High-NA-Optiken gibt, können Engpässe bei einem System nicht durch das andere ausgeglichen werden. Zudem belasten anhaltende geopolitische Exportbeschränkungen das Geschäft im Mainstream-Bereich.
Investoren der ASML-Aktie profitieren
Die robuste Net-Cash-Position von rund 5,6 Mrd. Euro ermöglicht eine konsequente und aktionärsfreundliche Kapitalallokation. Im zweiten Quartal hat ASML im Rahmen des laufenden Programms eigene Aktien im Wert von 1,1 Mrd. Euro zurückgekauft. Neben der Ausschüttung der finalen Dividende für das Vorjahr wurde zudem eine Zwischendividende von 1,88 Euro je ASML-Aktie für August 2026 angekündigt. Im August des vergangenen Jahres betrug die Dividende noch 1,60 Euro.
Angesichts der anhaltenden KI-Nachfrage hat ASML seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 optimistisch auf 43 bis 45 Mrd. Euro angehoben. Damit erfolgte fast in jedem Quartal eine Anpassung der Prognose nach oben: Zuvor lag sie bei 36 bzw. 40 Mrd. Euro, dann bei 34 bis 39 Mrd. Euro.
Langfristig stellt sich der Konzern auf ein dauerhaft höheres Volumen ein. Für 2027 ist eine Erhöhung der Produktionskapazitäten für Low-NA-EUV- und Immersionssysteme um jeweils 30 % fest eingeplant, für 2028 wird aufgrund starker Kundensignale bereits eine weitere Steigerung um 30 % intensiv vorbereitet.
Ist die ASML-Aktie jetzt noch kaufenswert?
Angesichts der Wachstumspläne sind ein aktuelles KGV von 55 und ein prognostiziertes KGV von 32 nicht zu hoch. ASML ist ein zyklischer Titel und kann in einer Phase mit starker Nachfrage die Gewinne überproportional steigern. Die vorliegenden Zahlen waren ein gutes Beispiel: Umsatz +21,3 % und Gewinn je ASML-Aktie +28,6 %.
Wir gehen davon aus, dass langfristige Investoren an ordentlichen, zweistelligen Gewinnwachstumsraten teilhaben können und die ASML-Aktie somit nach dem starken Kursanstieg im letzten Jahr von 151 % in den letzten 12 Monaten im Depot behalten sollten.
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