MDAX-Geheimtipp Freenet: 8,1 % Rendite – Die sicherste Cash-Maschine im deutschen Mid-Cap-Sektor?

Wer am deutschen Aktienmarkt nach verlässlicher Rendite sucht, stößt früher oder später auf einen Wert, der in den Medien weitaus seltener auftaucht als Rheinmetall, SAP oder die Deutsche Bank: Freenet (WKN: A0Z2ZZ).
Der Mobilfunkanbieter aus Büdelsdorf schüttet für das Geschäftsjahr 2025 eine Rekorddividende von 2,07 Euro je Aktie aus. Beim Kurs von rund 25,50 Euro entspricht das einer Rendite von über 8 % (Stand: 27.05.2026, maßgeblich für alle Angaben). Das ist nicht nur außergewöhnlich hoch. Es ist sogar eine der höchsten Dividendenrenditen im gesamten MDAX.
Wie wir wissen, bedeutet eine hohe Dividende nicht automatisch, dass die Dividende auch gut ist. In diesem Artikel möchten wir also gemeinsam auf den Grund gehen, wie nachhaltig die Ausschüttungen des Unternehmens wirklich sind. Und ob sich Freenet als Teil eines ausgewogenen Dividendendepots eignet.
Was Freenet eigentlich macht und warum das Modell so cashstark ist
Freenet ist kein klassischer Netzbetreiber. Das Unternehmen verlegt keine Kabel, betreibt keine eigenen Sendemasten und investiert nicht in Netzinfrastruktur. Stattdessen kauft es Netzkapazitäten von Telekommunikationsunternehmen wie Telefónica und der Deutschen Telekom und verkauft diese unter eigenem Namen an Endkunden weiter. Das nennt sich Virtual Network Operator, kurz VNO.
Was auf den ersten Blick nach einem einfachen Zwischenhändler klingt, hat einen entscheidenden Vorteil: Das Modell braucht kaum Investitionskapital. Keine Masten, keine Tiefbauarbeiten, kein laufender Infrastrukturunterhalt. Genau dieser niedrige Investitionsbedarf ist der Grund, warum Freenet Jahr für Jahr einen vergleichsweise hohen Anteil seiner Einnahmen direkt in freien Cashflow verwandelt.
Dazu kommt das zweite Standbein: waipu.tv. Das Internet-Fernsehprodukt wächst, und zwar profitabel. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 steigerte waipu.tv das bereinigte EBITDA von null auf 36 Mio. Euro. Das klingt im ersten Moment nicht nach viel, macht aber bereits heute über 7 % vom EBITDA aus. Dieser Bereich war lange Zeit ein Investitionsfall ohne nennenswerten Beitrag zum Ergebnis. Jetzt zahlt dreht sich das Blatt und die Investition beginnt sich auszuzahlen.
Insgesamt betreut der Konzern rund 8,27 Mio. Postpaid-Kunden. Wer einmal einen Mobilfunkvertrag bei Freenet hat, wechselt selten wieder schnell den Anbieter. Das schafft planbare Umsätze, die Quartal für Quartal eintreffen.
Die Dividende: Geschichte, Größe und die entscheidende Frage der Nachhaltigkeit
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Dividende von Freenet um 5,1 % gestiegen. Gleichzeitig ist es die fünfte Dividendenerhöhung in Folge. Freenet schüttet inzwischen seit 17 Jahren verlässlich aus und hat die Dividende in den vergangenen sechs Jahren kein einziges Mal gesenkt. Das durchschnittliche Dividendenwachstum der letzten fünf Jahre liegt bei jährlich 6,65 %.
Wer das auf eine einfache Formel bringen will: Freenet erhöht verlässlich, zahlt seit fast zwei Jahrzehnten und hat zudem eine Mindestdividende von zwei Euro je Aktie als feste Untergrenze für den Zeitraum 2026 bis 2028 eingeführt. Das ist zwar kein rechtlich bindendes Versprechen, aber ein unmissverständliches Signal des Managements.
Ein Blick auf das vergangene Jahrzehnt zeigt, dass die Höhe der Freenet-Dividendenrendite keine Seltenheit ist. Die durchschnittliche Dividendenrendite der letzten fünf Jahre lag bei 7,38 %, über zehn Jahre bei 6,53 %. Wer Freenet als Dividendenwert kauft, bekommt also eine Aktie, die auf regelmäßiger Basis eine hohe Ausschüttung an seine Aktionäre vornimmt.
Berechtigte Skepsis ist angebracht. Denn, ist eine so hohe Dividendenrendite auf Dauer wirklich nachhaltig? Die Ausschüttungsquote bezogen auf den Gewinn des letzten Geschäftsjahres liegt bei 90,79 %, der über drei Jahre geglättete Wert sogar bei 102,47 %. Gemessen am Gewinn je Aktie zahlt Freenet also mehr aus, als das Unternehmen unterm Strich verdient. Das klingt im ersten Moment riskant und wenig nachhaltig.
Der Haken an dieser Kritik: Der Buchgewinn ist für Freenet die falsche Messgröße. Als kapitalleichter Provider (VNO-Modell) benötigt das Unternehmen kaum eigene Infrastruktur. Entscheidend ist daher nicht der bilanzierte Gewinn, sondern der freie Cashflow. Dieser lag im Geschäftsjahr 2025 bei 292,1 Mio. Euro. Dem steht eine tatsächliche Ausschüttungssumme für alle Aktionäre von rund 241,5 Mio. Euro gegenüber. Der freie Cashflow deckt die Dividende also komfortabel ab. Das ist das eigentliche Fundament dieser Dividendenstory.
Was die Zukunft zeigt und wo der Haken liegt
Für 2026 erwartet das Management ein bereinigtes EBITDA zwischen 500 und 530 Mio. Euro sowie einen bereinigten freien Cashflow von 270 bis 300 Mio. Euro. Das liegt etwas unter dem Niveau des Vorjahres, da ein laufender Streitpunkt mit einem Netzbetreiber das Ergebnis belastet. Das ist ein Risiko, das Freenet jedoch bereits in seiner Prognose einkalkuliert hat.
Mittel- bis langfristig hellen sich die Aussichten auf: Bis 2028 strebt der Konzern ein bereinigtes EBITDA von mindestens 620 Mio. Euro und einen bereinigten freien Cashflow von mindestens 340 Mio. Euro an. Allein waipu.tv soll bis dahin mindestens 120 Mio. Euro zum EBITDA beisteuern. Das wäre mehr als das Dreifache des Niveaus von 2025.
Im ersten Quartal 2026 kletterte der Umsatz um 26,1 % auf 761,9 Mio. Euro, maßgeblich gestützt durch die Integration von Mobilezone Deutschland. Das Management bestätigte daraufhin die Jahresprognose.
Wer auf den Verlauf des Aktienkurses blickt, sieht seit Jahresbeginn ein Minus von rund 14 %. Wer dagegen den Blick auf den starken Cashflow schweifen lässt, erkennt ein Unternehmen, dessen Dividende solide gedeckt bleibt und aus meiner Sicht weiter wachsen wird.
Freenet: Hohe Rendite, aber kein Selbstläufer
Freenet ist keine Wachstumsaktie. Das Unternehmen expandiert nicht aggressiv in zig neue Märkte, sondern baut sein bestehendes Geschäft Stück für Stück aus. Zudem sorgt es selten für Schlagzeilen. Was es stattdessen liefert, sind verlässliche Ausschüttungen. Getragen von einem Geschäftsmodell mit geringem Kapitalbedarf und einer klaren Cashflow-Mechanik.
Die Risiken sind real: Preisdruck im Mobilfunkmarkt, die Abhängigkeit von den Netzbetreibern und eine Ausschüttungsquote, die gemessen am reinen Buchgewinn sehr hoch wirkt. Aber, wer diese Faktoren versteht und einpreist, kann mit einer Dividendenrendite von rund 8 % auf dem aktuellen Kursniveau allerdings sehr gut leben.
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Caio Reimertshofer besitzt Aktien von der Deutsche Telekom und Freenet. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.