Wie viel Zeit bist du schon frei?

Ein Wecker in Nahaufnahme auf einem Tisch, an dem eine Person arbeitet
Foto: Gerd Altmann via Pixabay

Lieber Aktiensegler,

im Jahre 2016 fing ich an, über Aktien, die Börse und erfolgreiches Investieren zu schreiben. Es sind mittlerweile ziemlich genau zehn Jahre her. An meinem Ziel hat sich seitdem nichts geändert: Ich wollte frei sein.

Für jeden Artikel, den ich schrieb, musste ich gedanklich drei Stunden weniger in einem Schreibtisch in einem Büro mit wenig zielführender Arbeit sitzen. Das motivierte mich ungemein. Jeder Euro, den ich seitdem investierte, dient ebenfalls dem Ziel. Ich möchte einzig und allein einen Status erreichen, in dem ich nicht mehr arbeiten müsste.

Dieser Gedanke begleitet mein alltägliches Tun. Natürlich rechne ich nicht jeden Cent oder jeden Euro in Minuten um. Aber im Hinterkopf schwingt er immer mit. Das ist etwas, das ich dir heute ebenfalls mit auf den Weg geben möchte. Denn es geht nicht nur um Arbeit. Sondern vor allem auch um unser Vermögen.

Die Zeit, in der wir frei sind!

Wir können das ganze Prinzip noch einfacher beschreiben. Wenn wir ein Vermögen X haben und Lebenshaltungskosten von Y pro Monat, können wir hieraus einen Quotienten bilden. Denn teilen wir X durch Y, erhalten wir die Anzahl der Monate, die wir gedanklich frei sind. Das setzt natürlich voraus, dass wir ein echtes Vermögen haben. Ein Nettovermögen, abzüglich aller Verbindlichkeiten.

Diese Zeit sind wir frei. Wir könnten sie anderweitig verbringen, als zu arbeiten. Mit unserer Familie, unseren Hobbys. Mit einem Jetski auf Hawaii, wenn du es willst. Es ist jedoch schwierig, sie direkt in Anspruch zu nehmen. Verpflichtungen im Beruf führen selten dazu, dass man sich einfach mal ein Jahr herausnehmen kann. Das bedeutet, dass wir eine gewisse Zeit frei sind. Wenn diese freie Zeit aber nicht bis zu unserem Lebensende rein rechnerisch reichen würde, haben wir das große Ganze noch nicht erreicht.

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Der Gedanke, dass wir unser Vermögen für freie Zeit einsetzen, brachte mich stets dazu, gewisse Dinge kritisch zu hinterfragen. Denn wer frei sein will, der sollte sich vor allem nicht verschulden. Weder für Haus, noch für Auto. Noch für sonstige Dinge. Denn Schulden bedeuten, dass wir eben nicht frei sind und frei sein dürfen. Sie bedeuten, dass wir uns mit dem Vermögen die Zeit anderer geliehen haben, die wir mit Zinsen zurückzahlen müssen. Wir müssen also mehr Zeit investieren. Dadurch hätte sich mein Ziel immer weiter nach hinten verschoben.

Es muss nicht die Freiheit sein

Mein Vermögen einzusetzen, um irgendwann einmal frei zu sein, bleibt mein Ziel. Keine Frage: Damit bin ich nicht allein. Es muss aber gewiss auch nicht jedermanns Ziel sein. Allerdings glaube ich, dass wir uns zumindest einmal im Leben in abgewandelter Form mit dem Grundkonzept dieser Aussage beschäftigen sollten. Denn wenn wir zum Ende unseres Erwerbslebens Schulden angehäuft haben, so führt das dazu, dass wir weiter arbeiten müssen. Wir werden nicht frei. Es vielleicht niemals sein.

Auf der Kehrseite bedeutet vorhandenes Vermögen, dass wir unsere freie Zeit bestmöglich genießen und gestalten können. Wir haben uns nicht nur Zeit gekauft, sondern Optionen. Wenn das Vermögen weitere Mittel produziert, gilt das sogar auf Dauer.

Im Endeffekt kannst du von meinen Gedanken mitnehmen, was dir richtig und wichtig erscheint. Aber glaube mir: Wenn man einmal damit anfängt, Geld mit Zeit gleichzusetzen, beurteilt man so manche Ausgabe oder Entscheidung deutlich anders.

Auf dein Vermögen, das dir hoffentlich jede Menge Zeit bringt,

Vincent Uhr
Chefredakteur Aktienwelt360

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