Vergiss Nvidia: Warum die Vertiv-Aktie der wahre Herzschlag der KI-Rechenzentren ist

Aktive Server oder Supercomputer in einem Rechenzentrum
Foto: Panumas Nikhomkhai via Pexels

Wer an die Gewinner des KI-Booms denkt, dem fällt vermutlich zuerst Nvidia ein. Völlig zurecht, denn das Unternehmen hat bisher überproportional von der KI-Revolution profitiert.

Doch es gibt ein Unternehmen, ohne das selbst der leistungsstärkste Nvidia-Chip nutzlos bleibt. Kein Rechenzentrum läuft ohne Strom, kein Server hält die Betriebstemperatur, wenn die Kühlung versagt. Und kein Hyperscaler baut ein neues KI-Rechenzentrum, ohne zuerst die Infrastruktur zu bestellen, die all das am Laufen hält.

Dieses Unternehmen heißt Vertiv (WKN: A2PZ5A). Doch kaum jemand kennt seinen Namen.

Von Emerson Network Power zu Vertiv: Eine Geschichte mit Anlauf

Wer Vertiv verstehen will, muss etwas in die Vergangenheit zurückblicken. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1946 zurück, als der Vorläufer der Liebert Corporation gegründet wurde – ein Pionier für die Präzisionskühlung früher Großrechner. 1987 übernahm Emerson Electric den Betrieb, der zur tragenden Säule der Sparte Emerson Network Power wurde.

Jahrelang schlummerte dieser Bereich unauffällig im Portfolio von Emerson. Dann kam die Zäsur: Im Dezember 2016 übernahm die Beteiligungsgesellschaft Platinum Equity die Sparte Emerson Network Power für mehr als 4 Mrd. US-Dollar. Das Unternehmen wurde in Vertiv umbenannt und als eigenständiger Konzern neu aufgestellt.

Am 10. Februar 2020 ging Vertiv durch die Fusion mit der von Goldman Sachs geführten GS Acquisition Holdings an die New Yorker Börse. Frühe Investoren der Aktien konnten bis heute einen guten Schnitt machen. Doch es ist meiner Meinung nach noch nicht zu spät, die Vertiv-Aktie zumindest auf dem Zettel zu haben.

Was Vertiv macht und warum das so wertvoll ist

Das Produktportfolio von Vertiv klingt technisch, ist aber schnell erklärt: Das Unternehmen baut unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV), Schaltanlagen, Kühlsysteme und vorgefertigte Modullösungen, die Betreiber direkt aufstellen können. Kurz gesagt: Alles, was dafür sorgt, dass die Server laufen und nicht schmelzen.

Vom einfachen Zulieferer unterscheidet sich Vertiv durch seine Systemkompetenz. Statt loser Einzelteile liefert das Unternehmen die gesamte physische Infrastruktur als schlüsselfertige Gesamtlösung. CEO Giordano Albertazzi beschreibt die Rolle so: „Rechenzentren sind der Schlüssel zur Bewältigung der digitalen Anforderungen unserer Welt. Vertiv setzt neue Maßstäbe für das technisch Machbare.“

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Bei KI-Rechenzentren ist das kein leeres Marketingversprechen. Moderne KI-Cluster erzeugen pro Rack so viel Verlustleistung, dass die klassische Luftkühlung schlicht versagt. Flüssigkühlung ist hier die einzige skalierbare Antwort. Vertiv gehört weltweit zu den wenigen Konzernen, die diese hochkomplexen Kühlsysteme in industriellem Maßstab liefern können.

Die Zahlen lassen sich sehen

Bei Vertiv lief das Geschäftsjahr 2025 hervorragend: Der Umsatz wuchs organisch um 26 % auf 10,2 Mrd. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 47 % auf 4,20 US-Dollar zu. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) stieg um 35 % auf 2,1 Mrd. US-Dollar, während der freie Cashflow um 66 % auf rund 1,9 Mrd. US-Dollar kletterte.

Das sind bereits sehr starke Ergebnisse. Doch eine andere Zahl ließ die Wall Street erst richtig aufhorchen: Der organische Auftragseingang schoss im vierten Quartal 2025 im Jahresvergleich um 252 % nach oben. Dadurch verdoppelte sich der Gesamtauftragsbestand auf 15 Mrd. US-Dollar. Ein solches Auftragsbuch leert sich nicht mal eben in einem Quartal; es bietet Sichtbarkeit auf Jahre hinaus.

Das Management reagierte prompt und hob die Prognose für das Gesamtjahr 2026 an. Der Umsatz soll nun auf einen Mittelwert von 13,75 Mrd. US-Dollar steigen, was einem Wachstum von 34 % entspricht. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll auf 6,35 US-Dollar klettern, was einem Plus von 51 % gegenüber 2025 entsprechen würde.

Langfristige Ziele, die kaum jemand auf dem Radar hat

Wirklich bemerkenswert war der Investorentag im Mai: Vertiv hob seine Wachstumsziele kräftig an. Bis zum Ende des Jahrzehnts rechnet der Vorstand nun mit einem jährlichen organischen Umsatzwachstum von 20 bis 22 %. Zuvor lag die Prognose bei 12 bis 14 %. Die bereinigte operative Marge soll bis 2030 auf mindestens 27 % klettern. Den gesamten adressierbaren Markt für diese Infrastruktur schätzt das Unternehmen inzwischen auf rund 62 Mrd. US-Dollar.

Wer diese Ziele mit den aktuellen Margen und dem prall gefüllten Auftragsbestand kombiniert, sieht ein Unternehmen, das mitten in einem starken Wachstumsmarkt sitzt, dort Marktanteile gewinnt und gleichzeitig seine Profitabilität verbessert.

Natürlich ist Vertiv kein Unternehmen ohne Risiken. Engpässe in den Lieferketten können Auslieferungen verzögern, und geopolitische Spannungen belasten die Beschaffungswege. Zudem zahlen Anleger, die jetzt einsteigen, eine saftige Wachstumsprämie. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 von rund 40 bis 50 und einem zukunftsgerichteten Kurs-Umsatz-Verhältnis von 7,0 ist die Aktie teuer. Angesichts der wachsenden Dynamik könnte diese Premium-Bewertung jedoch vertretbar sein.

Vertiv ist nicht der Schaufelverkäufer, sondern stellt das Fundament

In der Branche gilt Vertiv als „Schaufelverkäufer des KI-Goldrausches“. Das greift jedoch zu kurz. Ein Schaufelverkäufer liefert nur das Werkzeug. Vertiv dagegen baut die Infrastruktur, ohne die kein modernes Rechenzentrum überhaupt laufen kann. Das ist nicht einfach ein Werkzeug, sondern es ist das Fundament.

Seit Jahresbeginn liegt die Vertiv-Aktie fast 100 % im Plus (Stand: 01.06.2026, maßgeblich für alle Angaben) und notiert mit ca. 318 US-Dollar gut unter dem 52-Wochen-Hoch von 379,94 US-Dollar. Wer noch auf der Suche nach einem vielversprechenden Investment im Bereich KI-Rechenzentren ist, sollte sich Vertiv dick auf seinem Zettel anstreichen. Denn das Unternehmen könnte in der Zukunft noch für viele Furore sorgen.

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Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.



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