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Der bessere Kauf: Gigaset versus Apple

Apple Aktie
Foto: Apple

Heute haben wir es mit einem besonderen Duell aus dem Bereich Kommunikationstechnologie zu tun: Der Champion bei besonders smarten Mobiltelefonen gegen den Champion bei immer noch ziemlich smarten Schnurlostelefonen, kurz Apple (WKN:865985) versus Gigaset (WKN:515600).

OK, das ist zugegebenermaßen ein recht ungleiches Duell, aber wir sind ja Investoren und keine Produkttester. Die Frage ist schlicht, welche Aktie die besseren Chancen bietet.

Wo Apple und Gigaset aufeinandertreffen

Gut, zu Apple muss ich nicht mehr viel sagen. Der Konzern ist extrem profitabel, kämpft mit Samsung (WKN:881823) um die Marktführerschaft. Die Produkte kommunizieren primär über Funkstandards wie GSM, UMTS und LTE.

Gigaset setzt hingegen auf den DECT-Standard, der das Mobilteil über relativ kurze Distanzen direkt mit der stationären Basisstation vernetzt. Leider ist dieses Segment mittlerweile fast zur Nische verkommen, sodass trotz Marktführerschaft nicht arg viel dabei herumkommt.

Um trotzdem den Kopf über Wasser zu behalten, versucht das Management seit Jahren, neue Ertragsquellen zu erschließen. Statt dem klassischen Telefonanschluss kann privat wie im Büro längst auch der Internet-Router genutzt werden, um von den Vorteilen der IP-Telefonie zu profitieren.

Unter dem Label „Smart Home“ werden zudem vernetzte Sensoren und Kameras entwickelt, die etwa bei Einbruch, Wasserschaden oder Brand Alarm schlagen. Auf diesem Gebiet trifft Gigaset erstmals direkt auf Apple, die mit ihrer HomeKit-Plattform ähnliches (und einiges mehr) leistet. Zudem gibt es seit etwa drei Jahren auch Smartphones der Marke Gigaset. Die würde ich jetzt nicht gerade als Apple-Herausforderer bezeichnen, aber offenbar ist das Management überzeugt, dass man seine Zielgruppe finden wird.

Die Lage

Apple ist seit Jahren in der Erfolgsspur und ein Ende ist kaum in Sicht, auch wenn vereinzelt darüber spekuliert wird, ob die Kalifornier so langsam ihren Zenit erreicht haben könnten. Schließlich gibt es mit Samsung und Huawei zwei durchaus ebenbürtige Wettbewerber, die sich immer häufiger mit eigenständigen Innovationen hervortun.

Auch andere mächtige Tech-Größen wie Alphabet (WKN:A14Y6F) und Qualcomm (WKN:883121) setzen dem Apfelkonzern immer wieder auf verschiedenen Ebenen zu. Deshalb stellt sich für mich schon die Frage, ob die beneidenswerten Gewinnmargen nicht irgendwann zusammenschrumpfen müssen.

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Bei Gigaset ist die Situation gerade andersherum. Die Münchener sind schon seit Jahren eher auf dem absteigenden Ast und ihre Aktie wurde zum Pennystock degradiert. Aufgrund des schrumpfenden Kernmarkts werden unter dem Strich regelmäßig Verluste ausgewiesen.

Während Apple also auf den Zenit zusteuert, befindet sich Gigaset wohl irgendwo beim Nadir in der Gegenrichtung. Das zeigt sich natürlich auch bei den Aktienkursen. Während die Apple-Papiere immer neue Rekorde erklimmen konnten, pendeln die Gigaset-Kurse bereits seit fünf Jahren unmotiviert zwischen 50 Cent und einem Euro. Heute ist Apple sage und schreibe 8.000-mal mehr wert als Gigaset (Stand 26.02.)!

Die Aussichten

An dieser Stelle wird es interessant, denn jetzt kommen wir dazu, einzuschätzen, wo wir als Investoren das bessere Verhältnis von Chancen und Risiken finden.

So wie Apple aktuell bewertet wird, muss sie irgendwann zuverlässig Gewinne in Höhe von mindestens 90 Mrd. US-Dollar pro Jahr generieren. Gerade bei Aktien, die weit über ihrem Buchwert notieren, ist es für mich ein wichtiges Kriterium, dass ich mir vorstellen kann, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) irgendwann einstellig wird. Ansonsten sind Renditen von über 10 % pro Jahr langfristig nicht möglich. In den letzten Jahren stagnierte der Nettogewinn allerdings auf hohem Niveau bei rund 50 Mrd. US-Dollar.

Bei Gigaset wäre man schon froh, wenn sie überhaupt mal nachhaltige Gewinne schreiben würde. Schon 10 Mio. Euro würden für ein einstelliges KGV ausreichen. Sollte das auf absehbare Zeit nicht möglich sein? Ich finde, das Management war jetzt lange genug auf Richtungssuche. Durch die stärkere Ausrichtung auf Geschäftskunden und Smart Home könnte das Wachstum zurückkommen.

Auch was die zunächst belächelten Smartphones angeht, ist man nun nach meinem Eindruck auf dem richtigen Weg, gerade wenn man an die Möglichkeiten denkt, die Haussicherheitstechnik mit einem vorkonfigurierten Handy für weniger versierte Anwender attraktiv zu kombinieren. In dieser Richtung sehe ich einiges an Potenzial.

Die Eigenkapitaldecke ist allerdings dünn und einen weiteren Fehlschlag kann sich Gigaset kaum leisten. Folglich muss man hier mit verschiedenen Szenarien kalkulieren. Zu jeweils einem gewissen Prozentsatz droht ein Desaster oder ein astreiner Turnaround.

Diese Sorgen hat man bei Apple kaum. Meine mittlere Erwartung ist, dass sie ihr erstaunliches Gewinnniveau in etwa halten kann. In dem Fall würde für die Aktionäre eine langfristige Rendite von vielleicht 6 % herausspringen — kein Desaster, aber auch nicht gerade toll. Warren Buffett, der über Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2) seinen Anteil zuletzt noch erheblich ausgebaut hat, glaubt hingegen offenbar an erheblich steigende Gewinne.

Die Entscheidung

Mit der Apple-Aktie kann ich persönlich nicht viel anfangen. Sie ist bereits so gut gelaufen und wirkt ausgereizt, zumal mittel- bis langfristig ein Gewinnrückgang in meinen Augen nicht unrealistisch ist.

Andererseits ist die Gigaset-Aktie ein noch heißeres Eisen, weil das Unternehmen mit Verlusten arbeitet und das Kapital auszugehen droht. Trotzdem erscheint jetzt eine kurstreibende nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone möglich. Vor einem überhasteten Einstieg würde ich vielleicht aber lieber noch ein bis zwei Quartale abwarten, bis die Turnaround-Anzeichen deutlicher werden.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Suzanne Frey, eine Exekutive Alphabet, ist ein Teil des The Motley Fools Vorstands. The Motley Fool besitzt und empfehlt Alphabet, Apple und Berkshire Hathaway. The Motley Fool besitzt Qualcomm und hat die folgende Optionsscheine: long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und short Januar 2020 $155 Calls auf Apple.



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