Wer bei McDonald’s an Burger denkt, denkt bei Coca-Cola noch an Limonaden

McDonald’s (WKN: 856958) und Coca-Cola (WKN: 850663) sind zwei ikonische Marken. In der Börsenwelt, ohne jede Frage. Aber auch für Verbraucher. Sie verkaufen Produkte, die jeder zumindest kennt. Ob es die Limonaden sind oder die Burger. Übrigens: Bei McDonald’s gibt es beides. Denn bekanntlich werden zu jedem Menü in der Regel Limonaden des Getränkekonzerns aus Atlanta verkauft.
Als Investoren sollten wir die Produkte aber anders sehen. Coca-Cola verkauft eben in vielen Fällen keine Limonade mehr. McDonald’s in weiten Teilen selbst keine Burger, Nuggets und Pommes. Das führt uns zu einer sehr wichtigen Erkenntnis: Das, was wir als Investoren sehen, ist nicht unbedingt das Produkt, mit dem wir als Verbraucher mit den Marken in Berührung kommen.
McDonald’s und Coca-Cola: Die eigentlichen Produkte!
Wenn wir in die aktuellsten Geschäftsberichte von Coca-Cola und McDonald’s schauen, fällt der Unterschied direkt auf. Der vermeintliche US-amerikanische Burgerbrater erzielte so zum Beispiel im ersten Quartal durch sein Franchise-Modell rund 4 Mrd. US-Dollar an Umsatz. Die eigenen Verkäufe trugen mit 2,3 Mrd. US-Dollar zum Gesamterfolg bei. Kurzum: Für jeden US-Dollar, den der Konzern mit Burgern verdient, fließen fast zwei US-Dollar an Mieterlösen und Franchisegebühren an den Konzern. Auch die Bilanz besitzt 37,7 Mrd. US-Dollar an Gebäuden und weitere 8,17 Mrd. US-Dollar an Land unterstreicht, wie sehr Immobilien das Geschäft mittlerweile dominieren. Wir sehen daher, dass wir eigentlich die Bilanz eines Immobilienkonzerns hier sehen.
Ähnliches, wenn nicht Gleiches, gilt für Coca-Cola. Der Getränkekonzern aus Atlanta verkauft zum Teil noch selbst Limonaden. Aber in wichtigen Regionen wie Europa, Teilen Asiens und Südamerika und dem Nahen Osten übernehmen die Aufgabe aber Abfüllbetriebe. Das bedeutet, dass das eigentliche Produkt eher aus Lizenzgebühren und Vorprodukten wie Sirups besteht. Die Limonade, die wir im Markt kaufen, stammt von Coca-Cola Europacific Partners plc (CCEP). An dem Unternehmen hält Coca-Cola nach meinem Wissen rund 18 %. Das bedeutet, dass man sich die Abhängigkeit zumindest leicht auch durch eine Minderheitsbeteiligung gesichert hat.
Kurzum: Coca-Cola und McDonald’s haben ein anderes Geschäft, als es auf den ersten Blick ersichtlich ist. Für uns als Investoren ist die Unterscheidung aber alles andere als unwesentlich.
Das Geschäftsmodell als wichtigster Erfolgsfaktor!
McDonald’s und Coca-Cola setzen dadurch beide auf ein Geschäftsmodell, das sehr wichtige Faktoren und Risiken weitgehend ausklammert. So zum Beispiel den Verbraucher. Verbraucher sorgen durch ihre Konsumschwankungen für weniger planbaren Absatz. Das bedeutet, dass beide Konzerne nicht mehr von den Volumen von Burgern oder abgepackten Flaschen abhängig sind. Die Lizenzgebühren und Mieterlöse im Fall von McDonald’s fließen unabhängig hiervon. Das ist ein großer Vorteil.
Aber auch das unternehmerische Risiko verschiebt sich. In beiden Fällen übernehmen das andere Unternehmen. So insbesondere die Franchisenehmer von McDonald’s, die das Risiko des Standortes und der eigenen Filiale tragen. Scheitert sie, ist das für sie persönlich ein Drama. Im Konzern dahinter verkonsolidiert sich der Effekt als kleine Randnotiz in der Bilanz. Bei Coca-Cola ist hingegen die Abfüllung sehr kostenintensiv. Anlagen benötigen Wartung und Überprüfung. Lizenzgebühren hingegen nicht. Dass die Abfüller das übernehmen, führt daher auch bei dem US-Getränkekonzern zu einem bedeutenden Vorteil. Umsätze und Gewinne werden planbarer. Da Coca-Cola eine größere Verhandlungsmacht gegenüber den Abfüllern besitzt, unabhängig von der Konjunktur.
Die Beispiele McDonald’s und Coca-Cola unterstreichen meiner Meinung nach daher eines sehr deutlich: das Produkt und das Geschäft. Oder: Womit die Konzerne in Verbindung gebracht werden und womit sie in Wahrheit ihr Geld verdienen. Gerade als Investoren müssen wir aber exakt das unterscheiden. Denn nur so können wir die Chancen und Risiken wirklich analysieren. Und finden die Geschäftsmodelle, die zu unserem Risikoprofil passen.
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Vincent besitzt Aktien von Coca-Cola. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.