Warum die Rational-Aktie trotz KGV von 29 unterbewertet sein könnte

Der iHexagon von Rational ist eine Weltneuheit
Bild: Rational AG

Die Rational AG (WKN: 701080) konzentriert sich voll und ganz auf den Kundennutzen für Profiköche und arbeitet an einer hohen Kundenzufriedenheit. Preiserhöhungen sind bei dem Hidden Champion aus Landshut sehr selten, da das Unternehmen lieber höhere Kosten durch Effizienzgewinne kompensieren möchte. Nun musste es aber in den USA wegen der Zölle zu einer Preiserhöhung kommen. Wie hat sich diese ausgewirkt?

Das Unternehmen ist erfolgreich in das Geschäftsjahr 2026 gestartet und hat im ersten Quartal einen Rekordumsatz von 317,6 Mio. Euro erzielt, was einem Zuwachs von 8 % (währungsneutral +11 %) entspricht. Wachstumstreiber waren vor allem Deutschland (+11 %) und Nordamerika (+11 %; währungsbereinigt sogar +23 %). In Nordamerika profitierte das Unternehmen von einer extrem starken Kundennachfrage, während in Deutschland ein Einmaleffekt durch eine Großbestellung eines Händlers das Ergebnis stützte.

Rational-Aktie: Preiserhöhung in Nordamerika

Ein zentraler Aspekt im letzten Quartal war die Preisanpassung in Nordamerika. So erhöhte Rational zum 1. Februar 2026 die Preise in den USA um durchschnittlich 4,9 %. Das Management betonte die geringe Preiselastizität: Da die Kochsysteme für Profiküchen eine technologische Notwendigkeit darstellen, wurde die Erhöhung vom Markt gut akzeptiert. Für das Gesamtjahr wird aus dieser Maßnahme ein positiver Umsatzeffekt von etwa 1 % erwartet.

Bremsend auf Umsatzbasis wirkten hingegen die Regionen Asien (-3 %) – bedingt durch eine Kaufzurückhaltung in China vor dem Launch des iCombi¹ – und „Übrige Welt“ (-10 %). Unter den Produktgruppen ragte der iVario mit einem Plus von 18 % heraus, während der iCombi um 6 % zulegte. Der iVario traf insbesondere in Europa, Nordamerika und Asien auf große Nachfrage.

Der Vertrieb des iHexagons wird ausgerollt

Während iCombi und iVario das bewährte Rückgrat von Rational bilden, setzt das iHexagon neue Wachstumsimpulse. Es ist das weltweit erste Kochsystem, das Heißluft, Dampf und Mikrowellentechnologie so intelligent kombiniert, dass Speisen in Rekordzeit bei höchster Qualität fertig werden. Ursprünglich in Hochleistungsküchen, wie denen großer Fußballstadien (z. B. Tottenham), getestet, die in kürzester Zeit Tausende Gäste versorgen müssen, wandelt sich das Kundenprofil. Im letzten Quartal verzeichnete Rational ein steigendes Interesse von kleineren Restaurants und Individualgastronomen. Ein Beispiel aus der Hauptversammlung: Ein Gastronom mit zwei Betrieben setzt das iHexagon nun erfolgreich ein, um die Wartezeiten für seine Gäste drastisch zu verkürzen, ohne Kompromisse beim Geschmack einzugehen. Das iHexagon ist nicht nur ein Imageträger, sondern unterstützt auch die Marge, da sein hoher technologischer Mehrwert eine entsprechende Premium-Preisgestaltung rechtfertigt.

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Das EBIT stieg um 5 % auf 75,9 Mio. Euro, wobei die EBIT-Marge mit 23,9 % leicht rückläufig war (Vorjahr: 24,4 %). Belastet wurde die Marge durch US-Zölle und negative Währungseffekte. Die operativen Kosten stiegen nur um 5 % und damit unterproportional zum Umsatz.

Ein operatives Highlight war das Erreichen einer Eigenkapitalquote von 81 %, wodurch das Eigenkapital erstmals die Marke von einer Milliarde Euro überschritt. Das Ergebnis je Rational-Aktie lag bei 5,21 Euro und damit 4 % höher als im Vorjahr. Der Free Cashflow war mit 17,2 Mio. Euro auch saisonbedingt niedrig, was unter anderem auf den gezielten Aufbau von Lagerbeständen in den USA zurückzuführen ist.

Der Rational-Vertrieb wird effizienter

Der entscheidende Wettbewerbsvorteil von Rational ist die Symbiose aus einzigartiger Vertriebsstruktur und maximalem Kundennutzen. Über 630 ehemalige Köche im Vertrieb beraten Kunden auf Augenhöhe und vermitteln den wirtschaftlichen Mehrwert der Geräte. In Zeiten des Fachkräftemangels lösen die Systeme existenzielle Probleme, da sie komplexe Prozesse automatisieren und somit auch ungelerntem Personal die Lieferung von Spitzenqualität ermöglichen. Ein operatives Beispiel aus dem Call verdeutlicht dies: Ein US-Großkunde konnte durch Rational seine Lohnkosten um bis zu 66 % senken und gleichzeitig den Abfall reduzieren. Dieser enorme „Return on Investment“ (ROI) macht das Produkt für Kunden unverzichtbar.

Die Risiken sind primär geopolitischer Natur: Die US-Zölle (Section 232) belasten das Ergebnis mit ca. 30 Mio. Euro jährlich. Zudem sorgen steigende Rohstoffpreise (Legierungszuschläge +10 %) und der Iran-Konflikt für Unsicherheiten bei den Logistik- und Energiekosten.

Rational-Aktie: Prognose bestätigt

Dennoch bleibt der Ausblick positiv: Rational setzt langfristig auf den weiteren Ausbau der Vertriebsmannschaft. Der Vorstand bestätigt für das Gesamtjahr 2026 die Prognose eines Umsatzwachstums im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich sowie einer EBIT-Marge zwischen 25 % und 26 %.

Qualität hat ihren Preis: Die Rational-Aktie wird aktuell mit einem KGV von 29 und einem Unternehmenswert zum EBIT von 21 bewertet. Beide Werte liegen unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 46 bzw. 34, sind aber immer noch nicht spottbillig. Der aktuelle Kurs erwartet ein Gewinnwachstum von 10 % p. a. gemäß der Graham-Wachstumsformel, was die Rational AG über einen Wirtschaftszyklus hinweg liefern kann. Wir gehen aktuell von einer leichten Unterbewertung aus.

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