Fresenius-Aktie: Der Healthcare-Turnaround und warum die Aktie wieder spannender wird

Über der Zentrale von Fresenius scheint die Sonne.
Foto: Fresenius SE & Co. KGaA

Manche Aktien gelten jahrelang als solide, aber langweilig – bis die Zahlen plötzlich zeigen, dass im Hintergrund ein fundamentaler Wandel stattgefunden hat.

Fresenius (WKN: 578560) ist aus meiner Sicht so ein Fall. Der Bad Homburger Gesundheitskonzern hat sich in den vergangenen drei Jahren still und leise umgebaut, Schulden abgebaut und seine Geschäftsbereiche neu geordnet.

Das zeigt Wirkung: Die Ratingagentur S&P Global hat den Ausblick im April von stabil auf positiv angehoben. Dennoch notiert die Aktie noch immer rund 15 % unter ihrem Jahreshoch.

Diese Kluft zwischen der operativen Entwicklung und dem Kursniveau verdient einen genaueren Blick.

Was Fresenius eigentlich macht

Fresenius setzt nicht auf ein einziges Produkt, sondern ist als diversifizierter Gesundheitskonzern breit aufgestellt. Die Kliniksparte Helios betreibt Krankenhäuser in Deutschland, während die spanische Tochter Quirónsalud als führender privater Klinikbetreiber des Landes gilt. Zusammen bilden sie das Rückgrat des Konzerns in der stationären Versorgung.

Das zweite Standbein ist Fresenius Kabi: Die Sparte liefert Arzneimittel, Medizintechnik und Ernährungslösungen für schwer und chronisch kranke Patienten. Seit der Mehrheitsübernahme von mAbxience im Jahr 2022 verfügt Fresenius zudem über eine eigene Plattform für Biosimilars. Diese Nachahmerpräparate biologisch hergestellter Medikamente bieten langfristiges Wachstum, da in den kommenden Jahren die Patente zahlreicher großer Biologika auslaufen.

Die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) – ehemals die dritte Säule – wurde im Zuge der Strategie #FutureFresenius neu geordnet. Fresenius hat das Geschäft entkonsolidiert und die Beteiligung im Jahr 2025 auf rund 25 % reduziert, was die Konzernbilanz stark vereinfacht. Wenn heute vom Kern-Ergebnis je Aktie die Rede ist, bezieht sich die Kennzahl auf den Konzern ohne FMC. Das ermöglicht einen unverfälschten Blick auf die operative Ertragskraft.

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Warum der Turnaround jetzt greifbar wird

Hinter der Aktie steht vor allem eine Strategie: #FutureFresenius. Das Programm ist inzwischen in die Rejuvenate-Phase übergegangen. Das Ziel dahinter bleibt klar: Komplexität senken, Schulden abbauen und Margen steigern.

Der Plan geht auf. Im Geschäftsjahr 2025 kletterte der bereinigte Konzernumsatz organisch um 7 % auf 22,6 Mrd. Euro. Gleichzeitig legte das währungsbereinigte Kern-Ergebnis je Aktie (ohne FMC) um 12 % zu. Der berichtete Gesamtumsatz stieg von 22 auf 22,9 Mrd. Euro, während sich der Gewinn von 471 Mio. auf 1,26 Mrd. Euro nahezu verdreifachte. Damit verbesserte sich die Nettogewinnmarge von 2,1 auf 5,5 %. Das zeigt: Fresenius wächst nicht nur beim Umsatz, sondern gewinnt auch strukturell an Profitabilität.

Vorstandschef Michael Sen sprach von einem hervorragenden Start ins Jahr 2026. Nach dem starken ersten Quartal bestätigte er die Jahresprognose, obwohl Fresenius seinen Ausblick für 2025 zuvor bereits zweimal angehoben hatte. Das ist beachtlich in einem volatilen Umfeld, das auch der Vorstand als anspruchsvoll beschreibt.

Dass dieser Turnaround mehr ist als nur ein Lippenbekenntnis, zeigt die Konsistenz der vergangenen Quartale. Die positiven Ergebnisse sind keine Ausreißer, sondern Teil eines Trends: steigende Margen, weniger Komplexität und eine robustere Bilanz. Für einen Konzern, der lange unter seiner unübersichtlichen Struktur und hohen Schulden litt, bedeutet das meiner Meinung nach einen echten, nachhaltigen Fortschritt.

Bewertung der Fresenius-Aktie

Der Markt hat den operativen Turnaround bei der Bewertung bisher nur teilweise eingepreist. Während das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 17 liegt, sinkt das erwartete KGV (Forward-KGV) für das laufende Jahr auf etwa 12,5. Diese Lücke zeigt, dass in den kommenden Quartalen mit weiterem Gewinnwachstum zu rechnen ist. Doch diesen Optimismus scheint der breite Markt noch mit Skepsis zu betrachten. Wie sich die Fresenius-Aktie weiterentwickelt, werden vor allem die Zahlen der nächsten Quartale zeigen.

Auch bei der Dividende zeigt sich Fresenius auf einem soliden, aber konservativen Weg zurück zur Aktionärsfreundlichkeit. Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte das Unternehmen eine Dividende von 1,05 Euro je Aktie. Bei einem aktuellen Kurs von rund 45 Euro entspricht das einer Rendite von gut 2,3 %. Die Ausschüttungsquote liegt bei moderaten 37 % des Kern-Gewinns. Das lässt dem Konzern viel Spielraum, um vorrangig Schulden abzubauen und in Wachstum zu investieren, bevor die Ausschüttungen wieder spürbar steigen.

Fresenius steht damit an einem interessanten Punkt: Das operative Geschäft zieht an, die Bilanz ist so gesund wie seit Jahren nicht mehr, doch an der Börse spiegelt sich diese neue Realität noch nicht vollständig wider.

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Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt Aktien von Fresenius.



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